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PolarNEWS Magazin - 4

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Eine Reise zu den

Eine Reise zu den Pinguinen Elisabeth Poenitz-Pohl mag Vögel und das ewige Eis. Ihre erste Expedition in die Antarktis war für die Anästhesistin aus Sankt Augustin in der Nähe von Bonn ein traumhaft schönes Erlebnis. Was sie so faszinierte, erzählt sie in ihrem Reisebericht. Von Elisabeth Poenitz-Pohl (Text) und Heiner Kubny (Bilder) Bücher wie «Die Schrecken des Eises und der Finsternis» von Christoph Ransmeyer oder «In Nacht und Eis» von Friedjof Nansen hatte ich schon vor vielen Jahren mit grosser Spannung gelesen. Kamen doch in diesen Tatsachenberichten nicht nur die Dramatik einer solchen entbehrungsreichen Expedition zum Ausdruck, sondern auch die Begeisterung für die Schönheit dieser kargen, lebensfeindlich wirkenden Landschaften. Dann lief im Jahr 1998 in der «Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland» in Bonn vier Monate lang die anregende Ausstellung «Arktis- Antarktis». Diese besuchte ich mehrere Male und erfuhr dabei eine Menge über Forschung, Entdeckungsgeschichte, Eis, Klima und Tierwelt der polaren Gebiete. Ich war bestärkt in meinem Wunsch, die eisigen Regionen einmal selbst kennenzulernen. Und so unternahm ich zusammen mit meinem Mann Claus vor vier Jahren meine erste Reise in die Arktis: Rund um Spitzbergen. Im folgenden Jahr führte uns das Polarvirus mit dem Schiff an die Ostküste Grönlands. Auf dieser Fahrt machten wir die Bekanntschaft mit dem Fotografenehepaar Rosamaria und Heiner Kubny. Ihre begeisternden Schilderungen und ihre Fotos von der Antarktis machten uns so neugierig, dass wir uns auf November 2004 für eine Schiffsreise in die Antarktis anmeldeten. Diese Reise dauerte 19 Tage und fiel in die Zeit des antarktischen Frühsommers, in der Pflanzen- und Tierwelt zu neuem Leben erwachen. Gemeinsam mit einer Schweizer Reisegruppe und den Kubnys als Reisebegleiter flogen wir nach Buenos Aires. Dort lernten wir durch die äusserst kompetente und charmante argentinische Reiseleiterin Laura Schultz zwei Tage lang Stadt und Umgebung kennen. Wir flogen noch einmal mehrere Stunden bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, wo wir schon vom Flugzeug aus «unser» Schiff vor Anker liegen sahen, die «Polar Pioneer»: ein sehr robustes, eisverstärktes, in Finnland gebautes und für derartige extreme Einsätze ausgerüstetes Schiff mit russischer Besatzung. Es zeichnete sich weniger durch Luxus, wohl aber durch Zweckmässigkeit und Gemütlichkeit aus. Willkommen an Bord An Bord wurden die 54 Passagiere von Greg Mortimer und Margaret Werner, den austra- 14 Polar NEWS

