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PolarNEWS Magazin - 9

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Eselpinguine habens

Eselpinguine habens gerne kühl, aber nicht kalt. Sie leben deshalb auf den Inseln der Subantarktis und der Antarktischen Halbinsel. allerdings liegt zwischen der Nordküste der Galapagosinsel Isabela (auf fast 0°10’ nördlicher Breite, wo die nördlichsten Pinguine leben – also rund 15 Kilometer nördlich des Äquators!) bis zur James Bay in Kanada, dem südlichsten Vorkommen des Eisbären, immer noch 5800 Kilometer Luftlinie. Kein Grund für Eisbären, sich auf leckere, fette Pinguine zu freuen, und kein Vorwand für die Galapagospinguine, vor Angst zu zittern. Näher kommen sich Pinguin und Eisbär sonst nur in Zoos und Witz zeichnungen. Die nährstoffreichen Wasser der kalten Meeresströmungen bilden die Nahrungs - grund lage für Fische und diese wiederum munden den Pinguinen. Kalte Meeres strö - mungen sind es also, welche die geografische Verbreitung der Pinguine beeinflussen. An der Pazifikküste Südamerikas bringt der Humboldtstrom kalte Wassermassen heran, an der Atlantikküste Patagoniens ist es der Falklandstrom, im Westen Afrikas der Ben - guela strom, vor Neuseeland heisst er Süd - landstrom, und der Cromwell-Strom um - spült die Galapagosinseln. Aufgrund dieser kalten Oberflächenströmungen misst die Wassertemperatur zum Beispiel vor der Nordküste Chiles 10 Grad weniger als in diesen Breiten üblich; vor Peru sind es sogar 12 Grad weniger. Leichter schwitzen Fische jagen in nahrungsreichem, kalten Wasser ist das eine. An Land unter tropischer Sonne die Jungmannschaft füttern das andere. Vor allem die zwischen der gemässigten und tropischen der Zone lebenden Pinguine treffen an Land nicht selten Lufttemperaturen von plus 40 Grad an. Sie müssen sich augenblicklich von der Kälte des Wassers auf die Der Hitzetechniker: Galapagospinguine sind für das Leben nahe am Äquator bestens ausgerüstet und geniessen gerne die warme Abendsonne. Hitze an Land umstellen können und umgekehrt. Da ist ein überaus grosses Mass an Anpassungsfähigkeit gefragt. Zum Beispiel im Bereich der Thermore - gulation: Um die Körpertemperatur trotz des täglichen Wechsels vom Kalten ins Heisse einigermassen auf gleichem Niveau zu halten, haben sich Pinguine an sonnenverwöhnten Küsten Verhaltensweisen angeeignet, die ihren Artgenossen in der Antarktis gar nie in den Sinn kommen würden, zum Beispiel zu hecheln. Am stärksten mit der Hitze zu kämpfen haben die nördlichsten Pinguine der Erde, die Galapagospinguine. Ihnen brennt die Tropensonne am Äquator mächtig auf die Federn. Deshalb halten sie sich so oft und so lange wie möglich tagsüber im kühlen Wasser auf und kommen erst abends und nachts an Land. Sie setzen auch ihre Flügel ein, um Schatten auf die Füsse zu werfen, die ja unbefiedert sind und sich wohl am stärksten erhitzen könnten. An den Lavaküsten dieser vulkanischen Inselgruppe brüten die Galapagospinguine in kleinen Höhlen oder Gruben, um sich vor der Sonne zu schützen. Dickschnabel pinguine in Südaustralien, Tasmanien und Neuseeland hingegen verziehen sich in kühlende Küstenwälder oder in Sandlöcher, und die Magellanpinguine, etwa bei Punta Tombo in Argentinien, deren grösste Brutkolonie überhaupt, scharren Erdhöhlen aus – während ihre antarktischen Verwandten ihre Eier stoisch und zäh aufs Eis oder auf den blanken Felsen legen müssen. Auch das Federkleid der nördlichen Arten unterscheidet sich von demjenigen der südlichen Pinguine. Einerseits ist es weniger dicht, und die Anzahl der einzelnen Federn ist geringer. Andererseits weist es federlose Hautpartien um Schnabelansatz und Augen 30 Polar NEWS

