Aufrufe
vor 2 Jahren

PolarNEWS Magazin - 7

  • Text
  • Polar
  • Schiff
  • Polarnews
  • Zeit
  • Wasser
  • Buenos
  • Reise
  • Heiner
  • Kubny
  • Antarktische

Abenteuer Von Heiner

Abenteuer Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Schon immer suchte ich etwas Neues, Unbekanntes. Von meinen bisherigen Ex - peditionen in die russische Arktis war ich von der unberührten Schönheit dieser Gegenden begeistert. Franz-Joseph-Land, die Inselgruppe östlich von Spitzbergen und die halbe Strecke der Nordostpassage kannte ich bereits von früheren Expeditionen mit Eisbrechern. Aber ich wollte weiter vordringen, in den äussersten Osten von Russland. Denn dieses Land ist bei uns noch völlig unbekannt, kaum besiedelt und daher auch schwer zu bereisen. Ich beauftragte Stefan Zurfluh, der ein kleines Reisebüro mit dem Hauptreiseziel Russland betreibt, sich «im Osten» mal um - zuhören. Als Grenze gab ich ihm den nördlichen Polarkreis vor – und zwar nördlich davon. Eine Woche später rief mich Stefan ganz aufgeregt an: «Heiner, in Tschukotka tut sich was. Da findet im April eine Fahrt für Presse und Reiseveranstalter ins Landes - innere statt, organisiert von einem Veran - stalter aus Moskau in Zusammenarbeit mit einem ortsansässigen Outdoorveran stalter.» Es gab aber ein Zeitproblem: Da ein Ein - reisevisum für Russland spätestens 45 Tage vor Reiseantritt eingereicht werden muss, blieben uns nur noch 40 Tage, ein solches zu beantragen. Als Grenzgebiet zu den Ver - einigten Staaten ist Tschukotka für Aus - länder nur mit Sondergenehmigung zu bereisen. Diese erteilt ausschliesslich der Gouver - neur in der tschuktschischen Haupt stadt Anadyr. Ich müsse mich, meinte Stefan, sofort entscheiden. «Tschukotka?», dachte ich mir, «noch nie gehört, wo liegt denn das?» Im Büro von Rosa - maria hängt eine übergrosse Weltkarte. Mein Blick durchstreifte das gelb markierte Russland von links nach rechts; Moskau – Ural – Nowosibirsk – Jakutsk – da, Tschu kot ka! Ganz im Osten des riesigen Staates, an der Beringstrasse! Ich war begeistert. Dann machte ich mich kurz schlau: Tschukotka darf seit einigen Jahren nur von Kreuz - fahrtschiffen angefahren werden, das Landes - innere war bis anhin für Touristen gesperrt und soll nun allmählich geöffnet werden. Zehn Minuten später rief ich Stefan zurück: «Ja, ich will! Bitte melde mich beim Ver - anstalter als Vertreter von PolarNEWS.» Der Name unseres Magazins klang überzeugend – meine Teilnahme wurde noch am selben Tag per Mail bestätigt. Die Reise beginnt Um auf Nummer Sicher zu gehen, reise ich bereits einen Tag früher als nötig nach Moskau. Man kann ja nie wissen... Aber abgesehen davon, dass ich zu spät vom Hotel abgeholt werde und deshalb am Flughafen erst in letzter Minute einchecken kann, verläuft alles gut. Auf dem Flug mit der fast 32 Polar NEWS

Nach Osten! Tschukotka liegt ganz im Osten von Russland, direkt an der Datumsgrenze. Hier beginnt der Tag, weiter ostwärts ist gestern, und Amerika. PolarNEWS war bei der ersten Expedition dabei. vollbesetzten Iljuschin 62 drückt mir Steffen, ein deutscher Teilnehmer, das Buch «Gold der Tundra» des tschuktschischen Autors Juri Rytchëu in die Hand. Darin erfahre ich, dass das autonome Gebiet Tschukotka eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde ist: Auf 15 Qua drat - kilometer Land kommt gerade mal ein einziger Einwohner. Die Stämme der Tschuktschen, Jukagiren und Ewenen machen den Grossteil der insgesamt 50’500 Einwohner aus. Bei der letzten Volkszählung 2002 trugen sich ganze acht Personen als Kereken ein: Das kleinste Volk der Erde... Die wichtigsten Wirt - schafts zweige sind noch immer Gold ab bau und Jagd. Die Jahresdurch schnitts temperatur liegt übrigens bei -5 bis -10 Grad... Nach neun Stunden Flug landen wir auf dem Flughafen von Anadyr. Drei Zoll be - amtinnen kommen an Bord des Flug zeuges und kontrollieren Pässe und das speziell für Tschukotka benötigte Visum. Als mein Sitz - nachbar und ich aussteigen wollen, rät uns unsere Reisebegleiterin Irina, als letzte auszusteigen: «Draussen ist die Tempe ratur minus achtzehn Grad», sagt sie, «und der Bus fährt erst ab, wenn alle drin sind.» Ein guter Rat... Kurliger Partner Fünfzehn Minuten später befinden wir uns mit unserem Gepäck bereits vor dem Terminal des modernen Flughafens von Anadyr. Zwei Busse stehen bereit, wir werden von unserem Expeditionsleiter Artem Belobrov und dem Tschuktschenführer Nikolay Ettyne begrüsst. Im Winter dauert die Fahrt in die Stadt Anadyr über den gefrorenen Fluss 30 Minuten. Im Sommer steht ein Fährbetrieb zur Verfügung, welcher die doppelte Zeit benötigt. Gleich vorweg: Anadyr kann nicht mit dem Rest von Russland verglichen werden. Die Stadt zeigt sich freundlich, sauber, gepflegt und modern. Ich fühle mich grossartig: Ich bin einer der ersten offiziellen Touristen des Landes und betrete somit im besten Sinne des Wortes Neuland. In einem Hotel im Zentrum beziehen wir unsere Zimmer. Igor Amromin und ich teilen uns ein Doppelzimmer, wir werden auch zusammen auf dem Schneemobil unterwegs sein. Igor ist ein nach Belgien ausgewanderter Russe, einer von der ganz harten Sorte: Bereits viermal hat er die Auto-Rallye Paris–Dakar mitgemacht. «Wow, ein richtiger Rennfahrer, da brauche ich mir ja gar keine Sorgen zu machen», dachte ich mir. Beim Mittagessen kommen sich die Expedi - tionsteilnehmer erstmals etwas näher. Zehn Vertreter von Presse und Reiseveranstalter aus verschiedenen Ländern Europas und die ortsansässigen Führer werden gemeinsam die nächsten Tage verbringen. Mit dabei: Stefan Hilger und Steffen Graupner, beide aus den östlichen Bundesländern von » Polar NEWS 33

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum