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PolarNEWS Magazin - 6

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Forschung News aus der

Forschung News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Auf der digitalen Karte durch die Arktis Dank dem Internet kann man auch als Laie an den Arbeitsgrundlagen der Polarforscher teilhaben. Eine dieser Grundlagen ist eine interaktive Online-Karte der Arktis unter anderem mit Informationen über Projekte, mit Links, Satellitenbildern und geografischen Gegebenheiten. Die Seite ist in Englisch. (Quelle und Web-Tipp: www.armap.org ) Internationales Polarjahr 2007 – 09 Seit seiner Eröffnung am 1. März in Paris läuft das Internationale Polarjahr auf vollen Touren. Tausende von Wissenschaftern auf über 60 Ländern gehen in der Arktis und in der Antarktis an die Arbeit mit dem Ziel, das Wissen um die Polargebiete auf einen Schlag zu vervielfachen. Dieses riesige interdisziplinäre Forschungsprogramm erstreckt sich über zwei polare Sommer und Winter und endet im März 2009. Damit lassen sich zwei volle Jahreszyklen mit ihren unterschiedlichen Phänomenen abdecken. Ein erster derartiger Anlass fand 1882/83 auf Initiative von Carl Weyprecht statt, dem Mit-Endecker von Franz-Josef-Land. Es folgte ein Polarjahr 1932/33 sowie das Internationale Geophysikalische Jahr 1957 / 58. Beim jetzigen, dem 4. Polarjahr, werden erstmals auch Menschen einbezogen, die in der Arktis leben. Auch auf den Kontakt mit der Öffentlichkeit wird besonders eingegangen. (Quelle und Web-Tipp: www.ipy.org) Arktisbewohner setzen auf traditionellen Lebensstil Eine überwältigende Mehrheit der einheimischen Volksgruppen in der Arktis glaubt, dass traditionelle Lebensweisen wie Jagd, Bootsbau und Werkzeugherstellung auch heute wichtig sind für ihre Identität. Dies belegt eine neue Sozialstudie über die indigenen Völker im hohen Norden. Als vor vielen Jahrzehnten die Lohnarbeit selbst in die hintersten Siedlungen vorgedrungen war, waren sich viele Fachleute sicher, dass Inuit und andere einen Vorteil aus dieser neuen Lebensweise ziehen würden und dafür die Jagd und die althergebrachte Nahrungszubereitung aufgeben würden. Die Studie zeigt nun, dass sich zwar der Lebensstil tiefgreifend verändert hat, dass aber traditionelle Werte weiterhin bei neun von zehn Inuits eine grosse Bedeutung haben. Einkommen aus der Lohnarbeit wird vielfach dazu verwendet, den alten Lebensstil mit seinem starken Familienzusammenhalt, der Nachbarschaftshilfe und der alten Kultur aufrecht zu erhalten. (Quelle: National Science Foundation 6 Polar NEWS

