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PolarNEWS Magazin - 9

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Stephan Siegrist Der

Stephan Siegrist Der Berner Blondschopf wurde 1972 ge boren und lebt heute in Ringgenberg im Berner Ober - land in einer Wohnge mein schaft mit drei anderen Bergführern. Stef, wie ihn seine Freunde nennen, ist gelernter Zimmermann, ausge - bildeter Berg führer und längst Profi kletterer von internationaler Berühmt heit: Mehrere Erstbe gehungen auf fast allen Konti nenten sind ihm bisher gelungen. Schon über 20 Mal hat er die Eiger Nordwand bestiegen, unter anderem live begleitet vom Schweizer Fernsehen. Für den deutschen Kinofilm «Nord wand», der die wohl berühmteste und am tragischsten gescheiterte Eiger-Expe dition nacherzählt, doubelte Siegrist den Hauptdarsteller und stand dem Filmteam beratend zur Seite. Als Hobby bezeichnet Siegrist seine zweite Leidenschaft: Base Jumping. Kein Wunder, hört er ab und zu gerne Heavy-Metal-Bands wie Rammstein... Ab Februar 2010 wird Stephan Siegrist mit einem Diavortrag über die Expedition in die Antarktis auf Tournee sein. www.stephan-siegrist.ch 23 VON UNSEREN 10 000 OUTDOOR-PRODUKTEN Ob GPS, Rucksack oder Wasserfilter – mit Hilfe unserer reiseerfahrenen Mitarbeiter findest du bei Transa garantiert das richtige Produkt für dein Abenteuer. Transa – das ist Beratung multipliziert mit 10 000 Outdoor-Produkten der weltbesten Ausrüstungs- und Bekleidungshersteller. 24 Polar NEWS Transa Travel- & Outdoor-Läden findest du in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Zürich – www.transa.ch

Bilder: Archiv Antarktis uns zum Abschluss an eine dritte Erst be - gehung: Den Holtanna von seinem Nord - pfeiler her. Der Grat hat uns von seiner Ästhetik angetan. Und bisher ist noch keinem Bergsteiger eine reine Felskletterei im freien Stil in der Antarktis gelungen. Zwischen Sonne und Schatten liegen rund 20 Grad Unterschied: Stephan führt die zwölfte Seillänge während der Erstbegehung der Holtanna-Westwand. Soldaten müssen diese Männer keinen roten Rappen für ihr Abenteuer selber bezahlen, während ich zu Hause Monate damit zugebracht habe, Sponsorengelder aufzutreiben... Immerhin: Die Franzosen scheinen längst nicht so motiviert zu sein wie ich. Zwei Tage später marschieren wir mit den Skiern 50 Kilometer um das gesamte Massiv herum, um mögliche Aufstiegs routen zu beschauen und zu besprechen. Wir entscheiden uns am Ulvetanna für den Nordwestgrad. Dieser Grat ist noch unbestiegen... Überhaupt hat es seit den drei eingangs erwähnten Norwegern keine Expe dition mehr geschafft, den Ulvetanna zu besteigen. Wir wollen die nächsten sein. besten Sinne des Wortes einzigartig: In Richtung Süden stehen wir in etwa auf gleicher Höhe wie das Inland-Eis! Das kommt daher, weil das kilometerdicke Eis der Antarktis gegen das Meer hin abfällt. Erst dieser Umstand lässt «unsere» Berge aus dem Eis ragen. Die Spitze des Ulvetanna liegt übrigens 2931 Meter über dem nahegelegenen Meeres - spiegel – der zweithöchste Punkt von Norwegen, da das Queen-Maud-Land norwegisches Territorium ist. Was wiederum ahnen lässt, was für grossartige Gebirgszüge sich wohl noch unterhalb der Eisdecke befinden... Beflügelt von unserem Erfolg, machen wir Weihnachten zu Hause Die Kletterei ist nicht mehr ganz so an - spruchsvoll wie bei den vorangegangenen Erstbegehungen. Die Schönheit und Ausge - setzt heit des messerscharfen Grates beflügelt uns, und es gelingt uns dreien, diese Neutour frei zu begehen, also ohne technische Hilfs - mittel. Wir sind überglücklich, es ist einfach wunderbar. Da wir das Gefühl haben, dass wir uns in Richtung Himmel bewegen, geben wir dieser Route den Namen Skywalk. Nach insgesamt 64 Tagen unterwegs kommen wir alle wieder am 24. Dezember zu unseren geliebten Familien zurück – rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Ein schönes Nach-Hause- Kommen. Obwohl die Schweiz in tiefem Winter steckt, habe ich das Gefühl von Wärme. Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig. Nach Wochen in der Mitternachtssonne empfinde ich die nächtliche Dunkelheit fast als beängstigend. Aber nach ein paar Tagen habe ich mich auch daran wieder gewöhnt. Ob ich wieder in die Antarktis gehen würde? Es gibt dort tatsächlich noch einige Gipfel und Routen, die ich gerne mal begehen würde. Aber erstens sind Abenteuer in der Antarktis sehr teuer – alleine dieser Trip kostete über 40’000 Franken pro Person. Und zweitens plane ich bereits wieder andere Touren in anderen Ländern. PolarNEWS Zwei neue Routen Schon am nächsten Tag konzentrieren wir uns auf unser zweites grosses Ziel: den Ulvetanna, den anderen Berg gleich neben dem Holtanna. Die 1000 Meter hohe West - wand ragt senkrecht aus dem Eis. Bis jetzt hat es nur eine einzige Expedition bis oben auf den Gipfel geschafft. Wir wollen die zweite sein. Doch nun bestimmen erst antarktische Stürme unser Tagesgeschehen. Wir sind zum Warten verurteilt. Zwölf Tage nach der Besteigung des Holtanna wagen wir uns an die Nordwest-Grat des Ulvetanna. Wieder ist der Fels so kalt, dass er sich anfühlt wie Eis, wieder friert uns alles an der Haut fest, was wir zwischen die Lippen klemmen, und wieder fängt jedes Mal sofort das Kuhnageln an, wenn wir zum Klettern die Handschuhe ausziehen. Aber wir schaffen es: Nach 3 Tagen stehen wir nach einer zweiten Erstbegehung auf dem höchsten Punkt des Ulvetanna. Wie schon auf dem Holtanna ist auch hier die Aussicht auf dem Gipfel im Trotz der Kälte zeigen die vier Abenteurer ihre Muckis für das Siegerbild vor dem Holtanna: (von links) Stephan Siegrist und die beiden Brüder Thomas und Alexander Huber. Polar NEWS 25

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