Spektakel: In der Untiefe westlich des Lemaire- Kanals auf der Antarktischen Halbinsel stauen sich die treibenden Eisberge. (links) lischen Expeditionsleitern, willkommen geheissen, in das Schiff und die Rettungsvorrichtungen eingewiesen, und dann stach die «Polar Pioneer» in See. Endlich unterwegs in den rauen Südpolar-Gewässern, beeindruckte das Schiff vor allem durch seine hohe Manövrierfähigkeit und den relativ geringen Tiefgang, was schnelle und häufige Anlandungen in für grössere Schiffe kaum befahrbaren Regionen ermöglicht. Mit einer klassischen Kreuzfahrt ist dieses Unternehmen allerdings nicht zu vergleichen. Denn auch wenn die «Polar Pioneer» komfortabel ist: Es fehlt der Luxus der grösseren Kreuzfahrtschiffe. Pool, Fitnessraum, Restaurants und Shops würde man vergeblich suchen. Allerdings vermisst sie auch niemand, denn das Publikum an Bord eines solchen Schiffes sucht etwas anderes: eindrückliche und nachhaltige Naturerlebnisse an Bord, auf See und bei den zahlreichen Exkursionen, immer unter fachkundiger Begleitung. Die Route führte uns ostwärts zunächst zu den Falklandinseln und nach Südgeorgien, beide gehören zu den subantarktischen Inseln. Dann steuerten wir weiter nach Süden zu den antarktischen Südorkneyund Südshetlandinseln und schliesslich zur Antarktischen Halbinsel. Zurück ging es über die Drake-Passage nach Ushuaia. Zwischen den jeweiligen Inselgruppen waren wir meistens ein bis zwei Tage auf See, für einige von uns eine sehr lange Zeit. Für andere, die weniger unter Seekrankheit litten, war es herrlich: Immer wieder an Deck oder von der Brücke aus das Meer mit den darüber gleitenden Sturmvögeln und Albatrossen beobachten und nach Walen Ausschau halten. Eine willkommene Abwechslung auf See waren die Vorträge des Meeresbiologen Professor David Senn, der es auf faszinierende Art verstand, uns selbst komplizierte Vorgänge aus der antarktischen Tier- und Pflanzenwelt und der Geschichte verständlich nahezubringen. Zum Aufwärmen von den Beobachtungen auf Deck bot sich ein Besuch auf der Brücke an, wo man bei der russischen Besatzung immer herzlich willkommen war. Oder man stärkte sich mit heissem Tee in der Bar und stöberte in der Tausende von Königspinguinen trifft man in dieser Bucht in Südgeorgien. Die Luft ist erfüllt vom Geschnatter der Frackvögel, die sich für die Brutzeit einrichten. Bibliothek, die reichlich mit Polarliteratur ausgestattet war. Direkter Kontakt Die Falklandinseln kamen in Sicht! Ziel war zunächst Sea Lion Island, eine ganz kleine Insel im Süden, wo wir das erste Mal mit der Tierwelt in Berührung bekommen sollten. Es bot sich uns ein überwältigender Anblick, als wir bei strahlendem Sonnenschein aus den Zodiaks stiegen und den Strand betraten. Wo das Auge hinreichte eine Fülle von Tieren. Links und rechts am Strand lagen die Seeelefanten mit ihren Jungtieren. Ein ganzer Trupp plustriger Dampfschiffenten watschelte gemächlich den Strand hoch. Brütende Eselspinguine waren flankiert von auf Beute lauernden Raubmöwen. Magellanpinguine äugten aus ihren Höhlen. Tanggänse, Sandregenpfeifer und Austernfischer waren buchstäblich zum Greifen nah. Am meisten verblüffte mich ob dieser vielfältigen Fauna die Gemächlichkeit, mit der sich die Tiere bewegten. Kein ängstliches Flüchten, eher ein ruhiges, abwartendes Daherschreiten und oft auch die grosse Neugierde der Tiere. Die Pinguine zum Beispiel überschritten von sich aus den von unserem Expeditionsleiter geforderten Mindestabstand und zupften interessiert an unseren Hosenbeinen. Die Anlandungen mit den Schlauchbooten waren auch in den nächsten Tagen immer ein grosses Erlebnis und voller Überraschungen – ob es nun der Aufenthalt in der Hauptstadt der Falklandinseln, Port Stanley, war oder das Betrachten der rostigen Hinterlassenschaften der südgeorgischen Walfangstationen in Stromness und Grytviken, von denen längst die Seeelefanten und Pelzrobben wieder Besitz ergriffen hatten. Selbst auf den Gräbern des kleinen Walfängerfriedhofes hatten es sich die Tiere zum Sonnen gemütlich gemacht, als wollten sie demonstrieren, wer die eigentlichen Herrscher der Region sind. Ein Besuch am Grab von Sir Ernest Shackleton in Grytviken liess die Geschichte der legendären Antarktisexpedition der «Endurance» noch einmal aufleben. Weitere Höhepunkte auf Südgeorgien waren die riesigen Kolonien der Königspinguine, Polar NEWS 15

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