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PolarNEWS Magazin - 9

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News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin 1:0 für die South Orkneys Das erste umfassende Natur-Inventar zu Land und Meer von einer Inselgruppe in der Antarktis hat eine erstaunliche Tier- und Pflanzenvielfalt enthüllt. Während sieben Wochen untersuchten 23 Wissenschaftler an Bord des britischen Forschungsschiffes «James Clark Ross» alles, was in den South Orkney Islands kreucht und fleucht. Diese Inseln galten bisher nicht gerade als herausragendes Beispiel für die Biodiversität. Doch diese Ansicht muss jetzt geändert werden – das umwerfende Resultat: es gibt dort auf und um jene vom Sturm umtosten, vergletscherten Inseln im Südozean mehr Tierarten als auf den tropischen Galapagosinseln. Man fand 1224 Meeres- und Landtierarten wie Seeigel, frei schwimmende Würmer, Krebs- und Weichtiere, Milben und Vögel. Gegen 500 davon waren in diesem Gebiet erstmals festgestellt worden, und 5 Arten waren echte Neuentdeckungen. Wie für eine vergletscherte Inselwelt nicht anders zu erwarten, leben die meisten Tiere der Südorkneys (1026 Arten) im Meer. Die Untersuchung wurde im Rahmen des weltweiten Projektes «Census of Marine Life» zur Feststellung ozeanischen Lebens und dessen Verbreitung durchgeführt. (Quelle: British Antarctic Survey BAS) Inuit: Karte im Kopf Mündlich überliefertes Wissen wird oft als unzuverlässig angesehen. Dieses Vorurteil muss nun im Lichte einer neuen Studie aus der kanadischen Arktis überdacht werden. Der Ethnograf Claudio Aporta hat das umfangreiche geografische Wissen über die Wanderrouten und Verbindungsstrecken der Inuit untersucht und kam dabei zu erstaunlichen Resultaten. Ortskenntnis wird unter den Inuit mündlich überliefert und über viele Generationen weitergegeben, ohne die Hilfe von Land - karten oder anderen schriftlichen Unterlagen. Die Reiserouten durch die Wildnis verkörpern eigentliche Kommunikationswege. Für die Inuit ist ihr Lebensraum durchsetzt von einem Geflecht aus Pfaden und Wegen, welches die kleinen Gemeinschaften via fischreiche Seen und Jagdgebiete mit deren weit entfernt lebenden Nachbarn verbindet. Obwohl es keine permanenten Merkmale in der Landschaft sind, erinnern sich die Inuit an einzelne persönliche Reiseerlebnisse, an im Kollektiv erlebte Geschichten vergangener Reisen, aber auch an die Schneebe schaffen - heit, die Windrichtung, die Form von Schnee - verwehungen sowie an die Flurnamen in Inuktitut, ihrer Sprache. Aporta kommt zum Schluss, dass die Wege nicht nur befahren, sondern richtiggehend gelebt werden. (Quelle: Human Ecology) 8 Polar NEWS

Schildkröte in tropischer Arktis Das kürzlich auf der Axel-Heiberg-Insel in der kanadischen Hocharktis gefundene Fossil einer 90 Millionen Jahre alten asiatischen Süsswasser-Schildkröte bringt neues Licht in die Klimageschichte der Arktis und neue Erkenntnisse bezüglich transpolarer Tier - wanderungen zwischen Asien und Nord - amerika, quer über den Nordpol. Das Aurora-Schildkröte genannte Fossil ist nach Meinung der Geophysiker der erste Beweis dafür, dass Tiere in urgeschichtlicher Zeit eine extrem warme, eisfreie Arktis vorgefunden haben mussten. Zudem lässt dieser Fund Schlüsse zu, dass der Arktische Ozean vor Jahrmillionen von anderen, salzreicheren Meeren isoliert gewesen sein muss. So bildete sich an der Oberfläche jenes Ur- Polarmeeres eine dicke Süsswasserschicht, die von den Flüssen der angrenzenden Kontinente Zufuhr erhielt. Der Schildkröte könnte eine Kette aus kleinen vulkanischen Inseln als Trittsteine bei der «Polüber - querung» gedient haben, welche heute noch als sogenannte Alpha Ridge am Grunde des Arktischen Ozeans als untermeerischer Gebirgszug erkennbar ist. (Quelle: Universität Rochester) Felsenpinguine stürzen ab Die neuesten Zahlen über den (nördlichen) Felsen pinguin verheissen nichts Gutes. Während historische Quellen aus den 1950er Jahren noch von Millionen von Vögeln auf den Inseln von Tristan da Cunha und Gough im Süd - atlantik berichten, trifft man dort heute auf bloss noch einen Zehntel dieser Menge. Die bisherigen Gefährdungs ursachen allein wie Ausbeutung durch den Menschen, verwilderte Hunde und Schweine können einen derartigen Kollaps der Popu lation von über 90 Prozent (oder, um gerechnet, von 100 Felsen pinguinen pro Tag während eines halben Jahrhunderts) nicht erklären. Möglich erweise haben Klima - veränderung, Verlagerung von ozeanischen Ökosystemen und Überfischung der Meere den Niedergang noch beschleunigt. (Quelle: BirdLife International) Stopp vor der Eisgrenze Der kommerzielle Fischfang in den arktischen Küstengewässern des US-Bundes staates Alaska bleibt bis auf weiteres verboten. Damit will die regionale Behörde vermeiden, dass Fangschiffe in Gewässer vordringen, die bis - her von Meereis bedeckt ge wesen waren. Das zuständige North Pacific Fishery Manage - ment Council hat die Mass nahme damit begründet, dass man noch zu wenig wisse über die ökologischen Zusammen hänge in diesen Gebieten und möglichen negativen Auswir - kungen des kommerziellen Fischfangs dort. (Quelle: WWF) Rekord für Wetterballon Ende Dezember 2008 hat die Nasa in der grössten amerikanischen Antarktis-Station McMurdo einen neuen Hochdruck-Wetter - ballon aufsteigen lassen, welcher 42 Tage lang in Höhen um rund 32 Kilometer über der Erdoberfläche Messungen durchführte. Dieser neu entwickelte Forschungsballon soll in naher Zukunft über 100 Tage lang in grossen Höhen messen können und läutet damit eine neue Ära auf diesem Forsch ungs - gebiet ein. (Quelle: Nasa) West-Antarktis wird wärmer Bisher ging man von einer starken Er - wärmung der Antarktischen Halbinsel und einer geringfügigen Abkühlung des Landesinnern von Antarctica aus. Auslöser dieses Zustandes sollen die stärker wehenden West winde gewesen sein. Eine neue Studie belegt jetzt, dass sich die starke Erwärmung weit über die Ant - ark tische Halbinsel hinaus in der ganzen West-Antarktis bemerkbar macht. Die Erwärm ung dort übersteigt 0,1 Grad pro Jahrzehnt während der letzten 50 Jahre. Schuld daran sind aber nicht die West - winde, sondern regionale Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation (Luft - strömungen) und damit verbundene Ände - rungen der Ober flächen temperatur des Meeres und somit auch des Meer-Eises. (Quelle: Nature) Polar NEWS 9

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