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PolarNEWS Magazin - 7

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Tierwelt Meister im

Tierwelt Meister im «Umkleiden» Die jährliche Mauser stellt Pinguine vor grosse Probleme: Es ist kalt, sie können in dieser Zeit nicht ins Wasser, und der Sommer ist viel kurz. Aber die Vögel haben auf alles eine Antwort gefunden: Tempo! 28 Polar NEWS

Von Christian Hug (Text) und Heiner Kubny (Bilder) Alle Vögel dieser Welt erneuern regelmässig ihr Gefieder: Die Mauser, vom lateinischen Wort mutare (tauschen) abgeleitet, garantiert den Vögeln ein ganzjährig einwandfrei funktionierendes Federkleid und somit die Flugfähigkeit. Die meisten Vögel ersetzen ihre Federn zwar das ganze Jahr über nach und nach. Doch im Laufe der Evolution haben viele Vogelarten Taktiken der Mauser entwickelt, die den spezifischen Lebensumständen angepasst sind. So unterscheidet man heute drei verschiedene Mauser-Arten: Die eben erwähnte Perma - nent mauser, wie sie zum Beispiel bei Papa - geien zu beobachten ist. Bei der Teilmauser wechseln die Vögel über das Jahr verteilt einzelne Gefieder-Partien, zum Beispiel die Schwungfedern oder das Daunen kleid. Enten, Gänse und Schwäne kommen damit bestens durchs Jahr und tragen so ein Winter- und ein Sommer-Gefieder. Die dritte Art wird Vollmauser genannt: Einmal pro Jahr ersetzen die Vögel gleich ihr komplettes Gefieder, zum Beispiel das Huhn. Es ist die körperlich anstrengendste und risikoreichste Weise, sein Gefieder zu wechseln. Aber bei den anwendenden Vögeln umständehalber auch die effizienteste. Zum Beispiel bei den Pinguinen. Denn als ob sie nicht schon genug Probleme zu lösen hätten in ihrem oft ungemütlichen Lebens - raum, brauchen sie jede einzelne Feder, damit sie nicht erfrieren. Sie können nicht wie Tropenvögel wochen- und monatelang warten, bis die ausgerupften Federn nachgewachsen sind. Kommt hinzu, dass Pinguine während der Mauser nicht ins Wasser gehen können, weil das frische Gefieder noch nicht wasserabweisend ist – die Tiere würden absinken wie Steine. Das wiederum bedeutet, dass Pinguine während der Mauser keine Fische jagen können und also Hunger leiden müssen. Doch damit nicht genug: Pinguine müssen ihre Mauser jahreszeitlich so terminieren, dass ihr Gefieder wieder voll einsatzfähig ist, bevor der Winter die Zugänge zum offenen Meer zufriert. Wir sehen: Die Mauser bei den Pinguinen ist eine Überlebensfrage. Sie muss möglichst schnell und effizient vor sich gehen. Mehr als maximal sechs Wochen liegen nicht drin. Immerhin: Da ausgewachsene Pinguine am Land kaum natürliche Feinde haben, müssen sie sich nicht wie andere Vögel während der Mauser verstecken. Alle Federn auf einmal Pinguine haben für all diese Probleme die optimale Lösung entwickelt: Sie beginnt Polar NEWS Diesem Goldschopfpinguin bleibt nichts anderes übrig, als geduldig zu warten, bis sein altes Federkleid vollständig abgestossen ist. damit, dass sie auf das Ausrupfen einzelner Federn verzichten. Praktisch am ganzen Körper wachsen unter der Haut neue Federkiele heran und drücken fast gleichzeitig überall durch, so dass das alte Gefieder grossflächig abgestossen wird. Das funktioniert unter anderem deshalb so gut, weil Pinguine als einzige Vögel keine verschiedenen Federarten wie Schwanz- und Flügelfedern haben, sondern der ganze Körper gleichmässig mit gleichen Federn bedeckt ist. Das Folgegefieder ist dann in verhältnismässig kurzer Zeit voll einsatzfähig. Die Vögel sind während dieser Zeit zwar nicht gerade ansehnlich, aber während der Mauser ist Aussehen nicht die oberste Priorität... Meist findet die Mauser bei Pinguinen nach der Aufzucht der Jungen statt. War die Brut schon eine Zeit der Entbehrung, so ist es mit der Mauser nicht viel anders: Der Stoffwechsel arbeitet auf Hochtouren, deshalb verbraucht das Federvieh viel Energie. Die Vögel verbrauchen dabei ihre Fett - reserven etwa doppelt so schnell wie während der Brutzeit. Da sie nicht ins Wasser können, um zu fressen, verlieren sie in die- » 29

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