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PolarNEWS Magazin - 8

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News aus der

News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Rund um den Nordpol – per Schiff! In der ersten Septemberwoche dieses Jahres waren die Nordwest- sowie die Nordost - passage zum ersten Mal überhaupt gleichzeitig praktisch eisfrei. Das Meereis war nörd - lich von Eurasien und von Nord amerika weit von der Küste weggeschmolzen, wodurch sich in beiden Passagen eine Rinne «offenen Wassers» mit weniger als 10 Prozent Eisbe - deckung bildete. Auf diesen historischen Moment hat die kommerzielle Schifffahrt nur gewartet: Könnte man via Nordostpassage von Europa nach Fernost fahren, würde sich die Fahr - strecke um 40 Prozent verkürzen. Von Ham - burg ins japanische Yokohama misst die Nordroute bloss 7400 Seemeilen (13’700 Kilometer), die übliche Strecke durch den Suez-Kanal jedoch 11’500 Seemeilen (21’300 Kilometer). Noch wird es allerdings ein Weilchen dauern, bis die Nordostpassage tatsächlich von Handelsschiffen befahren werden kann – Russ land stellt vorläufig keine Bewilligungen dafür aus. (Quellen: Nasa, Spiegel) Eis kommt, Eis geht: Ein heisses Thema Gletschereis und Meereis sind die Dauer - themen in den Pressemeldungen der Polar - organisationen. PolarNEWS gibt einen Über - blick über die heissesten Eismeldungen der letzten Wochen: Weniger Eis in der Arktis: Mitte September hatte das Meereis im Arktischen Ozean um den Nordpol natürlicherweise seine jährliche Minimalausdehnung erreicht. Es bedeckte 4,52 Millionen Quadratkilometer – der zweit - tiefste Wert überhaupt. (Quelle: National Snow and Ice Data Center) Mehr Eis in der Antarktis: Das Eis um den Kontinent Antarktika erreicht jeweils im September (am Ende des Südwinters) seine Maximalausdehnung – und diese nimmt um 0,6 Prozent pro Jahrzehnt zu. Im September 2008 waren 19 Millionen Quadratkilometer des Südozeans mit Meereis bedeckt. Klimamodelle hatten der Antarktis – entgegen der Arktis – eine verzögerte Erwärmung vorausgesagt. Die Prognosen orten den Wendepunkt hin zu einer Erwärmung am Südpol allerdings recht bald. (Quellen: Reuters, ENN) Schelfeisverlust: Die einmaligen, seit 4500 Jahren existierenden und 40 Meter dicken Schelfeisflächen an der Nordküste der kanadischen Arktisinsel Ellesmere haben allein diesen Sommer total 214 Quadratkilometer oder rund einen Viertel ihrer Fläche eingebüsst. Einer der dortigen Eisschelfe hat sich sogar vollständig aufgelöst. In den letzten hundert Jahren hat Kanada über 90 Prozent seiner Schelfeisgebiete verloren. (Quelle: Trent University) Grönlandgletscher: Der schnellste ständig fliessende Gletscher der Welt bei Ilulissat in Westgrönland und wichtigster Ausfluss - gletscher des Inlandeises hat sich diesen Sommer weiter zurückgezogen als jemals zuvor in den letzten 150 Jahren. Der Eisverlust im Innern Grönlands geht jedoch nach einer anderen Studie nicht auf die wenigen ganz grossen Ausflussgletscher zurück, sondern auf die unzähligen kleineren. Sie verantworten gut drei Viertel des gesamten grönländischen Inlandeis-Verlustes. (Quellen: MODIS/Byrd Polar Research Center und Ohio State University) 8 Polar NEWS

