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PolarNEWS Magazin - 7

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Von Heiner Kubny (Text

Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Dimorphismus nennen Zoologen den riesigen Unterschied der Körpergrösse von Männchen und Weibchen. Auch bei der Antarktischen Pelzrobbe fällt dieser Unter - schied sofort ins Auge: Ausge wachsene Männchen bringen fünfmal mehr Kilos auf die Waage als die Weibchen. Wer, wie diese Robben, seine Weibchen gleich im Harem hält, hat entsprechend viel zu tun... Die Antarktische Pelzrobbe, auch Antarkti - scher Seebär genannt, gehört zu den Ohren - robben, was in diesem Falle vor allem bedeutet, dass die Lauscher auf dem sowieso schon kleinen Kopf geradezu winzig sind, was den Widerstand unter Wasser verringert. Dafür sind die Augen verhältnismässig riesig: Das ermöglicht den Tieren beim Tauchen gute Sicht. Das überaus dichte Fell ist sowohl wasser- als auch winddicht. Es besteht aus einer dichten Unterwolle und einer oberen Schicht von Grannenhaaren, die grau bis braun gefärbt sind. Hin und wieder kann man in den Kolonien auch Albinos beobachten. Die Männchen verfügen zudem im Schulterbereich über eine dichte Mähne. Diese fehlt den Weibchen völlig. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Ihren wissenschaftlichen Namen Gazella hat die Antarktische Pelzrobbe übrigens vom gleichnamigen Schiff, das 1874 durch die Kerguelen fuhr: Der deutsche Naturforscher Wilhelm Peters, der auf der «Gazella» mit an Bord war, beschrieb als erster europäischer Forscher die Antarktische Pelzrobbe. Lebensraum Antarktische Pelzrobben leben vom 61. Grad Süd bis nördlich der Antarktischen Konver - genz. Hauptpaarungsgebiete sind die felsigen Strände von South Georgia, South Shetland, South Sandwich, Insel Bouvet, die Kerguelen und South Orkney. Nördlich der Antarktischen Konvergenz sind nur drei Kolonien bekannt: auf den Inseln Macquarie, Crozet und Marion. Die Gesamtpopulation wird auf 2 bis 4 Millionen Tiere geschätzt. Ausserhalb der Paarungszeit wandern vor allem die Weibchen, mit Abstrichen auch Männchen, über weite Strecken. Die genauen Migrationsrouten sind jedoch unbekannt. Sichtungen sind aus dem südlichen Brasilien, Chile und Argentinien bekannt. Männchen bleiben gelegentlich ganzjährig in den Paa - rungsgebieten oder wandern nur wenig umher. Brut und Aufzucht Männchen und Weibchen werden im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif, die Männchen sind erst mit sechs bis zehn Jahren soweit. Die männlichen Tiere leben ausserhalb der Paarungszeit weitgehend als Einzelgänger. Wenn Ende November die Paarungszeit beginnt, kommen die Männchen etwas früher als die Weibchen zu den Kolonie-Stränden und marchen erstmal mit Herzig anzusehen: Pelzrobben-Junges bei der Fellpflege im seichten Wasser. heftigen Kämpfen die besten Brutplätze unter sich aus. Wenn dann die Weibchen eintreffen, geht das Werben und Kämpfen weiter: Jeder Bulle versucht, das grösste Harem um sich zu scharen, meist sind es plusminus zehn Weibchen. Sind die besten Liegeplätze und die Harems einmal definiert, werden die Antarktischen Pelzrobben zu geselligen Tieren. Schon zwei bis drei Tage nach der Ankunft der Weibchen in der Kolonie gebären diese ihr Junges. Bei seiner Geburt wiegt das Robbenbaby 4,5 bis 6,5 Kilogramm, ist bis zu 70 Zentimeter lang und trägt ein schwarzes Fell. Die Mutter säugt ihr Junges während jeweils 6 bis 8 Tagen und verabschiedet sich dann für 3 bis 5 Tage zur Futtersuche im Meer, bevor es wieder zu ihrem Jungen zurückkommt. Fröhliche Familie: Der Bulle ist wesentlich grösser und schwerer als das Weibchen. Er verteidigt Revier und Familie aggressiv. 56 Polar NEWS

