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PolarNEWS Magazin - 6

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Hier ist’s zwar nicht

Hier ist’s zwar nicht heimelig, aber warm: Christine in ihrem «Büro», wo sie täglich ihre Messdaten an verschiedene andere Forschungszentren weitergibt. Die Anzahl Sonnenstunden nimmt rasant zu: Bereits scheint die Sonne acht Stunden pro Tag. Bald werden wir nicht mehr ohne Sonnenbrille und Sunblock auskommen – vor allem deshalb nicht, weil im antarktischen Frühling der Ozonabbau über der Antarktis am stärksten ist und wir somit direkt unter dem Ozonloch sitzen. Nach einer Woche schönen Wetters und zahlreicher erledigter Aussenarbeiten müssen wir die Rampe wieder schliessen: Claudia kündigt einen typischen August-Sturm an (den langjährigen Beobachtungen zufolge ist der August, der uns bisher eigentlich eher verwöhnt hat, der Schlechtwettermonat auf Neumayer). Am Sonntag, 26. August, weht nur ein schwaches Lüftchen. Dennoch ist viel aufgewirbelter Schnee in der Luft, und die Sichtweite nimmt rapide ab. Ich kann mir auf diese seltsame Drift keinen Reim machen und wende mich an Claudia. Anhand von Satellitenbildern und Wetterkarten kann sie erklären: Im Osten tobt ein Sturm. Und der Schnee, der hier bei uns durch die Lüfte wirbelt, ist sein Vorbote... Wie von Claudia vorausgesagt, legt der Wind am folgenden Montag, 27. August, dann gehörig zu. Bald messen wir 60 Knoten, das entspricht etwa 140 Stundenkilometern, also Orkanstärke! Niemand wagt sich nach draussen. Christine Läderach bei PolarNEWS Christine Läderach berichtet exklusiv auf der Internetseite von PolarNEWS regelmässig aus ihrem Alltag. Hier sind auch sämtliche Logbucheinträge von Christine nachzulesen. Mehr noch: PolarNEWS- Leserinnen und -Leser können ihr via Email Fragen stellen. www.polarnews.ch Nicht der Wind ist das Problem – vielmehr die Drift, die eine Orientierung praktisch verunmöglicht: Die Sichtweite beträgt im besten Fall gerade mal 10 Meter. Wir haben für diesen Fall vorgesorgt, indem wir genügend Schnee in die Schmelze geschaufelt und somit vorerst genügend Trinkwasser haben. Einzig duschen und Wäsche waschen liegt in den nächsten zwei Tagen nicht mehr drin. Am Mittwoch, 29. August, ist der Wind mit 50 Knoten etwas schwächer geworden, und wir versuchen, zur Schneeschmelze vorzustossen. Sie ist zwar nur rund 30 Meter vom Treppenturm West entfernt, aber angesichts der starken Drift ist nicht mal der an der Schneeschmelze angebrachte Scheinwerfer zu erkennen, den wir von der Station aus einschalten können. Zwei von uns machen sich auf den Weg – mit Seil und Gurtzeug gesichert, damit sie den Rückweg sicher wieder finden... Ohne einen starken Teamgeist geht auf Neumayer überhaupt nichts. Die neunköpfige Crew muss 15 Monate lang auf engstem Raum zusammenleben. Am Donnerstag, 30. August, weht der Wind nur noch mit 30 Knoten – doch bereits für Samstag erwarten wir den nächsten Sturm.» PolarNEWS 32 Polar NEWS

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