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PolarNEWS Magazin - 5

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Da hats einer ein

Da hats einer ein bisschen übertrieben: Dieser Pinguin hat sich im Meer zu sehr verausgabt und total vollgefressen. Kaum hat er wieder festen Boden unter den Füssen und ist vor Feinden sicher, macht er noch an Ort und Stelle ein kleines Nickerchen, bevor er seine Beute dem Nachwuchs bringt. ge Zeit in dieser Tiefenstufe verweilen, bevor sie wieder an die Oberfläche kommen. Und schliesslich W-förmige Tauchgänge, bei denen die Tiere ebenfalls bis auf eine bestimmte Tiefenstufe vordringen, dort aber plötzlich nach oben und unten ausscheren, bevor sie wieder zur Oberfläche zurückkehren. Effizienter Jäger Vergleicht man nun die Messdaten von U- und W-Tauchgängen eines bestimmten Tiefenbereichs, fallen folgende Unterschiede auf: Einerseits sind die Ab- und Auftauchgeschwindigkeiten bei U-Tauchgängen niedriger als bei W-Tauchgängen. Anderseits ist die Auftauchgeschwindigkeit bei U-Tauchgängen geringer als die Abtauchgeschwindigkeit, wohingegen sie bei W-Tauchgängen gleich hoch ist. Drittens ist die Bodenzeit, also die Zeit, die im maximalen Tiefenbereich verbracht wird, bei W-Tauchgängen höher als bei U-Tauchgängen. Diese Verhaltensmuster lassen sich nur durch eine Reaktion auf eine unterschiedliche Nahrungsverteilung erklären, was durch andere Untersuchungen inzwischen bewiesen wurde. So findet bei W-Tauchgängen die Nahrungsaufnahme fast ausschliesslich während der Bodenzeit statt, wofür die kurzfristigen Tiefenschwankungen, die auch mit Ver- änderungen der Schwimmgeschwindigkeit einhergehen, ein deutliches Indiz sind. Wie bereits erwähnt, befinden sich die Leuchtsardinen tagsüber in dichten Schwärmen in grossen Tiefen. Dieses Verhalten erlaubt es den Pinguinen, die Fische sehr effizient zu erbeuten. Bei U-Tauchgängen erfolgt die Nahrungsaufnahme nur in geringem Ausmass im Bereich der Maximaltiefe. Der Hauptteil der Nahrung wird während des Auftauchvorgangs erbeutet. Dieses Verhalten ist von Vorteil, wenn sich die Leuchtsardinen gleichmässiger in der Wassersäule verteilen, wie es während der Vertikalwanderung zu Sonnenauf- und -untergang der Fall ist. Diese Beispiele machen deutlich, wie hervorragend die Pinguine an ein Leben unter der Wasseroberfläche angepasst sind. Sie können ohne großen Energieaufwand entlegene Nahrungsgebiete aufsuchen und sind offensichtlich jederzeit über die Nahrungsver - hältnisse informiert. So passen sie sich Diese Tabelle zeigt die verschiedenen Arten von Tauchgängen. Die Kurven geben Aufschluss über Tauchzeit, Erkundungs- und Fressverhalten der Königspinguine. 26 Polar NEWS

physiologisch und in ihrem Verhalten vorher an die jeweiligen Bedingungen an und können die Nahrung dadurch so effizient wie möglich erbeuten. Ein Magen für zwei Tiere In diesem Zusammenhang sei noch auf einen weiteren höchst interessanten Aspekt des Pinguinlebens hingewiesen. Während der Kükenaufzucht sind die Tiere ständig zwei gegensätzlichen Anforderungen unterworfen: An Land hungern sie, während sie das Küken hudern und mit Nahrung versorgen, die sie in ihrem Magen speichern. Im Meer hingegen müssen sie so rasch wie möglich ihr verlorenes Gewicht wieder ausgleichen, aber gleichzeitig in ihrem Magen ausreichend Nahrung für das Küken zurückbringen. Während für das Stillen des eigenen Hungers ein hoher Fangerfolg und eine schnelle Verdauung nötig sind, muss dieselbe zur Versorgung der Kücken auf ein Mindestmass beschränkt oder sogar ganz eingestellt werden – insbesondere wenn man die langen Wege zu den Nahrungsgebieten berücksichtigt. Auch hier haben Untersuchungen ergeben, dass die Königspinguine durchaus in der Lage sind, diese gegensätzlichen Aufgaben zu lösen: Nach einem Landaufenthalt fressen die Pinguine zuerst so viel wie möglich, verdauen sehr schnell und effektiv. Ist das Energiedefizit ausgeglichen, verändert der Pinguin sein Magenmilieu und verhindert dadurch die weitere Verdauung. So wird die Säuresekretion, die im Magen das für die Verdauungsenzyme erforderliche saure Milieu schafft, reduziert – der Mageninhalt wird alkalisch. Auch die Durchblutung der Magenwand wird eingestellt, wodurch die Nährstoffe nicht mehr abtransportiert werden und die Erwärmung der aufgenommen Nahrung soweit reduziert wird, dass der Mageninhalt bei weiterer Zufuhr von kalter Nahrung teilweise bis auf Werte im Bereich der Umgebungstemperatur abkühlt. Zu guter Letzt erschlafft auch die Magenmuskulatur, und der Mageninhalt wird nicht mehr durchmischt, was zu einer deutlichen Schichtung im Magen führt. Von unten nach oben ist nun fast verdaute, halb verdaute und unverdaute Nahrung im Magen quasi eingelagert. Alle diese Erkenntnisse haben wir erst in den letzten Jahren dank des Einsatzes kleiner elektronischer Geräte erhalten und konnten so zahlreiche Geheimnisse im Leben eines Königspinguins lüften. Viele, wenn nicht sogar alle der hier beschriebenen Phänomene sind auch in unterschiedlichem Klemens Pütz Nach seinem Biologiestudium arbeitete Klemens Pütz zunächst mehrere Jahre in der Pinguin-Forschungsgruppe an der Universität Kiel, bevor er für fünf Jahre auf den Falkland Inseln als Fischerei-Inspektor und wissenschaftlicher Berater von Falklands Conservation tätig war. 1997 war er Gründungsmitglied des Antarctic Research Trust (ART), dessen wissenschaftlicher Direktor er seither ist. Das Ziel der Stiftung ist es, wissenschaftliche Forschungsprojekte an antarktischen und subantarktischen Tieren durchzuführen beziehungsweise zu unterstützen, um diese Tiere und ihren Lebensraum besser schützen zu können. Von 2000 bis 2002 war Pütz zudem als Wissenschaftler an der Vogelwarte Hiddensee der Universität Greifswald angestellt und untersuchte dort die genetische Steuerung des Vogelzugs am Beispiel der Heringsmöwe. Darüber hinaus ist er seit über 12 Jahren regelmässig als Lektor und Expeditionsleiter auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen in der Antarktis tätig. www.antarctic-research.de Ausmass bei den anderen Pinguinarten ausgebildet. Allerdings haben diese Untersuchungen auch viele neue Fragen aufgeworfen, so dass die Pinguinforschung auch weiterhin eine spannende und höchst interessante Aufgabe bleibt. Endlich Futter: Ein Elterntier würgt für sein Junges die im Magen gelagerte Nahrung aus. Polar NEWS 27

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