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PolarNEWS Magazin - 5

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10 Polar

10 Polar NEWS

Sommer steht überhaupt alles Fleischliche auf dem Eisfuchs-Speisezettel: angespültes Aas, Eiderenten oder Gänse und deren Eier, Kadaver von Rentieren auf der Tundra... Ist das Nahrungsangebot mal nicht so gross, verschmäht der Eisfuchs auch Beeren und Insekten nicht. Ganz oben auf dem Menuplan stehen aber Lemminge. Allerdings vermehren sich diese nordischen Wühlmäuse in einen vier- bis fünfjährigen Zyklus mal mehr, als weniger: So kommt es vor, dass in einem Jahr bis zu 20'000 Lemminge pro Quadratkilometer leben, während nur wenige Jahre später die Population auf 300 Tiere pro Quadratkilometer schrumpft. Entsprechend nimmt in «guten» Lemming-Jahren auch der Bestand der Eisfüchse zu, während in «schlechten» Jahren die Eisfuchs-Weibchen weniger Junge werfen. Ein «gutes» Jahr ist übrigens für die ganze Tierwelt der Tundra wie ein reich gedeckter Tisch: 20'000 Lemminge pro Quadratkilometer entsprechen einem «Fleischvorrat» von 1300 Kilogramm. Auch Schnee- Eulen und Raubmöven legen dann mehr Eier als sonst. Von der Anzahl möglicher Beutetiere hängt auch die Grösse des Territoriums ab, das sich ein Eisfuchspaar für den Sommer absteckt. Eine solche Fläche kann mitunter gegen 60 Quadratkilometer gross sein. Falls sich der Fuchsbau aber in der Nähe eines Vogelfelsens mit einem optimalen Nahrungsangebot befindet, dann genügen auch 3 bis 5 Quadratkilometer. Der Bau selbst, die Wohnung der Eisfuchs-Familie, besteht aus einem geräumigen, selbst gegrabenen Gangsystem, oftmals in freistehenden Hügeln oder unter Gesteinsblöcken, und kann mehr als fünfzig Eingänge haben. Ein solcher Fuchsbau weist eine «Wohnfläche» in der Grössenordnung von 30 Quadratmetern auf und wird von Generation zu Generation immer wieder benutzt, einige sogar über Jahrhunderte! Die Töchter helfen mit Hier werden nach einer Tragzeit von rund fünfzig Tagen zwischen April und Juni die Jungen geboren. Ein Wurf zählt – je nach Nahrungssituation – bis zu 15 hilflose, anfänglich blinde, rund hundert Gramm leichte Eisfüchslein. Die Fähe (so nennen Biologen das Eisfuchsweibchen) umsorgt in dieser Zeit ihren Nachwuchs im Bau, wo sie vom Männchen mit Nahrung versorgt wird. Es ist eine anstrengende Zeit: Bis zu 19 Stunden täglich sind die Elterntiere auf der Jagd, um ihre Jungen durchzufüttern. Eisfüchse leben übrigens monogam, das heisst, ein Paar bleibt ein Leben lang zusammen beziehungsweise finden jeweils zur Paarungszeit wieder zusammen. Auch andere Füchse helfen deshalb mit bei der Aufzucht: Es sind dies ältere, meist erwachsene Töchter, welche durch ihr Helferverhalten den Aufzuchterfolg der Eltern vergrössern und gleichzeitig Erfahrung für ihre eigene Zukunft als Mütter sammeln können. Dieses selbstlose Handeln ist nicht nur bei den Eisfüchsen nachgewiesen: Zoologen kennen mehr als 120 Säugetier- und weitere 200 Vogelarten, die ein Helferverhalten an den Tag legen. Schon zwei Wochen nach ihrer Geburt öffnen die Welpen ihre Augen, und im zarten Alter von drei bis vier Wochen blinzeln sie erstmals aus einem der zahllosen Eingänge ihres Baus, um kurze Zeit später ihren Lebensraum Tundra mutig und verspielt zu erkunden. Vor allem das schimmernde Fell des Blaufuchses ist in der weltweiten Pelzindustrie gefragt: die Felle von rund sechs Polarfüchsen sind nötig, um einen Mantel daraus herzustellen – der kostet dann im Handel rund 2500 Franken. Das Deutsche Pelzinstitut und auch der Schweizer Pelzfachverband betonen, dass die Felle für Polarfuchsmäntel so gut wie ausschliesslich aus Zuchtfarmen bezogen werden Viele dieser Farmen sind in Russland, andere in Skandinavien und Kanada, wo Polarfüchse seit 1860 gezüchtet werden. Dies bestätigt die deutsche Tierschutz-Organisation Peta. Der wildlebende Polarfuchs ist weltweit geschützt und in seinem Bestand nicht gefährdet. Wie es allerdings mit den Haltungsbedingungen in den Zuchtfarmen aussieht, ist eine andere Frage. Peta setzt sich seit Jahren für tiergerechte Haltung von Polarfüchsen ein. Mit seiner feinen Nase hat dieser Eisfuchs einen Lemming gerochen, der sich unter dem Eis versteckt. Er springt in die Luft, um mit dem Gewicht seines Körpers die Schneedecke zu durchbrechen – mit Erfolg, wie man sieht. Polar NEWS 11

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