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PolarNEWS Magazin - 5

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Aufmerksam überwacht

Aufmerksam überwacht das Männchen auf einer Krete sitzend die Gegend, während seine Jungen spielen. Obwohl er ein Raubtier ist, muss sich der Eisfuchs vor Fressfeinden in Acht nehmen. Ja nach Nahrungsangebot beträgt ein Wurf zwischen zwei und fünfzehn Jungtieren. Von Peter Balwin (Text) und Norbert Rosing (Bilder) Wäre es kein gutes Jahr gewesen für die Füchse, dann läge eine schwere Stille über der sommerlichen Tundra der Hocharktis. Doch jetzt ist der Teufel los – genauer: Die jungen Eisfüchse spielen! Im Dutzend tollen kleine Fellknäuel um die grossen Steine, purzeln die sandigen Hänge hinunter. Sie verschwinden in diesem Loch des Fuchsbaus, nur um Sekunden später durch einen anderen Ausgang wieder ins Freie zu stieben. Wachsam und mit seinen kurzen, sehr kleinen Ohren aufmerksam horchend, sitzt Vater Eisfuchs auf einem niederen Hügel in geringer Entfernung und beobachtet das tollkühne Spiel seines Wurfs. Ab und zu hebt er seine spitze Schnauze in den Wind und schnuppert. Falls sich einer der zahlreichen Fressfeinde nähert, wird das Eisfuchs-Männchen versuchen, durch lautes, heiseres Bellen die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich selber zu lenken. Je nach dem, in welcher Gegend der Arktis wir unsere Familienidylle ansiedeln wollen, wird das Eisfuchs-Männchen durch sein Bellen Wolf, Eisbär, Vielfrass, Seeadler, Schnee-Eule oder Rotfuchs von seiner Sippe weglocken. Aber jetzt ist alles in Ordnung. Der Eisfuchs, lateinisch Alopex lagopus, oft auch Polarfuchs genannt, lebt weitverbreitet rund um das Nordpolargebiet, wo er in vielen Gegenden das häufigste Landraubtier ist. Zoologisch gehört der Eisfuchs zu den Hunden (Canidae), und einer seiner engsten Verwandten ist unser Rotfuchs. Auf Island zum Beispiel gibt es kein grösseres Landsäugetier als diesen zierlichen Wildhund, dessen Körper von der Schnauze bis zum Hinterteil etwa 60 Zentimeter misst. Kaum 5 Kilogramm bringt ein ausgewachsenes Tier auf die Waage, und nur rund 30 Zentimeter Schulterhöhe weist es auf. Sein Schwanz misst 30 bis 40 Zentimeter – und erreicht damit fast die Körperlänge. Polarfüchse können bis zu 15 Jahre alt werden. In Socken übers Eis Trotz seiner Kleinheit gehört der zartgliedrige Eisfuchs zu den wenigen echten Eistieren unter den Landsäugern. Es erstaunt deshalb nicht, dass alle Merkmale, die für den Eisfuchs arttypisch sind und ihn zum Beispiel von unserem Rotfuchs unterscheiden, mit seinem harten Leben in der Arktis Wenn der arktische Sommer kommt, wirft der Eisfuchs sein weisses Winterfell ab. Dieses nimmt die braune Farbe an, die ihm jetzt die beste Tarnung ermöglicht. 8 Polar NEWS

zusammenhängen. So hat der Eisfuchs kürzere Beine und eine kürzere Schnauze als der Rotfuchs, auch sein Rumpf ist nicht so gross. Und als einziger Vertreter der Hunde läuft der Eisfuchs auf rundum behaarten Pfoten: zum Schutz vor Kälte und zum besseren Gehen über Schnee und Eis. Diese «Fellsocken» haben dem Eisfuchs seinen wissenschaftlichen Artnamen lagopus eingetragen, der Hasenfüssige. Als einziger aus der Hundefamilie wechselt der Eisfuchs zwei Mal im Jahr sein Fell – und überdies gleich noch dessen Farbe. Auch dies macht ihm kein anderer Canide nach. Das Sommerfell ist hell- bis graubraun mit weisslicher Unterseite, im Winter hingegen ist es reinweiss und sehr, sehr dicht. Ähnlich wie bei einem Eisbären dienen die vom Farbpigment entleerten Haarröhrchen einer besseren Isolierung durch das Fell. In Spitzbergen verliert der Eisfuchs sein Winterfell im Mai. Im Juli ist das Sommerfell bereits ausgebildet, doch schon im September beginnt der neuerliche Wechsel zum Winterfell. So trägt der Eisfuchs die zu jeder Jahreszeit passende Farbe am Körper und ist immer bestens getarnt. Eine besondere Farbe weisen die sogenannten Blaufüchse auf: Im arktischen Sommer sind solche Eisfüchse zwar schokoladebraun gefärbt, im Winter aber nicht weiss, sondern dunkel von hellgrau über stahlblau und bräunlich-bläulich bis fast schwarz. Das Verbreitungsgebiet der Blaufüchse beschränkt sich hauptsächlich auf küstenferne Lebensräume. In gewissen Teilen von Grönland und Island kann fast die Hälfte der Eisfuchs-Population aus «blauen» Tieren bestehen. Leider ist diese Farbvariante bei der Pelzmode äusserst gefragt, weshalb Zehntausende von Eisfüchsen in Pelztierfarmen darben. Was Winterfell des Eisfuchses isoliert am besten von allen Fell tragenden Säugetieren. Die feine, wärmedämmende Unterwolle macht bis zu drei Viertel des Winterfelles aus und ist damit eines der dichtesten im Tierreich. Es hält den Fuchs so warm, dass er seinen Stoffwechselumsatz erst ab minus 40 Grad leicht erhöhen muss. Er kann sogar noch bei minus 80 Grad eine ganze Stunde im Freien schlafen, ohne dass die Kerntemperatur seines kleinen Körpers absinkt. Jeden Tag gibt’s Lemminge Auf seinen grazilen Pfoten ist der Eisfuchs ständig unterwegs: Wanderungen von über tausend Kilometern in einer Sommersaison sind nachgewiesen! Und man hat ihn weniger als 60 Kilometer vom Nordpol entfernt beobachtet – mitten auf den unendlich scheinenden Packeisflächen des Arktischen Ozeans. Natürlich macht der Eisfuchs keinen touristischen Ausflug in Richtung Nordpol – seine Wanderungen dienen dem puren Überleben, der Suche nach Nahrung. Vor allem im Winter folgt der Fuchs dem Eisbären und frisst, was ihm der König der Arktis von seiner Beute übrig lässt. Zur Not sogar dessen fettreiche Exkremente. Vor allem nördlich des Polarkreises ist der Eisbär eine Art Lebensversicherung für den Eisfuchs, denn der Bär jagt am liebsten Robben, von denen er manchmal nur die nahrhafte Fettschicht frisst und den Rest, also Fleisch und Knochen, übrig lässt. Für den Fuchs, dem die Robben selber zu gross für die Jagd sind, ein willkommenes Mahl. Es wurde sogar schon beobachtet, dass ein Eisfuchs «seinen» Eisbären mit Bissen in sein Hinterteil zur Robbenjagd angestachelt hat, weil dieser zu lange untätig rumgelegen war. Der er weckt den schlafenden Riesen auf, wenn mögliche Beute auftaucht. Ein gefährliches Spiel, denn Eisbären fressen durchaus auch Eisfüchse, wenn sich die Gelegenheit ergibt... Südlich des Polarkreises stellt der Eisfuchs gerne den Alpenschneehühnern nach. Im Gut gepolstert durch den Winter. Sogar die Unterseiten seiner Pfoten sind behaart. Polar NEWS 9

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