Robbenbabys sind Einzelkinder. Sie werden rund 4 Monate gesäugt. Dazu stehen dem Jungtier vier Zitzen zur Verfügung. Insgesamt werden die Jungtiere während 4 Monaten gesäugt, danach sind sie auf sich selbst angewiesen. Rund ein Viertel aller Robbenbabys überlebt das erste Lebensjahr nicht – für Orcas und Seeleoparden sind die unerfahrenen Jungtiere eine relativ leichte Beute. Ernährung Im Gebiet um Shouth Georgia ernähren sie sich hauptsächlich von Krill und Fisch. Die um Macquarie und den angrenzenden Inseln Der Pascha: Pelzrobbenmännchen tragen eine prächtige Mähne. Bei den Weibchen fehlt diese. beheimateten Pelzrobben jagen auch Fische und Kalmare. Antarktische Pelzrobben gelten als gute Schwimmer und Taucher. Bei der Futtersuche tauchen sie zwar meist nur in den obersten 50 Metern und bleiben pro Tauch gang 2 bis 5 Minuten unter Wasser. Forscher beobachteten aber schon Tauch - gänge, die zehn Minuten dauerten und in Tiefen bis zu 250 Metern führten. Die Futtersuche erfolgt meist abends und in der Nacht, da der Krill wegen des fehlenden Lichtes näher an die Wasseroberfläche kommt. Die Jagd dauert 2 bis 3 Stunden: In dieser Zeit unternehmen sie bis zu 20 Tauchgänge. Mensch und Tier Noch Ende des 18. Jahrhunderts umfassten die Kolonien der Antarktischen Pelzrobben mehrere Millionen Tiere. Doch in den 1790er-Jahren begannen die Raubzüge der Robbenjäger auf Pelzrobben, die die Tiere nicht nur wegen ihres Fells, sondern auch wegen ihres Fleisches und vor allem zur Tran gewinnung jagten. Allein im Süd - sommer 1800/01 wurden auf South Georgia 112’000 Pelz robben erschlagen. Auf einer Insel nach der anderen wurden die Kolonien systematisch vernichtet. Die Kolonien auf den South Shetlands wurden erst 1819 entdeckt, sie umfassten damals etwa 400’000 Tiere: Innerhalb von nur zwei Jahren wurde sie komplett ausgelöscht. In den 1830er-Jahren galt die Antarktische Pelz - robbe schliesslich als ausgerottet. Da sich ein so riesiges Verbreitungsgebiet jedoch nicht gänzlich kontrollieren lässt, haben die Antarktischen Pelzrobben das Massen schlachten in manchen Regionen überlebt. Durch strenge Schutzgesetze sind ihre Bestände seither wieder zunehmend. Das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites stellt die Antarktische Pelzrobbe in Anhang II des Abkommens unter Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Die grösste Bedrohung der Antarktischen Pelzrobbe geht aber nach wie vor vom Menschen aus: Heute werden die Robben Opfer von Zivilisationsrückständen wie Fischernetze, Verpackungsmaterialien und Nylonschnüren, in denen sie sich verfangen und dadurch ertrinken oder verhungern. Zudem entzieht die rücksichtslose Überfischung der Krill-Bestände den Robben ihre Grundnahrung. Hübsches Detail am Rande: Im antarktischen Sommer 2000/2001 erstellten norwegische Wissenschaftler den Plan, achtzig Robben verschiedenster Arten, darunter 20 Antarktische Pelzrobben, zu töten, um die Umweltver schmutzung zu erforschen. Das Vorhaben musste aber fallengelassen werden, weil die norwegische Regierung den Plan zurückwies, nachdem Umwelt organi - sationen dagegen Sturm liefen. PolarNEWS Polar NEWS 57

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