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PolarNEWS Magazin - 5

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Der Chef und die

Der Chef und die Veranstalter: (von links) Walter Hugentobler vom Reiseunternehmen Kontiki, Kapitän Trond Magne Holten, Ivan Köhle von Kontiki, Koni Bäschlin von der «CoopZeitung». Besuch in der Werft Ab nächstem Sommer soll das Motorschiff mit dem geschichtsträchtigen Namen «Fram» durch arktische Gewässer kurven. Ungewöhnlich: Der künftige Kapitän ist bei den Bauarbeiten in Triest dabei. Grund genug, Trond Magne Holten vor Ort ein paar Fragen zu stellen. Fernost billiger bauen können, aber das Risiko war zu gross: Dort werden hauptsächlich Containerschiffe, Tanker und Frachter hergestellt. Triest hat auch den Vorteil der Nähe: Wenn’s irgendwo «brennt», sind weitere Spezialisten von uns schnell vor Ort. Und wir können jedes zweite Wochenende nach Hause fliegen, was sehr angenehm ist. Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Normalerweise übernimmt ein Kapitän das fertige Schiff. Sie nehmen aber bereits bei den Bauarbeiten Einfluss. Warum? Trond Magne Holten: Diese Situation ist tatsächlich aussergewöhnlich... Die «Fram» wird in einer Zeit von nur drei Monaten gebaut, das ist noch viel aussergewöhnlicher. Hurtigruten, das ist unsere Reederei, hat deshalb beschlossen, dass diese ganze Zeit über eine Firmenvertretung vor Ort sein soll. Was natürlich den Vorteil hat, dass wir jetzt schon alle Ecken und Eigenheiten des Schiffes kennen und auf dem Wasser dann sofort richtig loslegen können. Wer ist alles in Ihrem Team? Neben mir als Kapitän sind noch zwei Chefingenieure, zwei Erste Offiziere und ein Elektriker in Triest. Zum Endausbau im Januar 2007 wird unser Team noch mit zusätzlichen fünf Mann verstärkt. So können Details, die bei der Planung vergessen gingen oder nicht berücksichtigt wurden, an Ort und Stelle verbessert werden. Wir arbeiten mit den Ingenieuren der Werft Fincantieri Hand in Hand, dieses Team harmoniert hervorragend. Wie kamen Sie zu der Ehre, Kapitän der «Fram» zu werden? Im November 2004 beschlossen die Verantwortlichen der Schifffahrts-Agentur Hurtigruten, mit einem neuen Schiff die Westküste von Grönland zu befahren. Sie fragten mich an, ob ich auf der neuen «Fram» das Kommando übernehmen würde. Natürlich war ich Stolz, dass ich auserwählt wurde, und sagte zu. Es gab schon einmal ein Schiff namens Fram... Die erste «Fram» liess der norwegische Forscher und Zoologe Fridjof Nansen für seine Expeditionen bauen. 1888 durchquerte er als erster Mensch Grönland von der Ost bis zur Westküste. 1893 liess der die «Fram» bauen uund liess sich noch im gleichen Jahr vor den Neusibirischen Inseln vom Eis einschliesssen und polwärts treiben, um seine Theorie über die Eisdrift von der Küste Sibiriens über den Pol nach Grönland zu beweisen. Das Schiff blieb bis 1912 im Einsatz und kann heute im Museum in Oslo besichtigt werden. Das neue Motorschiff «Fram» ehrt mit diesem Namen den Abenteurer Nansen. Warum wird die neue «Fram» in Italien gebaut? Mit der Werft Fincantieri in Triest haben wir einen sehr kompetenten Partner gefunden, der grosse Erfahrung im Bau von Passagierschiffen mitbringt. Natürlich hätten wir in Das heisst, die Italiener bauen schnell und auch zuverlässig nach Zeitplan? Ja, bis jetzt hatten wir da überhaupt keine Probleme. Die Effizienz, mit der hier gearbeitet wird, widerspricht sicher jenen Vorurteilen, dass man sich in Italien auf zeitliche Abmachungen nicht unbedingt verlassen kann. Wir sind eigentlich rundum zufrieden, wie hier gearbeitet wird. Hier in Triest wird übrigens auch der Innenausbau gefertigt. Die Italiener sind ja bekannt für stilvolle Fertigung... Was hat das Kreuzfahrtschiff «Fram» was andere nicht haben? Einerseits bietet es alle Annehmlichkeiten, die von Reisenden heute verlangt werden: komfortable Kabinen für insgesamt 318 Gäste, einen grosszügigen Panorama-Salon und weitläufige Deckflächen, die einen herrlichen Ausblick auf die eindrucksvollen Eisberge und Landschaften ermöglichen. Ferner Vortragsräume, ein edles Restaurant, Internetzugang, Bord-Shop sowie Cafeteria und Bar. Whirlpools, Saunen und ein Fitnessraum runden das Angebot ab. Anderseits ist das Schiff technisch gesehen speziell für Fahrten in arktischen Gewässern ausgerüstet: Das Motorschiff ist mit einer Länge von nur 113 Meter sehr wendig und gut manövrierbar, der Rumpf des Schiffes ist in der Eisklasse 1B gebaut, die Antriebsschrauben sogar in der Eisklasse 1A. 32 Polar NEWS