Auf der Suche nach neuen Energie-Ressourcen Am 1. Oktober kehrten zwei Schiffe aus der Arktis zurück, deren Crews im Auftrag der Regierungen Kanadas und der USA Neuland erforschten: Die Wissenschaftler kartografierten bisher unbekannte Regionen des Meeres bodens im Arktischen Ozean vor der Nordküste Alaskas und des Yukon- Territoriums und inventarisierten deren Geologie. Ziel ist es festzustellen, ob dort allfällige Hoheitsrechte dieser beiden Staaten bezüglich Öl- und Gasvorkommen sowie Bergbau geltend gemacht werden können. Immerhin werden nach neuesten Schätzungen 22 Prozent der weltweit noch unentdeckten Energieressourcen in der Arktis vermutet – dies bedeutet 90 Milliarden Fass Erdöl, 47 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 44 Milliarden Fass verflüssigtes Erdgas. Andere Bodenschätze wie Gold, Diamanten, Nickel, Eisen, Kupfer und Zinn sind da noch gar nicht mitgezählt... (Quelle: Science Blog) In der Antarktis wird das Ozonloch grösser Das Ozonloch über der Antarktis wird dieses Jahr grösser sein als 2007, wie die Weltorganisation für Meteorologie WMO anlässlich des Internationalen Tages zum Schutz der Ozonschicht vom 16. September mitteilte. Das Loch hatte zu diesem Zeit - punkt bereits eine Grösse von 27 Millionen Quadratkilometern erreicht (2007: 25 Millionen Quadratkilometer). Atmosphärenforscher werden sich vermehrt eines Zusammenhangs zwischen Ozonloch und Klima-Erwärmung bewusst. Zunehmen - de Konzentrationen von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre führen zu höheren Temperaturen in der Troposphäre und auf der Erdoberfläche. Die Stratosphäre hingegen, wo sich die schützende Ozonschicht befindet, wird dadurch abgekühlt. In der Tat beob- achtete man in den letzten Jahrzehnten eine Auskühlung der Stratosphäre im Winter. Dies betrifft die Antarktis wie auch die Arktis. Kalte Temperaturen beschleunigen aber die chemischen Reaktionen, welche schliesslich das Ozon zerstören. Gleich - zeitig nahm die Menge an Wasserdampf in der Stratosphäre zu – eine feuchtere und zudem kältere Stratosphäre begünstigt die Bildung von polaren Stratosphärenwolken, welche wiederum die Ozonzerstörung in beiden Polarregionen ankurbeln. Solche Veränderungen in den hohen Schichten der Erdatmosphäre könnten die erhoffte Erholung der Ozonschicht verzögern. Webtipp: Antarctic Ozone Bulletin 1/2008 als PDF unter www.wmo.int/pages/ prog/arep/gaw/ozone/index.html. (Quelle: WMO) Keine Rastplätze für Walrosse Weil die Fläche des Meereises abnimmt, stehen den Walrossen in der Arktis immer weniger Treibeisschollen zur Verfügung, auf denen sie gerne rasten würden. Mitarbeiter des WWF Russland entdeckten entlang einer rund 350 Kilometer langen Küsten - linie am Tschuktschenmeer im fernen Osten Russlands die Kadaver von über tausend Walrossen. Dies liefert einmal mehr den Beweis dafür, dass sich die dramatische Eissituation in der Arktis katastrophal auf die Fauna auswirkt. Fehlendes Treibeis hat ausserdem zur Folge, dass die See rauer wird und Walrosse bei ihrer Nahrungssuche zu längeren Schwimm - strecken gezwungen werden, was zum Tod durch Überanstrengung führen kann. (Quelle: WWF Arctic Programme) Meeresboden: Aufgekratzt und weggescheuert Just dort, wo sich das Leben antarktischer Meeresbodenbewohner mehrheitlich ab - spielt, kratzen Eisberge vermehrt den Boden auf. Würmer, Seespinnen, Seeigel und andere Kreaturen, welche küstennahe, wenig tiefe Meeresbereiche entlang der Antarktischen Halbinsel bewohnen, sind sich zwar daran gewöhnt, öfters mal von Eisbergen mit Tiefgang weggescheuert zu werden. Wissenschaftler des British Antarctic Survey BAS geben aber nach neuesten Unter suchungen zu bedenken, dass sich diese Störungen an der Halbinsel häufen. Grund dafür sei ein Rückgang in Fläche und Dicke beim winterlichen Meereseis in dieser Region. Waren Eisberge bisher im Winter eis festgefroren und somit daran gehindert zu stranden und den Meeres - boden umzugraben, so sind die Eisberge heute dort fast ganzjährig in Bewegung. Man hat erkannt, dass solche Störungen durch Eisberge die eigentlich treibende Kraft hinter der grossen biologischen Vielfalt am Meeresboden sind. Eine Zunahme dieser Eisberg strandungen ve - rändert allerdings die Arten zusammen - setzung auf dem Meeres boden. (Quelle: BAS) Polar NEWS 9

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