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PolarNEWS Magazin - 7

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Wissenschaft 42 Polar

Wissenschaft 42 Polar NEWS

Das «Monster» aus Spitzbergen Vorletztes Jahr entdeckten norwegische Forscher die Überreste eines Pliosauriers. Die Untersuchungen im Labor entwickeln sich nun zur wissenschaftlichen Sensation. Von Peter Balwin (Text) und dem Naturhistorischen Museum Oslo (Bilder) Die Arktis ist um eine Attraktion reicher, die wohl die wenigsten so weit nördlich vermutet hätten: Das grösste bisher bekannte Meeres reptil, ein riesiger Pliosaurus! Keine Frage, dass man sich heutzutage auf einer Reise in den hohen Norden nicht vor Sauriern zu fürchten braucht, denn bei dieser Attraktion handelt es sich um eine Versteinerung, gefunden auf Spitzbergen. Und was für eine! Die Fachwelt staunt, die Laien wundern sich. Was im Spätsommer 2006 mit der Entdeckung von ein paar fossilen Knöchelchen, darunter Bruchstücke des Schädels, begonnen hatte, weitet sich jetzt zu einer wissenschaftlichen Sensation aus, wie die leitenden Paläontologen des Natur - historischen Museums der Universität Oslo melden. Es handelt sich auf jeden Fall um den bedeutendsten Fund von Urreptilien seit Jahrzehnten, wie Wissenschaftler meinen. Der spitzbergische Pliosaurus wurde im August 2007 ausgegraben, mehrere Tonnen Stein wurden von den Forschern von Hand abgetragen. Die Ausbeute des Forscher - teams: Die Schnauze, der Grossteil des Halses und des Rückens, der Schultergürtel, eine fast komplette Vorderflosse und mehrere Zähne. Der Schädel war nicht mehr zu finden, weil an der Stelle, wo er einst lag, ein kleiner Bach fliesst, der die fossilen Teile abgetragen hat. Obwohl nicht das gesamte Skelett geborgen werden konnte, kamen mehr Knochen ans Tageslicht als jemals zuvor bei ähnlichen Grabungen. «Die Knochenteile sind meistens nicht grösser als eine Streichholz - schachtel», sagt der Norweger Jørn Hurum, Leiter der Grabungsexpedition auf Spitz - bergen, gegenüber PolarNEWS und deutet damit an, dass den norwegischen Vor - geschichtsforschern noch viel Arbeit bleibt beim Puzzlespielen. Erste Messungen belegen, dass es sich bei diesem 150 Millionen Jahre alten Fossil aus dem Jura (Erdmittelalter) um einen der grössten und schwersten Pliosaurier handelt, der jemals entdeckt worden ist. Jørn Hurum schätzt die Körperlänge dieser buchstäblich steinalten Meeresechse auf fast 15 Meter. Polar NEWS «Der Meeresräuber hatte Zähne so gross wie Bananen. Seine Wirbelknochen wiesen den Durchmesser eines Tortentellers auf», berichtet er. Viele Dino-Funde in der Arktis Bis die Untersuchungen abgeschlossen sein werden – was mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird –, nennen die Wissenschaftler ihre Entdeckung ganz unwissenschaftlich «das Monster». Der Fundort dieser Riesen - echse aus grauer Vorzeit liegt am Diabas - odden, einer Landnase an der Südküste des Isfjordes in Spitzbergen. Etwas landeinwärts von dort steigt der Knerten auf eine Höhe von 582 Metern über Meer an, ein dem Knorringfjellet (948 m) nördlich vorgelagerter Hügel auf einer geografischen Breite von etwa 78°20’ Nord. In dieser Region, die keine zwanzig Kilometer Luftlinie vom Gebäude der Universität in Longyearbyen entfernt liegt, hat man nicht nur diesen Sensationsfund gemacht – immer wieder fielen versteinerte Zeitzeugen aus dem Trias und dem Jura Spitzbergens auf, gemeinhin Ammoniten, Muscheln – und auch andere Reptilien. Am Diabasodden tauchen fossile Reptilien immer wieder im Tonschiefer an der Grenzschicht zwischen Jura und Kreide auf, in einer Gesteinsschicht also, deren Alter irgendwo zwischen rund 150 und 120 Millionen Jahren liegen dürfte. Und weil es so weit im Norden kaum noch Humus gibt, der den Tundraboden am Berghang be - decken könnte, liegen die versteinerten Zeit - zeugen quasi frei an der frischen Luft. Diese Zone findet sich hier auf einer Höhe von rund 250 Metern über Meer, wo bisher schon Plesiosaurier (eine andere Form von ausgestorbenen Meeresreptilien) und Ichtyo - saurier (Fischsaurier) gefunden worden sind. Die ersten Fossilfunde in diesem Gebiet gehen auf das Jahr 1864 zurück, als der schwedische Arktisforscher Adolf Erik Nordenskiöld eine Anzahl Knochenfrag - mente von Fischsauriern aus dem Trias entdeckte. Zehn Jahre später folgte eine erste wissenschaftliche Beschreibung von zwei Ichtyosauriern aus Spitzbergen. Seither wurde eine ganze Reihe von Funden ge - macht, hauptsächlich von Fisch- und Plesio - sauriern. In die Schlagzeilen geriet die Entdeckung von Dinosaurierspuren in den 1960er-Jahren bei Festningen, am westlichen Ende des Isfjords, nicht weit von der russischen Bergbausiedlung Barentsburg. Jene Fussabdrücke auf einer Spurenplatte sollen von mehreren Iguanodons stammen, welche dort vor 100 Millionen Jahren in einer damaligen Flussebene ihre pflanzliche » Der Fundort ist sorgfältig mit Steinen eingekreist. Die Pfeile zeigen die Stellen, wo welche Knochen unter dem Erdreich liegen. 43

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