Alle Pinguine dieser Welt Die hier aufgeführte Liste umfasst 18 Arten, wobei die Aufteilung des Felsenpinguins in zwei unterschiedliche Arten (südlicher und nördlicher Felsenpinguin) nicht von allen Fachleuten anerkannt wird. Die Populationszahlen basieren auf den neuesten ver - fügbaren Schätzungen von BirdLife International und bedeuten Individuen/ Einzeltiere. Die beiden einzigen Pinguinarten, die ausschliesslich in der Antarktis und nirgends sonst vorkommen, sind fett hervorgehoben. auf. Dies ganz im Gegensatz zu den Pinguinen der kalten Regionen, wie etwa bei Kaiser- oder Adéliepinguin, deren Schnabel - wurzel und Füsse so weit wie möglich befiedert und damit kältegeschützt sind. Ein grosser Teil der überschüssigen Körperwärme können die Pinguine auch über ein dichtes Geflecht aus Adern an der Flügelinnenseite abgeben. Tricks zur Kühlung Und siehe da: die nördlichen Arten besitzen längere Flügel. Und sie haben kürzere Federn, was die Wärmeabgabe beträchtlich erleichtert. Deshalb sieht man Pinguine häufig mit ausgebreiteten, leicht hellrötlich gefärbten Flügeln in der leichten Brise am Ufer stehen – sie sind dann gerade im Be - griff, sich Kühlung zu verschaffen. Im Allge - meinen nimmt die Länge der Pinguinfeder nach Süden hin zu – die Antarktisbewohner haben die längsten, und damit einen regelrechten Wintermantel. Während die Polarpingus ihr Federkleid nur ein Mal pro Jahr erneuern, mausern die Galapagospinguine als einzige Pinguinart überhaupt zwei Mal jährlich. Dies ist bitter nötig, weil die Tropensonne die Federn ausbleicht, sie nehmen dann eine bräunliche Färbung an, und oftmals wachsen Algen im Gefieder von Brust, Bauch und Flügeln. Wer also von nun an Pinguin sagt, braucht ja nicht gleich in Schweiss auszubrechen, aber ein paar Gedanken an die vielen fluglosen Meeresvögel an gemässigten oder subtropischen Küsten dürften schon verschwendet werden. Denn wir wissen jetzt: Die frierende Minderheit ist nicht die Regel. PolarNEWS Königspinguin Aptenodytes patagonicus 2 Millionen Kaiserpinguin Aptenodytes forsteri 270’000 – 350’000 Eselspinguin Pygoscelis papua 520’000 Adéliepinguin Pygoscelis adeliae 4 Millionen – 5,2 Millionen Kehlstreif-/Zügelpinguin Pygoscelis antarcticus 8 Millionen (südlicher) Felsenpinguin Eudyptes chrysocome 500’000 – 1 Million (nördlicher) Felsenpinguin Eudyptes moseleyi 100’000 – 500’000 Dickschnabelpinguin Eudyptes pachyrhynchus, 5000 – 6000 Snaresinsel-/Snarespinguin Eudyptes robustus 60’000 Kronen-/Sclaterpinguin Eudyptes sclateri 154’000 – 170’000 Goldschopfpinguin Eudyptes chrysolophus 18 Millionen Haubenpinguin Eudyptes schlegeli 1’702’000 Gelbaugenpinguin Megadyptes antipodes 4840 Zwergpinguin Eudyptula minor 350’000 – 600’000 Brillenpinguin Spheniscus demersus 72’000 Humboldtpinguin Spheniscus humboldti 3300 – 12’000 Magellanpinguin Spheniscus magellanicus 4,5 – 10 Millionen Galapagospinguin Spheniscus mendiculus 1770 Total der geschätzten Population 40 bis 48 Millionen Vögel Goldschopfpinguine sind die weltweit häufigsten Pinguine. Sie leben in der Subantarktis. Polar NEWS 31

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