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PolarNEWS Magazin - 7

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Die «Explorer» ist

Die «Explorer» ist evakuiert, sämtliche Wertsachen bleiben an Bord. Das Schiff hat schon stark Schlagseite: Sein Untergang ist bereits besiegelt. Das ist wichtig, denn ein Eisberg treibt auf das nicht mehr manövrierfähige Schiff zu. Der ist zwar nicht sehr gross, aber gross genug, um ein schon gewassertes, aber noch nicht abgelegtes Boot am Schiffsrumpf zu zerquetschen. Bootes klatschen. Es schaukelt bedenklich, und ich rufe, ob denn nicht vorne und hinten einer mit den Holzrudern das Schiff in die richtige Richtung bringen könne. Das funktioniert aber nicht, ein lächerliches Unter - fangen bei diesem Seegang. bei denen das Wasser schon in der Kabine stand, als sie geweckt wurden, und deshalb verständlicherweise ein wenig in Eile gerieten. Das kleine Boot schaukelt und schlingert entsetzlich und unaufhörlich, mir schmerzt bald Jetzt entscheidet der Kapitän, auch die acht der Rücken, weil die Auf- und Ab wärts - Zodiaks, die je zwölf bis 15 Passagiere fassen, Auf dem Wasser bewegungen immer ausgeglichen werden vom obersten Deck hinunterzulassen. Die Benzintanks der Aussenbordmotoren sind gefüllt. Doch die schweren Zodiaks können nicht wie die Rettungsboote manuell gewassert werden, dafür benötigt man Strom. Und der ist jetzt nicht mehr da. Wenigstens nicht dort, wo man ihn bräuchte. Der Chef - ingenieur arbeitet sich deshalb nochmals zum Maschinenraum durch – das Wasser steht ihm bis zur Brust. Es gelingt ihm, alle noch verfügbaren Strom - quellen zusammenzufassen und zur Zodiak - station umzuleiten. Der Strom sollte für 20 Minuten reichen, lässt der Ingenieur verlauten. Bis dann müssen alle Boote unten sein. Es ist 1.15 Uhr. Endlich werden die Rettungsboote runtergelassen. Allerdings ohne laufende Motoren. Es ist deshalb extrem schwierig, vom Schiff wegzukommen, die Wellen schlagen es Gottlob eilen die Zodiaks, die inzwischen gewassert sind, herbei, binden Seile an die Rettungsboote, ziehen sie vom Schiff weg und richten sie gegen die Wellen aus. An jedem Rettungsboot muss permanent ein Zodiak ziehen – solange das Benzin reicht. Bis jetzt scheint alles gut gegangen zu sein. Einige der Passagiere, die offenbar in den Rettungsbooten keinen Platz fanden, hocken in den Zodiaks. Dort spritzt jede Welle das ganze Boot voll, viel schlimmer als bei uns. Ausserdem sind Zodiaks bei rauem Wetter (bei dem man keine Landungen machen würde) nicht sicher und deshalb auch nicht als Ersatz für Rettungsboote zugelassen. Ich sitze in einer Montur vergleichbar etwa mit derjenigen, die Neil Armstrong bei der Mondlandung getragen hat, hautnah neben Dora auf der einen und ebenso hautnah neben einer üppigen Holländerin auf der anderen müssen, stundenlang. Wird es ein Massen - erbrechen geben? Man beginnt, sich auf eine lange Nacht einzurichten. Dunkel ist es nicht. Kälte und Nässe greifen um sich, Wind stärke 4, keine hohen, aber trotzdem harte Wellen aus allen Richtungen. Angst kommt zumindest in unserem Boot nicht spürbar auf, dazu bleibt gar keine Zeit. Jeder und jede ist unaufhörlich damit beschäftigt zu überlegen, welche Mass - nahmen man noch ergreifen könnte, um die Situation, besonders wenn sie länger dauern wird, zu verbessern. Und man denkt sich Szenarien aus, was uns bevorstehen könnte: Stärkerer Wind, schlimmstenfalls ein Sturm, das Kentern eines Bootes, weil den Zodiaks der Treibstoff ausgeht und sie die motorlos dahin treibenden Nussschalen nicht mehr ausrichten können. Oder – eine ernsthafte Ge fahr – das Erscheinen unüberschaubarer immer wieder zurück, es besteht die Gefahr Seite. Auch am Boden ist keine Mengen von Eisbergen. Und wahrscheinlich des Kenterns. Wir stossen uns mit den beiden langen Holzrudern wie Besessene von der Schiffswand weg. Endlich sind wir frei, aber immer noch viel zu nahe am Schiff. Das Boot stellt sich quer, so dass die Wellen an die Breitseite des «Fussfreiheit». Das Adrenalin ist in Strömen geflossen, das verhindert wohl die See krank - heit, und man leidet trotz der Nässe nicht so sehr unter der Kälte. Ausgenommen jene, die beim Alarm sehr rasch auf Deck sein wollten und nun zu leicht bekleidet sind. Und jene, denkt jeder irgendwann mal an die «Titanic»... Doch für den Augenblick stehen unsere Chancen nicht schlecht: Das Wetter ist für antarktische Verhältnisse gut, und der Kapitän hat ja noch auf dem Schiff infor- » 18 Polar NEWS

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