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PolarNEWS Magazin - 4

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Von Heiner Kubny (Text

Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Die Küstenseeschwalbe ähnelt stark der Flussseeschwalbe. Ihr Gefieder ist weiss bis hellgrau gefärbt. Im Prachtkleid ist der Schnabel der Küstenseeschwalbe einheitlich rot gefärbt, ohne deutlichen schwarzen Spitzenabschnitt wie bei der Flussseeschwalbe. Die schwarze Kopfkappe reicht nur bei der Flussseeschwalbe bis weit in den Nacken, während sie bei der Küstenseeschwalbe kürzer ist. Die letztere hat im Vergleich zur ersteren sehr kurze Beine, dafür aber um so längere Schwanzfedern. Aber auch mit diesen Merkmalen sind die beiden Arten nur schwer zu unterscheiden. Küstenseeschwalben werden in der Regel zehn bis elf Jahre alt. Das älteste Tier, das Zugvogelforscher beringt haben, wurde allerdings stolze 34 Jahre alt. Es brütete auch im hohen Alter noch. Lebensraum Die Küstenseeschwalbe kommt in allen Ländern rund um den Nordpol vor und bevorzugt als Stosstaucher in der Regel klare und vegetationsarme Küstenabschnitte. Sie lebt bis auf wenige Ausnahmen ausschliesslich in Meeresnähe. Fortpflanzung Die Jungvögel werden mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif, wobei die Mehrzahl im vierten Jahr das erste Mal brütet – und zwar in lockeren Kolonien mit bis zu 1000 Tieren, in denen die Nester mehrere Meter voneinander entfernt liegen. Die Brutplätze werden meist im Mai bezogen und befinden sich auf spärlich bewachsenem Untergrund. In Sanddünen und Kiesbetten wird das Nest in eine dem Körper des Vogels angepassten Mulde angelegt, die nur sparsam mit Halmen ausgekleidet wird. Die Vögel zeigen um diese Zeit die Fischbalz mit besonders schönen Posen: Das Männchen umläuft mit einem Fisch im Schnabel die Umworbene und übergibt ihr die Beute. Während sie das Geschenk verzehrt, steht er mit gespreizten Flügeln daneben. Im Mai und Juni legt das Weibchen zwei 4 Zentimeter grosse Eier, nur selten werden drei Eier gelegt. Die Brutzeit beträgt 20 bis 22 Tage. Beide Eltern brüten und verteidigen notfalls die Brut mit Sturzflug- Angriffen. Die Jungvögel sind nach drei bis vier Wochen flügge. Nahrung Als Meeresvogel ist die Küstenseeschwalbe ein besonders geschickter und erfolgreicher Stosstaucher. Sie erbeutet kleine Fische, Wasserinsekten, Krebse. Beim so genannten Stosstauchen wird die Wasseroberfläche zunächst in einem langsamen Suchflug sorgfältig abgesucht. Hat die Küstenseeschwalbe eine Beute entdeckt, kippt sie mit halbgeschlossenen Flügeln plötzlich in die Senkrechte ab und stösst im steilen Winkel nach unten. Der Vogel taucht vollständig unter Wasser, kommt aber nach kurzer Zeit wieder hervor. Das visuelle Jagen ist den Tieren nicht angeboren: Jungvögel müssen lernen, die Brechung durch das Wasser zu berechnen, was nicht immer klappt: Viele «Lehrlinge» ertrinken, weil sie zu tief oder falsch tauchen. In ihren Winterquartieren auf der Südhalbkugel lebt sie fast ausschliesslich vom Krill, den als Plankton im Wasser treibenden Kleinkrebsen, von denen sich auch manche Walarten ernähren. Zugvogel der Extreme Die Küstenseeschwalbe ist der Zugvogel mit dem längsten Zugweg. Ihre Winterquartiere liegen am Rand der antarktischen Packeiszone zwischen dem 55. und 70. südlichen Breitengrad im Süden des Atlan- Erblickt die Küstenseeschwalbe im Suchflug eine potentielle Beute, setzt sie unvermittelt zum Sturzflug an. Sie klappt die Flügel ein und stösst ins Wasser. 46 Polar NEWS

Grau-in-Grau-Farbtöne mit roten und einem schwarzen «Tupfer» verhelfen dem Vielflieger zu einer perfekten Tarnung. Die Küstenseeschwalbe ist von der Flussseeschwalbe kaum zu unterscheiden. tischen und Indischen Ozeans, in der Weddell Sea und vor der Antarktis. Die Vögel legen auf ihren Zug von den arktischen Brutplätzen in die antarktischen Überwinterungsgebiete eine Strecke von 35'000 bis 40'000 Kilometer zurück – das entspricht der Länge des Äquators! Beide Lebensräume bieten in den Sommermonaten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Durch die Ausnutzung der polaren Sommer von Arktis und Antarktis haben die Küstenseeschwalben den zusätzlichen Vorteil, dass in ihrem Lebensraum in insgesamt acht Monaten die Sonne nicht untergeht und sie (theoretisch) 24 Stunden am Tag auf Nahrungssuche gehen können. Die Küstenseeschwalbe verbringt mehr Zeit bei Tageslicht als jedes andere Tier der Welt. Der Wegzug aus den Brutgebieten setzt bereits Ende Juli ein, erreicht im August seinen Höhepunkt und endet im September. Die Küstenseeschwalben Kanadas, Grönlands, Skandinaviens und Westsibiriens folgen den Küsten, überfliegen aber auch den Atlantik und überwintern schliesslich in der Treibeiszone der Antarktis. Die Vögel Ostsibiriens und Alaskas überfliegen zudem nicht auf dem kürzesten Weg, an Japan vorbei, den Pazifik, sondern ziehen entlang der Westküste von Nord- und Südamerika gen Süden. In einem Jahr fliegt die Küstenseeschwalbe fast einmal um die Erde–während drei Vierteln der Zeit herrscht Tageslicht. (oben) In der Regel zwei Eier legt das Weibchen pro Jahr. Sie sind in der Erdmulde optimal getarnt. (unten) Polar NEWS 47

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