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PolarNEWS Magazin - 7

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Das grosse Aufatmen: Die «Nordnorge» und die «Endeavour» sind beide beim Unfallort eingetroffen. Jetzt sind die Schiffbrüchigen so gut wie in Sicherheit. miert, dass Hilfe unterwegs sei. Bei der verständlichen Tendenz zur Beschönigung der Situation muss man sich aber realistischerweise darauf einstellen, dass es sehr wohl auch länger als fünf Stunden dauern könnte, bis wir gerettet werden. Auch nachdem die Sonne untergegangen ist, bleibt in dieser Jahreszeit in diesen Breiten graden ein heller Streifen am Horizont. Alle Boote haben deshalb Sichtkontakt zu einander – vermute ich jeden falls, denn sich um drehen und selber nachschauen kann keiner in dieser Enge. Es werden jetzt hauchdünne, folienbeschichtete Rettungsmäntel aus der Notkiste jedes Bootes ausgegeben, aber nur die wenigsten können sie anziehen, weil man auch mit den Füssen beziehungsweise den Stiefeln hineinsteigen müsste, und so viel Raum hat kaum einer. Aber man kann die Folie über den Rücken legen und auch den Kopf vor dem Spritzwasser schützen – das ist doch schon etwas. Immer schön die Füsse, die Hände und die Schultern bewegen, unablässig, dann bleibt’s warm. Eng, kalt und peinlich Es wird wenig gesprochen. Die Holländerin ist ohnehin nicht ansprechbar, sie starrt nur geradeaus, realisiert kaum, dass ich ihr den Rettungsmantel über die Schulter lege, was nicht so einfach ist, wie es klingt. Dann etwas Wunderschönes: Um 3.30 Uhr geht die Sonne auf, zwischen einigen kleineren Wolken. Prächtig. Viele denken jetzt sicher: «Das letzte Mal.» Auf der einen Seite die aufgehende Sonne, auf der andern das sinkende, schräg im Wasser liegende Schiff, dazwischen einige kleinere Eis platten, weit verstreut die Rettungsboote und die Zodiaks. Es gelingt mir, unter meinen Kleider - schichten die Kamera herauszugraben und einige Fotos von der Sonne und dem Schiff zu machen. Bilder, die man nicht vergessen wird. Auf der einen Seite des Horizonts ist der Himmel ganz schwarz. Wenn das nur nicht ein herannahender Sturm ist! Eigentlich könnte man jetzt fürs erste mal tief durchatmen. Doch schon bald ergeben sich neue Probleme: Ich müsste dringend mal pinkeln... Schwankend kann ich aufstehen und mich um eine Achteldrehung von der Holländerin wegbewegen zum Boots rand hin. Aber das ist keineswegs nahe genug. Leute halten mich. Ich arbeite mich durch vier Paar Hosen und den Rettungsmantel hindurch. Die Rettungsmäntel waren in Plastiksäcklein eingepackt. Es gelingt mir, eine solche Tüte zu füllen und den Inhalt dann ins Wasser zu leeren. Das ist peinlich. Jeder bemüht sich wegzuschauen, aber wirklich abwenden kann sich keiner. Kurz nach mir ist die Holländerin in der gleichen Lage, später auch Dora. Die Frauen benutzen den Platz, den es eigentlich gar nicht gibt, auf dem Bootsboden und pinkeln einfach zwischen die Lattung hindurch. Wenn die Not grösser ist als die Scham... Wir fühlen uns jetzt verhältnismässig ziemlich wohl: Solange kein Sturm aufkommt und uns kein Eisberg zu nahe kommt, kann eigentlich nicht viel passieren. Es ist nur un - angenehm. Gegen halb sechs Uhr hören wir dann einen Helikopter. Wir sind erleichtert, alle haben das Gefühl, «gefunden» worden zu sein. Es ist die chilenische Luftwaffe. Dann fliegt ein zweiter Helikopter herbei, er trägt keine militärischen Kennzeichen: Es muss also einer von einem Schiff sein. Das bedeutet, dass unser Rettungsschiff nicht mehr weit weg ist. Endlich an Bord... Tatsächlich: Eine halbe Stunde später dringen Blinksignale eines Schiffes durch die mittlerweile dunklen Wolken am Horizont. Es ist die «Endeavour». Welch eine Erleichterung! Und gleich hinter der «Endeavour» naht die «Nord- norge», ein sehr grosses, luxuriöses Kreuz - fahrtschiff. Jetzt ändert die Stimmung! Leute, die bisher erstarrt im Boot sassen und nicht ansprechbar waren, brechen in Tränen aus. » Polar NEWS 21

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