Aufrufe
vor 2 Jahren

PolarNEWS Magazin - 8

  • Text
  • Polar
  • Polarnews
  • Antarktis
  • Expedition
  • November
  • Januar
  • Oktober
  • Natur
  • Heiner
  • Tage

Abenteuer Tagebuch vom

Abenteuer Tagebuch vom Dienstag, 1. Mai: «1. Tag. Distanz: 15,9 km. 89° 48’ 57’’ N. 34° 20’ 04’’ E. Tag der Arbeit! Wir sind endlich unterwegs Richtung Franz-Josef-Land und hatten einen ausgezeichneten Start, warm, minus 10 Grad, Sonne, gutes Eis. Wir haben bereits einige Rinnen überquert, eine mit Schwimmanzug und robbend, da das Eis zu dünn war. Die Kajaks, die wir als Schlitten verwenden, sind schwer. Solange das Gelände flach ist, geht alles gut. Aber schon die kleinsten Presseishügel verursachen Arbeit. Pro Person haben wir etwa 170 Kilogramm Gepäck dabei. Hinter dem Kajak ziehen wir einen zusätzlichen Schlitten mit je 25 Liter Benzin nach.» Wir verfügten über erstklassige Hightech-Ausrüstung, tägliche Kommuni kation über Satellitentelefon und Informationen mittels Satellitenbildern, ferner exzellentes Kartenmaterial und Orientier ung mit GPS. Die ersten Tage unserer Expedition verliefen ohne Zwischenfälle. Die Sonne schien oft, es war für arktische Verhältnisse recht warm, ich empfand die Stimmung als geradezu frühlingshaft. Natürlich trafen wir bald auf die ersten schlimmen Presseiszonen, deren Überwindung mit den voll beladenen Kajaks unglaublich anstrengend war. Die Eisformationen, die wir unterwegs mit dem GPS anpeilten, faszinierten mich: Ich gab ihnen Namen, ich sah Grenzsteine, Pilze, Trolle, Berge… Wir konnten schon bald unsere Zugsegel zur Unterstützung beim Gehen einsetzen. In den ersten elf Tagen legten wir regelmässig zwischen 14 und 19 Kilometer pro Tag zurück. Wir 28 Polar NEWS

Der lange Weg zum Kap 113 Tage lang kämpften sich Thomas Ulrich und Børge Ousland von Nordpol bis zum Nordkap. Thomas Ulrich erzählt. waren bereits in einem Rhythmus, an den wir uns strikte hielten: 9 Uhr Aufstehen, 12 Uhr Abmarsch, eineinhalb Stunden marschieren, kurze Pause, dann weiter. Und das bis 21 Uhr abends. Zwei Tage später schafften wir einen neuen Rekord: 45,5 Kilometer, für die wir 15,5 Stunden unterwegs waren und die mir eine extrem schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung am Fuss einbrachten. Ich war gezwungen, starke Schmerzmittel zu nehmen, vor allem aber wurde das Gehen zur reinen Tortur. Das Gelände war schwierig, wir trafen unzählige Rinnen an, wo wir die Segel zusammenlegen mussten, um dann über die Rinne zu kriechen und sie danach wieder aufzubauen. Die Zugsegel erleichtern das Ziehen des Schlittens: Sie helfen einem, das schwere Gewicht über das Eis zu wuchten; wirklich über das Eis fahren kann man damit nur selten, auch weil Tage, an denen alles zusammenstimmt – grosse, ebene Eisflächen und Wind aus der richtigen Richtung – rar sind. Das Gehen mit den Zugsegeln ist anspruchsvoll, nervenaufreibend, anstrengend und gefährlich: Wenn man ohne Segel unterwegs ist, hält man bei einer Presseiszone an und sucht sich vorsichtig den besten Weg. Mit den Segeln hat man hingegen sehr wenig Zeit zum Entscheiden, und so passiert es nur allzu häufig, dass man mit offenem Segel in aufgeworfenem Eis steht und nach vorne gezogen wird, während sich hinter einem der Schlitten zwischen den Blöcken verkeilt. Bis zum Schluss der Expedition hatte ich die Nase voll von dieser Art der Fortbewegung, auch wenn sie uns an guten Tagen viel geholfen hatte. » Polar NEWS 29

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum