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PolarNEWS Magazin - 5

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Um nochmals auf die vorherige Frage zurückzukommen: Was mich anbelangt, befasse ich mich seit Jahren mit flachem Eis und kann auch die entsprechende Erfahrung vorweisen. Die Patagonien-Durchquerung war ein Lehrgang für Arctic Solo. Wochen- und monatelang trainierte Thomas Ulrich in den Berner Oberländer Alpen Kraft und Kondition. Das Gewicht der Reifen entspricht demjenigen des Expeditions-Schlittens. Bringt Ihnen das Scheitern Ihrer Expedition Probleme mit den Sponsoren? Nein. Natürlich hätten es alle genauso gerne wie ich gesehen, wenn die Expedition geklappt hätte, aber ich habe sowohl im Vorfeld als auch danach sehr seriös mit meinen Sponsoren gearbeitet, denn ein mögliches Scheitern gehört mit zum Inhalt der Verträge. Einige haben sogar schon kurz nach dem Abbruch von Arctic Solo mitgeteilt, dass sie wieder dabei wären, wenn ich es ein zweites Mal versuchen würde. Sind Sie sehr enttäuscht über Ihr Scheitern? Die Möglichkeit des Scheiterns ist Bestandteil der Vorbereitung. Zudem scheitern viele grosse Projekte beim ersten Versuch: Bertrand Picard brauchte drei Anläufe, bis seine Weltumrundung mit dem Ballon gelang. Trotzdem hadere ich natürlich mit mir und muss in meinem Kopf wieder Ordnung machen. Die Vorbereitungen für Arctic Solo waren aufwändig: neben Schiesstraining und Kartenkunde gehörte auch eine Gewichtszunahme von 15 Kilo und ein Besuch beim Zahnarzt dazu. Bergsteigerin Eveline Binsack mit Velo und zu Fuss unterwegs auf einer 28'000 Kilometer langen Reise von der Schweiz bis zum Südpol. Was halten Sie davon? Dazu möchte ich mich nicht äussern. Nur soviel: Man sollte ehrlich genug sein und zugeben, dass solche Expeditionen am Ende immer Egotripps sind. Das sollte man nicht unter dem Deckmantel einer Wohltätigkeits- Veranstaltung für Kinder schönreden. Aber grundsätzlich kann jeder machen, was er will. Sie selber bewegen sich schon seit längerem in polaren Gebieten. Wie kamen Sie aufs Eis? Durch meine Frau Åsta: Sie ist Norwegerin, deshalb gehen wir zwei- bis dreimal pro Jahr nach Norwegen, wo ich natürlich jedes Mal einen Trip unternehme, und der geht durch Eis.m So lernte ich bei den Norwegern, die ja zu den Besten gehören, wenn es um das Gehen auf flachem Eis geht, dass man ganz anders ausgerüstet sein muss und sich anders bewegen muss als beim Klettern im Eis der Berge. In den Buchhandlungen fielen mir dann mehr und mehr Bücher auf über Arktis- Polar NEWS Expeditionen. Die haben mich interessiert. In Norwegen lernte ich übrigens auch Børge Ousland kennen, mit dem ich 2002 Patagonien durchquerte. Wann haben Sie sich zu Arctic Solo entschlossen? Es gibt keinen Punkt, an dem man sagt: Ich gehe jetzt. Die Idee dazu kam mir das erste Mal vor sechs, sieben Jahren und ist langsam in mir herangewachsen. Vor etwa drei Jahren habe ich zum ersten Mal ein grobes Budget errechnet. Ich kam auf etwa 350'000 Franken und dachte: Herrje, das bringst du nie zusammen. Ich war in dieser Zeit oft unterwegs mit meinen Vorträgen, an deren Ende ich jeweils von meinem Traum erzählte, die Arktis zu durchqueren. Irgendwann ergaben sich daraus Kontakte mit Firmen, die sich als Sponsoren anboten: vor allem Emch + Berger, Oertli, Mammut und Globetrotter. Vor rund zwei Jahren wurden die Verhandlungen konkret, und von da an ging alles ziemlich rasch. Wie machen Sie das? Fragen Sie mich das wieder, wenn ich alles verarbeitete habe... Die Tage allein auf dem Eis, als ich auf den Helikopter warten musste und mein Leben an einem dünnen Faden hing, damit komme ich klar. Was mich mehr beschäftigt, ist der Umstand, dass ich mich über Jahre auf Arctic Solo vorbereitet und in den Monaten vor Expeditionsstart mein ganzes Leben nur noch auf diesen einen Punkt ausgerichtet habe. Darin war auch mein Leben nach Arctic Solo inbegriffen. Wie meinen Sie das? Abenteurer wie Reinhold Messner zehren Jahrelang von ihren Expeditionen. Auch ich hatte vor, nach Arctic Solo meinen und den Lebensunterhalt für meine Familie mit Diavorträgen und Fotos zu verdienen, auch ein Buch war geplant... aber das fällt jetzt alles ins Wasser. Abenteuer sind eben nicht planbar, das gehört zu unserem Business. Und was werden Sie jetzt tun? Zuerst muss ich mich neu orientieren. Ich möchte gerne im Sinne eines Beraters meine Erfahrungen in anderen Projekten für andere Abenteurer oder Organisationen einbringen. Und ich habe auch angefangen, Reisen auf Skiern zum Nordpol anzubieten, den letzten Breitengrad: 120 Kilometer zu Fuss zum Nordpol. 37

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