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PolarNEWS Magazin - 4

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Forschung News aus der

Forschung News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Eisbär schwimmt Rekordstrecke Mindestens 74 Kilometer in einem einzigen Tag – wahrscheinlich sogar mehr – legte ein Eisbär schwimmend in Spitzbergen zurück. Dies ist der erste Beweis dafür, dass Eisbären in so kurzer Zeit so weite Strecken im Wasser zurücklegen können. Es gilt als beinahe sicher, dass der Bär eher gegen 100 Kilometer geschwommen sein musste, weil er die Strecke zwischen seinem Start- und Landepunkt im südlichen Spitzbergen nicht in gerader Linie zurückgelegt hatte. Die durchschnittliche Geschwindigkeit im Wasser betrug 3 bis 4 Kilometer pro Stunde. Der Eisbär namens Skadi, ein 20-jähriges Weibchen, trägt seit geraumer Zeit einen Satellitensender. Seine Bewegungen können auf der Homepage des WWF mitverfolgt werden: www.panda.org => «Where we work» => «Arctic» => «Polar Bear Tracker». (Quelle: Arctic Bulletin 3.05) Antarktis: Dem Ringstrom «auf den Zahn fühlen» Der riesige kalte Meeresstrom, der den Kontinent Antarktika vor jeglicher Wärmezufuhr aus umliegenden Meeren abschirmt, transportiert 100 Mal mehr Wasser durch den Südozean als sämtliche Flüsse dieser Welt zusammengenommen. Die sogenannte zirkumpolare Strömung ist der grösste Meeresstrom der Erde – doch der mögliche Einfluss dieses antarktischen Ringstroms auf das Weltklima ist kaum bekannt. Angetrieben durch die wachsende Sorge um die Auswirkungen einer globalen Erwärmung, haben sich jetzt australische und französische Meeresforscher zusammengetan und ein internationales Projekt gestartet. Mit Hilfe von Modellrechnungen auf Supercomputern in Frankreich will man dem Ringstrom «auf den Zahn fühlen» und baldmöglichst in der Lage sein, Klima-Änderungen genauer vorherzusagen. Vor allem interessiert, wie Wärme und Salz in den Südozean und aus diesem wieder heraus transportiert werden. Damit erhöht sich das Wissen um die Dynamik dieses kalten Meeres. Und die Australier erhoffen sich gleich noch eine Verbesserung ihrer Klimaund Wettervorhersage. (Quelle: University of New South Wales) Rohöl verschmutzt Alaskas Tundra Durch eine defekte Pipeline im US- Bundesstaat Alaska sind bis Ende März mehr als 800'000 Liter Rohöl ausgetreten. Nach Angaben der Behörden konnte bis jetzt erst knapp ein Viertel der Verschmutzung behoben werden. Die Säuberungsarbeiten würden mehrere Wochen dauern, hiess es. Die Umweltschutzbehörde Alaskas spricht vom bisher grössten Öl-Austritt im Gebiet des North Slope, der riesigen Küstenebene nördlich der Brooks Range, einer öl- und erdgasreichen Region im hohen Norden. Arbeiter hatten das Loch in der Pipeline Anfang März entdeckt. Wie stark sich diese jüngste Ölverschmutzung auf die fast 30'000 Tiere umfassende Central-Arctic-Karibuherde auswirken wird, kann erst vermutet werden. Die sommerliche Wanderroute dieser Herde wird durch das ölverschmutzte Gebiet führen. (Quelle: Presseberichte, Alaska Wilderness League) 4 Polar NEWS

Noch nie so wenig Meereis In den letzten hundert Jahren gab es noch nie so wenig Meereis wie im vergangenen arktischen Sommer 2005. Satelliten der Nasa stellten ein sommerliches Minimum von bloss noch 5,3 Millionen Quadratkilometern gefrorenen Meeres fest – in den Schulbüchern findet sich noch die Zahl von 7 bis 9 Millionen Quadratkilometern. Kommt hinzu, dass der Arktische Ozean heute später gefriert, das Eis dünner ist und etwa 17 Tage vor dem langjährigen Durchschnittswert aufzubrechen beginnt. Forscher des amerikanischen National Snow and Ice Data Centre prognostizieren ein eisfreies Nordpolarmeer noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts – falls die starke Erwärmung der Polkappe so rasant weiterschreitet. (Quelle: Nasa, WWF Arctic Bulletin) Mehr Treibhausgase denn je Dem Eis der Antarktis als globalem Klima- Archiv hat ein europäisches Forscherteam ein weiteres Geheimnis entlockt: Die Konzentrationen an Treibhausgasen in der Erdatmosphäre waren in den letzten 650'000 Jahren noch nie so hoch wie heute. Dies geht aus der Analyse von Luftblasen in einer rund 3300 Meter tiefen Bohrung bei der Sommerstation Dome C im Eis der Ostantarktis hervor. Zudem zeigte sich, dass Zwischeneiszeiten mit weniger Treibhausgas immer mit kühleren Bedingungen zusammen hingen. «Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige Konzentration von atmosphärischem Kohlendioxid bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete Stand während der letzten 650'000 Jahre», kommentiert Thomas Stocker, Professor am Physikalischen Institut der Universität Bern, die jüngsten Ergebnisse. (Quelle: AWI und NZZ Nr. 280) Der singende Eisberg Die Forscher staunten nicht schlecht, als sie mit ihren Seismographen in der deutschen Antarktis-Station Neumayer Schwingungen aufzeichneten, die harmonische Klänge mit bis zu 30 Obertönen bildeten. Zuerst dachte man an vulkanische Aktivitäten, die diese niederfrequenten Schwingungen, sogenannte Tremore, verursachen. Doch als die Quelle zu wandern begann, konsultierten die deutschen Forscher Satellitenaufnahmen – und fanden einen gigantischen Eisberg mit einer Fläche von 30 auf 50 Kilometern, der die Töne von sich gab. Nun vermuten die Entdecker, dass strömendes Wasser innerhalb des Spalten- und Tunnelsystems des Eisbergs Schwingungen anregt, welche denen einer Orgelpfeife ähneln. Leider ist das Konzert der Eisberge für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar... (Quelle: AWI) Neue Forschungsstation Im April 2006, kurz vor Einsetzen des antarktischen Winters, ist die Konstruktion einer neuen tschechischen Forschungsstation in der Ross Sea abgeschlossen worden. Die Station auf der Ross-Insel wird von verschiedenen Universitäten in Tschechien betrieben und soll ab Dezember dieses Jahres vollständig in Betrieb sein. Tschechische Wissenschafter wollen auf der kargen Ross-Insel Studien zur Geologie, Klimatologie und Botanik durchführen. (Quelle: CTK und Prague Monitor) 1000 Mal mehr Blumen Nach neuesten Erkenntnissen könnte es in der gesamten Arktis nicht bloss rund 2000 Arten von Blütenpflanzen geben, wie bisher angenommen, sondern – 2 Millionen! Diese überraschende Entdeckung gelang Hanne Hegre Grundt vom norwegischen Zentrum für Biosystematik in Oslo. Die junge Forscherin erklärt diese um den Faktor 1000 höhere Artenzahl mit dem Vorkommen von kryptischen Arten. Dies sind Formen, die zwar genetisch verschieden sind, äusserlich aber kaum voneinander zu trennen sind und selbst von Experten auf Anhieb nicht als zwei unterschiedliche Arten erkannt werden können. Angesichts dieser neuen Tatsache müssen Botaniker nun ihre Theorien revidieren, wie und wie schnell die Evolution selbst in der Arktis fortschreiten kann. (Quelle: Aftenposten) Polar NEWS 5

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