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PolarNEWS Magazin - 6

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Von Heiner Kubny (Text

Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Einen lustigen Namen hat der Goldschopfpinguin in der englischen Sprache: «Macaroni penguin». Natürlich kommt dieser Name von den besonders langen Federbüscheln und nicht etwa von seiner Lieblingsspeise. Er frisst nämlich nicht italienische Pasta, sondern wie alle Pinguine Tintenfische und Krill. Mit dem Felsenpinguin, dem Dickschnabelpinguin und dem Kronenpinguin gehört der Macaronipinguin zur «geschmückten» Gattung Eudyptes: Normalerweise wachsen die gelben Prachtfedern in einem Streifen vom Schnabelansatz bis zum Hinterkopf. Beim Macaronipinguin hingegen wachsen die 10 Zentimeter langen Federn auf beiden Seiten des Kopfs nur an einem Punkt. Deshalb stehen sie nach allen Seiten ab und wackeln sogar, wenn ihr Träger den Kopf bewegt. Das Gelb der Federn ist übrigens merklich dunkler als bei den anderen Arten dieser Gattung. Das Schwarz des Rückens ist nicht wie bei anderen Pinguinen in einer scharfen Linie vom Weiss des Bauches getrennt: Die beiden Farben vermischen sich im Übergangsbereich in einer gewellten Linie. Bei den ausgewachsenen Tieren ist der auffällig grosse Schnabel oft von markanten Furchen durchzogen. Bei frisch geschlüpften Macaronis ist der Schnabel schwarz. Erst mit zunehmendem Alter nimmt er die charakteristische dunkel-orange Färbung an. Lebensraum Diese Art kommt auf subantarktischen Inseln des südlichen Atlantiks und des südlichen Indischen Ozeans vor, zum Beispiel auf South Georgia, auf den Inselgruppen Crozet und Kerguelen sowie auf Heard, Macdonald oder Marion. Auf den Falklandinseln wurden einzelne Paare mitten in Kolonien von Felsenpinguinen beim Brüten beobachtet. Nur wenige Tiere kommen regelmässig zum Brüten auf die Campell- oder Auckland- Inseln im Süden Neuseelands. Brut und Aufzucht Im Alter von 6 Jahren brüten diese Pinguine zum ersten Mal. Er ist ein guter Felsenkletterer und brütet auch mit Vorliebe in steilem Gelände zwischen dort vorhandenen Grasbüscheln. Die Paarungszeit der Goldschopfpinguine ist der südliche Frühling, also Ende September und Oktober. Die Partner verbringen den Winter getrennt voneinander im Meer, so dass sie sich zu Beginn der Brutsaison erst einmal wieder finden müssen. Dies geschieht durch lautes Rufen. Normalerweise brüten sie am selben Ort des Vorjahres mit dem gleichen Partner. Die Männchen treffen als erste beim Brutplatz ein und sammeln Kieselsteine und Moos, mit dem sie ihr Nest bauen. Erst etwa eine Woche später kommen auch die Weibchen an Land, und das grosse Balzen beginnt: Die Männchen strecken ihre Schnäbel zum Himmel, schlagen laut rufend mit den Flügeln und schütteln dabei ihren Kopf, so dass ihr gelber Kopfschmuck wild herumwirbelt. Einige Tage nach der Paarung legt das Weibchen im Abstand von rund einer Woche zwei Eier; das erste ist nur rund halb so gross wie das zweite, das rund 160 Gramm auf die Waage bringt. Nach rund 35 Tagen schlüpft der Nachwuchs. Nur selten überleben beide Küken. Anfangs wird der junge Vogel einmal täglich abwechselnd von je einem Elternteil gefüttert. Der Weg der Elterntiere zum Meer ist recht mühsam, da sie zum Teil eine weite, steile Strecke vor sich haben. Forschungen ergaben, dass auf den Crozet Islands die Erwachsenen bis zu vier Tage auf Beutefang gehen und sich dabei bis zu 300 Kilometer von der Kolonie entfernen, um Tintenfischen oder Krustentierschwärmen aufzulauern. Das Küken ist mit dichten Daunen bedeckt und wächst rasch heran. Schon bald erreicht es fast die Grösse der Eltern und erhält ein richtiges Federkleid. Voll ausgebildet ist das Federkleid allerdings erst im zweiten Lebensjahr – die gelben Schmuckfedern brauchen sogar noch etwas länger. Übers Jahr sind die Brutpaare getrennt unterwegs. Wenn sie Ende September wieder an Land gehen, finden sich die Partner durch lautes Rufen und begrüssen sich ausführlich. Ernährung Die Hauptnahrung der Goldschopfpinguine besteht zum Grossteil aus Krill, auch Tintenfische werden nicht verschmäht. In 56 Polar NEWS

Der südliche Frühling ist eben erst angebrochen, doch die Goldschopfpinguine machen sich bereits auf die Suchen nach geeigneten Nistplätzen. Die vielen Grasbüschel sorgen für gute Tarnung – und garantieren innerhalb der Kolonie ein Mindestmass an «Privatatmosphäre». der Antarktis findet man Krill in riesigen Mengen, da das Wasser sehr sauerstoffreich ist. Der Goldschopfpinguin schwimmt gewandt auf oder knapp unter der Wasseroberfläche und steuert dabei mit Schwanz und Flügeln. Wenn er schnell schwimmt, taucht er ähnlich wie Delphine auf und ab. So kann er regelmässig atmen, ohne Geschwindigkeit zu verlieren. Der Goldschopfpinguin taucht in der Regel nicht länger als drei bis fünf Minuten und am liebsten tagsüber. Meist führen die Tauchgänge in Tiefen von 10 bis 40 Metern. Allerdings schaffen sie auch Tiefen von bis zu 110 Metern problemlos. Bedrohte Tierart? Goldschopfpinguine sind rund um die Antarktis sehr zahlreich – sie zählen in manchen Regionen zur häufigsten Pinguin-Art. Geschätzt wird weltweit ein Bestand von 15 bis 18 Millionen Goldschopfpinguinen. Trotzdem schätzt die World Conservation Union IUCN auf ihrer Roten Liste der bedrohten Tierarten den Bestand der Goldschopfpinguine als «vulnerable», also gefährdet ein: Alleine in South Georgia habe sich die Population in den letzten 20 Jahren halbiert. In den vergangenen 36 Jahren habe die Gesamtpopulation weltweit um 30 Prozent abgenommen. Allerdings, so relativiert die IUCN, stützten sich diese Zahlen auf nicht sehr zuverlässige Forschungsergebnisse. Die Organisation zählt 216 Goldschopfpinguinkolonien an 50 verschiedenen Orten Goldschopfpinguine leben auf subantarktischen Inseln im Atlantischen und Indischen Ozean. im Verbreitungsgebiet, grosse Kolonien finden sich auf Crozet Island und den Kerguelen mit jeweils mehr als 1,4 Millionen Macaronis. Die grösste befindet sich auf South Georgia, wo die Kolonien rund 2,7 Millionen Tiere umfassen. So bleibt zu hoffen, dass der Pinguin mit den lustigen Wackelfedern erhalten bleibt – denn Feinde haben Goldschopfpinguine, abgesehen vom Seeleoparden, kaum. Der grösste bleibt der Mensch mit seiner Fischerei und dem von ihm verursachten Klimawandel. PolarNEWS Solange die Jungvögel nicht ihr fertiges Federkleid haben, können sie nicht ins Meer. Polar NEWS 57

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