Sie erwähnten die kurze Bauzeit.Wie sieht der Zeitplan aus? Die Kiellegung war am 25. August. Das ist der Zeitpunkt, bei dem der Bau im Trockendock beginnt und natürlich gefeiert wird, das ist sozusagen der Spatenstich der «Fram». Die bei der Kiellegung übliche Andacht war übrigens sehr berührend. Die Verantwortlichen der Reederei und der Werft waren anwesend, der Pfarrer des Ortes segnete das zukünftige Schiff mitsamt den Arbeitern und bat Gott darum, dass während dem Bau alles gut geht. Knapp drei Monate später, am 18. November, war die Wasserung der «Fram»: das ist der Moment, wo Wasser ins Trockendock eingelassen wird und das Schiff zum ersten Mal schwimmt. Dieser Moment ist wirklich speziell, denn was so lange gebaut wurde, ist jetzt ein richtiges Schiff. Im April nächsten Jahres erfolgt nach einer kurzen Pressefahrt nach Venedig die Überführung nach Norwegen. Anfang Mai 2007 wird dann «mein» Schiff in Oslo getauft, vermutlich wird dies einer der Höhepunkte in meinem Leben werden. Und dann geht’s gleich auf grosse Reise vor Grönlands Küste? Ja natürlich! Für das wurde die «Fram» ja auch gebaut. Ich freue mich sehr darauf, die ersten Gäste begrüssen zu dürfen, gemeinsam mit ihnen die Schönheit der grönländischen Küste zu bestaunen, einfach unvergessliche Tage zu geniessen. Aber bis dahin wartet noch viel Arbeit auf mich und meine Crew. Die dritte Fahrt der «Fram» ist für eine Leserreise der «CoopZeitung» reserviert... Ja, wir fahren in die Diskobucht an der Westküste Grönlands, besuchen den Evigheds- Fjord im Süden und cruisen hinauf bis nach Ukkusissat. Es ist erstmalig, dass mit Kontiki-Saga ein zukünftiger Veranstalter uns bereits beim Bau eines Schiffes über die Schulter schaut. Die Expeditions-Teilnehmer können das Schiff Ende März in Triest in der letzten Bauphase besichtigen... Das Motorschiff «Fram» Reederei: Hurtigruten Group ASA Flagge: Norwegen Baujahr: 2007 Passagiere: 318 Besatzung: 70 Decks: 8 Kabinen: 134 Länge: 114 Meter Breite: 20,20 Meter Tiefgang: 5,10 Meter Tonnage: 12’700 Tonnen Geschwindigkeit: 16 Knoten Eisklasse: 1B Stromspannung: 220 V Bordsprachen: Norwegisch, Deutsch, Englisch Anfang Oktober war noch kaum zu erkennen, dass aus diesem Stahlgerüst ein Schiff werden soll. Die Computersimulation zeigt, wie das Motorschiff «Fram» aussehen wird. Unterwegs mit Coop, Aeschbacher und Kubny Die Expedition Diskobucht führt die Teilnehmer dieser Leserreise der «CoopZeitung» für neun Tage von Kangerlussuaq entlang der Westküste Grönlands in die Diskobucht und wieder zurück. Die Reise steht ganz im Zeichen des Eises: Bläuliche Eisberge in den skurrilsten Formen begleiten das Schiff. Von Deck bieten sich beeindruckende Ausblicke, beispielsweise auf den gewaltigen Gletscher Eqip Sermia, von dessen Eiswand sich immer wieder massive Brocken lösen und tosend ins Meer stürzen. Die «eisige Krönung» der Reise ist der Eisfjord Kangia bei Ilulissat, durch den sich wild gezackte Eisgebirge schieben. Ehrfurcht rufen die majestätischen Eiskathedralen und überdimensionalen Eistorbögen beim Betrachter hervor; die enormen Eismassen beeindrucken zutiefst. Kurz: Eine unwirklich schöne Landschaft präsentiert sich den Reisenden. Während zahlreicher Landausflüge werden schnell Kontakte zu den Inuit geknüpft; auch die vielseitigen Vorträge des Expeditions- und Lektorenteams geben spannende Einblicke in das Leben im und mit dem Eis sowie über die grönländische Flora, Fauna und Geschichte und runden die Expedition Diskobucht ab. Als prominente Reisebegleiter erzählt der erfahrene Pol-Reisende Heiner Kubny den Teilnehmern Wissenswertes zu Land und Leuten, Flora und Fauna. Der Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher moderiert die Informations- und Unterhaltungsabende an Bord der «Fram» Polar NEWS Weitere Auskünfte: PolarNEWS Telefon 044 342 36 60 I Email: redaktion@polar-news.com 33

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