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PolarNEWS Magazin - 8

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Segeln Einhand um die

Segeln Einhand um die Antarktis Hundert Tage allein auf hoher See: Mit seiner selbst gebauten Segelyacht «Nina Soraya» hat sich der Schaffhauser Markus Weissenberger aufgemacht, die Antarktis im Alleingang zu umschiffen. Für PolarNEWS schreibt er auf dem Törn seines Lebens einen Blog. Von Christian Hug (Text) und Heiner Kubny (Bilder) Segeln auf dem Bodensee hin, Kanufahren auf dem Rhein her: Wahre Segler zieht’s auf die hohe See hinaus, aufs Meer, wo die Wellen spektakulär und die Winde kräftiger sind, wo die Freiheit, wenn man so will, grenzenlos ist. Das hat der 31-jährige Markus Weissen - berger alles schon hinter sich. «Ich bin fasziniert davon, mich mit Windkraft fortzubewegen, wenn ein Schiffsrumpf elegant seinen Weg durch die Wellen zieht», begründet der fröhliche Blondschopf seine Leiden - schaft. Einverstanden: Es waren keine jahrelangen Fahrten, wie sie der Berner Sänger Peter Reber einst zelebrierte, ein solches Abenteuer bleibt für die allermeisten Segler ein lebenslanger Traum. Aber Weissen - berger absolvierte regelmässig Törns auf den Meeren dieser Welt, er kennt sich aus mit der Materie. Ausser in den polaren Gebieten, dort, wo die See noch wilder ist, die Wellen höher schlagen und das Wetter sehr schnell wechselt. Irgend wann war in Markus der Entschluss gereift, genau dorthin zu segeln. In die Antarktis, das härteste Segelgebiet der Welt, rund um den Kontinent herum, und zwar alleine und überhaupt mit einem selbstgebauten Boot. Schliesslich ist Markus gelernter Schiffs bauer. Selbst gebaute Yacht Jahrelang plante er, monatelang baute er, 600’000 Franken hat er in sein Schiff investiert, jetzt ist es zweieinhalb Millionen wert, die «Nina Soraya»: ein 18 Meter ketsch getakelter Zweimaster mit Mittel - cockpit. 24 Tonnen schwer mit einen Bleikiel von 8 Tonnen Gewicht. Die Segel - 18 Polar NEWS

Der Rohbau des Schiffes wurde mit einem Lastwagen von Russland an den Hafen in Birsfelden geliefert... fläche am Wind beträgt 150 Quadratmeter, dazu kommt ein Genacker von 150 Qua - dratmetern Fläche. Das Boot besitzt ein spezielles Rigg für die härtesten Be dingungen und ist fürs Einhandsegeln ausgelegt. Das bedeutet: Markus Weissenberger wird alleine auf dem Schiff sein, eine Hand permanent am Ruder. Geht das überhaupt, hundert Tage lang? «Ich kann das Boot zwar mit dem Auto - piloten steuern, und ein Radar wird mir beim Überwachen helfen. Schlafen werde ich trotzdem nie mehr als 45 Minuten am Stück, da ich ja immer Ausschau halten und mich auf Wind und Wellen konzentrieren muss», erklärt Markus. Sogar zum Essen wird er kaum Zeit haben: «Ich werde versuchen, wenigstens einmal am Tag warm zu essen. Wenn ich nicht kochen kann, gibt’s halt nur Suppe, Brot, Kekse und Konserven, ...wo es zum Einhandsegler ausgebaut und danach weiter nach Spanien transportiert wurde. die ich schnell zubereiten kann.» Proviant für ein halbes Jahr hat Markus im Schiffsrumpf verstaut. Sicherheitshalber... Von Insel zu Insel Und ist gefährlich, was er da vorhat? «Natürlich birgt diese Expedition Gefahren, die Antarktis gilt als anspruchvollstes Segelgebiet der Welt, und ich kann mich ja auch auf dem Schiff verletzen», sagt Markus. «Aber es sind auch schon Segler im Bodensee ertrunken...» Am meisten fürchtet er sich aber vor dem Alleinsein, zumal die klassischen Familienfeste wie Weihnachten und Neujahr gefeiert werden, während Markus alleine um die Antarktis segelt. Um nicht gänzlich «ins Blaue» hinauszufahren, hat Markus seine Route so geplant, dass er mehr oder weniger von Inselgruppe zu Inselgruppe rund um den Weissen Kontinent segelt. «Wenn mir etwas Ernsthaftes widerfahren sollte, kann ich wenigstens Festland ansteuern.» Gestartet ist Markus bereits Anfang Oktober bei den Kanarischen Inseln. Auf der Fahrt nach Südafrika will er sich an den Alltag und den Lebensrhythmus des Einhandseglers ge wöhnen, und dann, ungefähr Ende November, geht’s in Kapstadt los. Anpeilen will Markus, in dieser Reihenfolge, Prince Ed ward Island, Crozet Island, Kerguelen, Heard and Mc Donald Islands, Macquarie Island, Südgeorgien, South Sandwich Islands, Bouvetoya und von dort zurück nach Kapstadt, wo ihn wohl seine Freundin sehnlichst erwarten wird. Markus schreibt einen Blog fürs PolarNEWS Wir bleiben dran: Exklusiv für PolarNEWS schreibt Markus Weissen berger während seiner Antarktis-Umsegelung einen Blog: Regelmässig wird er von seinen Aben - teuern auf See berichten und uns, wenn’s klappt, auch Bilder übermitteln. Zu lesen ist der Blog auf www.polar-news.ch PolarNEWS Polar NEWS 19

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