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PolarNEWS Magazin - 9

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Serie Vergessene Helden

Serie Vergessene Helden Teil V Der Eroberer ohne Ruhm Vor genau hundert Jahren erlebte die Welt eine Sensation: Der amerikanische Marine-Ingenieur Robert Edwin Peary verkündete, er habe am 6. April 1909 als erster Mensch überhaupt den Nordpol betreten. Die Eiswüste des Nordens war endlich erobert – ein Triumph! Die National Geographic Society, die Pearys Expedition mitfinanziert hatte, jubelte. Doch dummerweise tauchte nur zwei Wochen später der amerikanische Arzt Frederick Albert Cook in Kopenhagen aus der Versenkung auf und verkündete der Welt kurz und bündig: «Erreichte den Nordpol am 21.4.1908.» – also ein ganzes Jahr früher als Peary. Was war geschehen? Frederick Cook startete im Sommer 1907 als Expeditions - leiter eines Jagdausflugs nach Nordgrönland und verliess laut seinem Tagebuch am 19. Februar 1908 das Schiff, um zusammen mit zwei Inuit per Schlitten zum Nordpol zu wandern. Diesen erreichte er 61 Tage später am 21. April 1908. Doch das Schicksal war ihm nicht gnädig: Auf dem Rückweg gerieten die drei Abenteurer in einen Sturm, drifteten tagelang Frederick Albert Cook. auf dem Eis und fanden nicht mehr zum Schiff zurück. Ganze 14 Monate dauerte schliesslich die Odyssee am Rande des Todes, bis die drei Helden wieder besiedeltes Gebiet erreichten. Und genau in dieser Zeit hatte Robert Peary ebenfalls den Nordpol erobert und seinen Sieg feierlich verkündet. Nun hatten die beiden ein ernsthaftes Problem: Jahrzehntelang hatten Abenteurer und Forscher erfolglos versucht, den Nordpol zu erreichen. Wer es als erster schaffen würde, dem würde ewiger Ruhm zuteil. Und weil nun sowohl Peary als auch Cook diesen in Anspruch nahmen, wurden die beiden zu erbitterten Feinden. Wo sie doch einst enge Freunde waren: Als Robert Peary 1890 zu seiner ersten Grönland-Expedition aufbrach, nahm er den damals frischgebackenen Mediziner Frederick Cook als Schiffsarzt mit. Prompt brach sich Peary den Unterschenkel, und Cook musste ihn verarzten. Später versuchten beide unabhängig voneinander erneut und mehrmals, den Nordpol zu erreichen. Der Wettlauf war eröffnet. Der Sieger war, wie sich jetzt herausstellte, allerdings unklar. Bis heute hat sich auch die Wissenschaft nicht für einen klaren Sieger entscheiden können. Denn beide Entdecker blieben definitive Beweise schuldig. Cook verlor sämtliche Unter - lagen auf seiner 14-monatigen Odyssee nach Hause. Peary brachte ein Bild mit nach Hause, das Männer im Eis zeigte, aber im Grunde überall hätte ge - macht werden können. Auf - grund von Nachberechnungen kann man heute annehmen, dass Robert Peary den Nordpol um rund 150 Kilometer verpasst hat. Verdächtig auch, dass er auf der letzten Etappe seinen Navi - gator zurückgelassen hatte. Frederick Cook hingegen be - schrieb in seinem Tagebuch Eis und Wasserläufe, wie sie nur im Nordpolgebiet vorkommen. Aber endgültig beweisen tut auch das noch nichts. Fest steht, dass zwischen den beiden Konkurrenten ein erbitterter Rufmord-Krieg ausbrach. Peary startete mit Hilfe der wohlhabenden National Geo - graphic Society grossangelegte Kampagnen, in denen Cook als Leugner, Hochstapler und Schwindler denunziert wurde. Cook stellte derweil seine Nordpol-Entdeckung im Foto - studio nach, um der Welt einen Eindruck seiner Eroberung zu vermitteln. Was Peary wiederum veranlasste, in der «New York Times» ellenlange Schimpftiraden gegen Cook zu publizieren. Schliesslich hatte der reichere und mit besseren Kontakten ausgestattete Peary solange seinen eigenen Namen in die Welt hinaus gerufen, bis Cook allmählich in Vergessenheit geriet und am Ende nur noch der Name Peary als Nordpol-Entdecker übrig blieb. Im März 1911 dankte der damalige US-Präsident William Taft dem Marine-Ingenieur Robert Peary hochoffiziell dafür, dass er den Nordpol erobert hatte. Somit hatte Frederick Cook definitiv verloren. Er starb am 5. August 1940 völlig verarmt, verbittert und vergessen in seiner Heimatstadt New York. In einer seiner letzten offiziellen Verlautbarungen schrieb er: «Ich erkläre mit Nachdruck, dass ich, Frederick A. Cook, den Nordpol entdeckt habe.» Greta Paulsdottir 16 Polar NEWS

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