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PolarNEWS Magazin - 6

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Fotografen nennen ein

Fotografen nennen ein Bild wie dieses einen Lucky Shot, einen Glückstreffer: Neugierig schnuppert die Eisbärenmutter in Richtung Schiff und Menschen. Das ruhige Wasser spiegelt das mächtige Tier. werden. Der Kapitän und das Expeditionsteam beschliessen, den Rückzug anzutreten, und wir nehmen wieder Kurs gegen Norden. Somit werden uns wohl einige aufregende Erlebnisse entgehen... Naja, damit muss man leben, wenn man in den Polargegenden auf Expedition unterwegs ist. Doch unverhofft kommt einige Zeit später die Durchsage: Eisbären im Anmarsch! Nichts wie raus auf Deck! Eine Eisbärenmutter mit zwei Jungen betrachtet uns aus nächster Nähe. Neugierig schauen und schnuppern die Bären zu uns herüber. Was für ein faszinierendes Schauspiel, Menschen und Bären fast zum Greifen nah und beide voreinander sicher... Die Bärenfamilie hat keine Eile. Und so können wir doch viele gute Fotos schiessen. Auch das ist Arktis: Wären wir am Vormittag nicht umgekehrt, hätten wir die Bärenfamilie wohl nie gesehen. Nach dieser aufregenden Begegnung fällt es uns schwer, das Mittagessen einzunehmen, denn einer muss ja jetzt Ausschau halten! Und tatsächlich: Valeska sichtet weitere drei Eisbären voraus, diesmal sind sie aber leider nur mit Fernglas ersichtlich. Doch das Glück ist uns heute mehr als wohlgesinnt: Schon kommt von Backbord her der siebte Eisbär des heutigen Tages übers Eis in unsere Richtung geschlendert. Viele Ringelrobben liegen faul auf dem Eis herum, deshalb nehmen wir an, dass Bär Nummer Sieben sich auf eine Jagd vorbereitet. Aber weit gefehlt: Er hat mehr Interesse an uns als an seiner Umwelt. Unsere Kameras laufen heiss. Damit noch nicht genug: Kaum haben wir uns bei Kaffee und Tee aufgewärmt, schleicht sich auch schon Bär Nummer Acht an. Er merkt wohl, dass wir heute schon viele Eisbären vor die Kamera bekommen haben, und trottet auch gleich wieder davon. Kapitän Igor Stetsun setzt nun definitiv Kurs Richtung Norden, hinaus aus der mit Eis verstopften Hinlopenstrasse. Ein bewegter Tag geht zu Ende, und überaus glücklich liegen wir in unseren Kojen. Zum Einschlafen zählen wir nicht Schafe, sondern Eisbären... Barbecue auf dem Vordeck Donnerstag, 12. Juli 2007: Heute morgen zeigt sich das Wetter von seiner langweiligen Seite – etwas Nebel und alles grau in grau. Doch bald klart das Wetter auf, und als wir gegen Mittag den 8 Kilometer langen Bockfjord erreichen, herrscht wieder schönster Sonnenschein. Vor uns sehen wir den 506 Meter hohen Sverrefjellet, ein erloschener Vulkan, der vor einigen 100’000 Jahren ausgebrochen ist – wahrscheinlich unter dem Gletschereis. Gegenüber entdecken wir rundliche Berge aus rötlichem Sandstein und Konglomeraten. Die rote Färbung beruht auf dem hohen Gehalt von eisenhaltigen Mineralien im Sedimentgestein, die bei Luftkontakt oxidieren. Auf der Westseite des Fjordes erheben sich spitzige grau-schwarze Berge, die aus sehr alten Graniten, Gneisen und Marmoren bestehen: Geologen schätzen deren Alter auf über 400 Millionen Jahre. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Die Bewegungshungrigen ziehen mit Valeska über die blühende Tundra zum hoch gelegenen Aussichtspunkt. Die weniger Beweglichen, zu denen natürlich auch wir gehören, machen es sich auf dem Boden ungemütlich: Mit schweren Kameras und grossen Objektiven robben wir über Moos und Stein und fotografieren all die schönen Pflanzen der blühenden Tundra. Silberwurz, Svalbardmohn, stengelloses Leimkraut, Läusekraut, roter Steinbrech, Alpensäuerling und einige, von denen wir keine Ahnung haben, wie sie heissen. Mit surrenden Ellenbogen beginnt um 19.30 Uhr das Abendprogramm: «Hotelmanager» Charly und seine Crew laden uns zur Barbecue-Party auf dem Vordeck ein. Nach dem Essen wird zu russischer Musik getanzt, und unser Grillmeister gibt so manches spontane Tanzsolo. Bei Glühwein lachen und tanzen wir uns an Deck so richtig warm. Ein tolles Erlebnis, mit der russischen Crew zwischen Bergen und Gletschern im Liebesfjord zu feiern! Posierende Vögel Freitag, 13. Juli 2007: Nach ein paar Stunden erstaunlich tiefem Schlaf unternehmen wir einen Zodiacausflug zu der stark zerklüfteten Zunge des Wagonwaybreen. Frisch abgebrochenes Gletschereis treibt knackend im Wasser. Seevögel schwimmen um unsere Boote. Dreizehen- und Eismöwen hocken auf Eisbrocken. Wir bestaunen den Gletscher und landen etwas weiter hinten in einer klei- » 22 Polar NEWS

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