Meereis: Weitere Negativrekorde Das dramatisch schnelle Abschmelzen der arktischen Packeisdecke gibt weiterhin viel zu reden. Die Prognosen und immer neue Satellitenbeobachtungen jagen sich. Mitte September hatte die Ausdehnung des arktischen Meereises mit nur noch 4,14 Millionen Quadratkilometer einen historischen Tiefstwert erreicht, so dass sogar die Nordwestpassage entlang der Nordküste Nordamerikas erstmals eisfrei ist. Es ist durchaus möglich, dass sich diese Fläche bis Ende September (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) noch mehr verringert. Beachtenswert ist die nördlichste jemals festgestellte Eisgrenze auf 85º30’ nördlicher Breite. Unterdessen melden Forscher vom deutschen Forschungseisbrecher «Polarstern», dass grosse Flächen des arktischen Meereises im zentralen arktischen Becken in diesem Jahr nur einen Meter dick und damit etwa 50 Prozent dünner sind als im Jahr 2001. Die Dicke des arktischen Meereises hat seit 1979 abgenommen. Ozeanographen fanden zudem einen besonders hohen Anteil an Schmelzwasser im Meer und eine grosse Anzahl von Schmelztümpeln. Neueste Messungen der Dänischen Technischen Universität lassen befürchten, dass der Arktische Ozean bereits in 15 Jahren, also im Sommer 2022, eisfrei sein könnte. (Quellen: Alfred-Wegener-Institut für Polarund Meeresforschung, European Space Agency, National Snow and Ice Data Center) Satellitenaufnahme der McClure Strait im kanadischen Arktis-Archipel vom 31. August 2007. Durch diese Meeresstrasse führt die direkteste Route auf der Nordwestpassage. Grünlich: Meereis. Grau: Land. Bild: ESA Älteste DNA gefunden Erstmals wurde aktive und noch lebende Erbstruktur DNA in Bakterien gefunden, welche über eine halbe Million Jahre alt sind. Niemals zuvor hat man Spuren von derart alten, noch lebenden Organismen entdeckt. Diese Sensation, welche zum besseren Verständnis der Zellalterung und zur Frage nach Leben auf dem Mars beitragen wird, gelang einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Professor Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen. Die Wissenschafter fanden die Actinobacteria genannten Bakterien nach Grabungen im Dauerfrostboden im nordwestlichen Kanada, in Nordost-Sibirien und in der Antarktis. (Quelle: Universität Kopenhagen) Adéliepinguine wechseln von Fisch zu Krill Während Hunderttausenden von Jahren erbeuteten Adéliepinguine in der Antarktis Fisch als Hauptnahrung – bis sie vor gut 200 Jahren auf Krill und andere kleine Meeresorganismen umstellten, welche eine bedeutend tiefere Stufe der Nahrungspyramide einnehmen. Der Zeitpunkt dieser abrupten Nahrungsumstellung fällt zusammen mit der Zunahme des Pelzrobbenfangs und der darauf folgenden Waljagd im Südozean. Robben und Wale fressen hauptsächlich Krill. Nach der drastischen Reduktion der Bestände an Krill fressenden Robben und Bartenwalen in der Antarktis im 19. und frühen 20. Jahrhundert nahm die Menge an Krill zu. Die Adéliepinguine reagierten schnell: Krill war für sie leichter zu erbeuten, und vor allem war es jetzt in riesigen Mengen verfügbar. Ausgrabungen von verlassenen Adélie- Kolonien liefern bestens erhaltene Reste von Knochen, Federn und Eierschalen, die viele hunderttausend Jahre alt sein können. In diesen Funden enthaltene Kohlen- und Stickstoffisotope verrieten den amerikanischen Forschern, was die Pinguine damals gefressen hatten. (Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences der USA) Mehr Chemikalien – mehr Mädchen In zahlreichen arktischen Siedlungen von Sibirien über Kanada bis Grönland werden zwei Mal so viele Mädchen geboren wie Knaben. Schuld daran ist ein Chemikalien- Cocktail aus südlicheren Gefilden, der in die Arktis gelangt, sich im Menschen anreichert und die Hormone von Neugeborenen verändern kann. Es ist schon länger bekannt, dass sich Schwermetalle und andere Umweltgifte in der Nahrungskette des Nordens ablagern. Robben, Wale und ganz besonders Eisbären erhalten eine 1 Million Mal höhere Dosis davon als das Plankton im Meer (dem ersten, untersten Glied der Nahrungskette). Dort, wo Urvölker wie die Inuit sich noch traditionell durch die Jagd ernähren, zum Beispiel in Nord- und Ostgrönland, ist das Problem besonders gravierend. In den Siedlungen nahe der US-Basis Thule kommen keine Knaben mehr zur Welt. (Quelle: Arctic Monitoring and Assessment Programme) PolarNEWS Polar NEWS 7

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