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PolarNEWS Magazin - 4

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Antarktische Riesenassel

Antarktische Riesenassel (Glyptonotus antarcticus): das Schalentier wird etwa 7 Zentimeter gross. Odontaster validus: Er ist der häufigste Seestern der Antarktis, hat aber noch keinen deutschen Namen. Dafür wurde er schon in einer Tiefe von 914 Metern gesichtet. Kaminschwamm (Rossella fibulata): Lebt in Tiefen bis 460 Meter lang und filtriert Kleinstplankton. Nacktkiemenschnecke (Doris kerguelenensis): Lebt in bis zu 5 Grad warmem Wasser. Napfschnecke: Die Art ist noch nicht klar bestimmt. Napfschnecken sind sowohl in der Antarktis als auch im Atlantik und sogar im Mittelmeer anzutreffen. 10 Polar NEWS

Seestern: Noch nicht zugeordnet. Hat Banfi hier eine neue Art entdeckt? Von Christian Hug (Text) und Franco Banfi (Bilder) Eigentlich war es nur ein ganz normaler Auftrag, der den Fotografen Franco Banfi auf die Antarktische Halbinsel führte: Er sollte für ein deutsches Reiseunternehmen Unterwasserfotos für den neuen Werbekatalog schiessen. Das war 2001. «Damals wusste ich noch nicht mal den Unterschied zwischen Arktis und Antarktis», sagt Banfi, «aber als ich erst mal dort war, wurde ich sofort krank: Die Leidenschaft für polare Gewässer hat mich gepackt. Wenn ich wählen kann zwischen tropischen Gewässern und dem Polarmeer: Ich entscheide mich ohne Zögern für letzteres.» Das sagt einer, der schon weit herum gekommen ist in der Welt: Franco Banfi fotografierte in Papua Neuguinea und auf Kuba, im Roten und im Mittelmeer, in Indonesien und in kanadischen Gewässern. Vor seiner Abreise zur Antarktischen Halbinsel schaute sich Banfi Filme des Eistauchers Norbert Wu an. «Seine Aufnahmen zeigten ruhiges Wasser, das gänzlich mit Eis bedeckt war und eine Sicht von etwa fünfzig Metern bot», erzählt der stämmige Tessiner. Doch als er selber zum ersten Mal ins eiskalte Nass sprang, war alles anders. «Das Wasser war ziemlich unruhig, weil die Eisdecke nicht geschlossen war. Es sah aus, als wabere ein grüner Nebel darin, und die Sichtweite betrug entsprechend höchstens zehn Meter. Von Meerestieren und Unterwasserpflanzen kaum eine Spur.» Im dunklen Kelp Die Ursache der trüben Sicht fand der erfahrene Taucher schnell heraus: Auf der Höhe des Polarkreises, wo er tauchte, schmelzte das Eis. Freischwimmende Eisberge rieben am Boden und an Unterwasserfelsen, wühlten den Grund auf und zermalmten jegliche Fauna. «Doch in zehn Metern Tiefe klarte das Wasser auf, die Sicht wurde viel besser.» Banfi sah zwar einige Seeanemonen und Schwämme, aber viel mehr war da nicht. Zumindest nicht beim ersten Tauchgang, denn erst einige Zeit später entdeckte er, wo er suchen musste: Im Kelp. So bezeichnet man den Seetang, der in regelrechten Wäldern unter Wasser in grossen Blättern wächst und bis zu 60 Meter lang werden kann. Kelp bietet den Tieren Nahrung und Schutz vor Feinden. Banfi fotografierte Muscheln, Eisfische, Manteltiere, Seesterne, Spinnen, Schnecken und natürlich Krill – bis zu einer Tiefe von 40 Metern. Bald kannte er sich aus unter Wasser: Vor allen in schrägen Felsen und grottenartigen Einbuchtungen fand Banfi die Sujets, die er suchte – denn dort reiben die treibenden Eisberge nicht an die Felsen. «Ich musste mit meiner Kamera mitten in den Kelp schwimmen, das war ziemlich unheimlich: Der Wald schloss sich über mir, und es wurde schlagartig stockdunkel.» Aber als erfahrenen Taucher brachte ihn das nicht wirklich aus der Ruhe. War’s kalt? «Eigentlich nicht», antwortet Banfi. «Ich tauche ja oft auch in unseren Seen in der Schweiz, und hier sind im Winter die Temperaturen ebenfalls um den Gefrierpunkt herum.» Warm eingepackt hatte er sich trotzdem: Unter dem Trockenanzug tragen Eistaucher spezielle Thermo-Unterwäsche. Eine Druckluftflasche, die mit ins Wasser kommt, bläst Luft in den Taucheranzug, was wie eine zusätzliche Wärme- Isolation wirkt. Dicke Handschuhe schützen die Finger vor Kälte. Kurze Tauchgänge «Trotzdem werden Hände und Füsse ziemlich schnell ziemlich kalt», sagt Banfi. Ein Tauchgang dauerte deshalb nur etwa 30 Minuten statt der üblichen Dreiviertelstunde. Insgesamt ist diese Ausrüstung etwa 12 Kilo schwer, im Gegensatz zu einem 4-Kilo- Equipment der Tropentaucher. Bloss die Atemluft in den Pressluftflaschen bleibt dieselbe: Ein Gemisch aus 20 Prozent Sauerstoff und 80 Prozent Stickstoff, was unserer Atemluft entspricht. Sogar die Fotokamera mit den Weitwinkelobjektiven, dem Blitz und den 200-Asa-Filmen bleibt dieselbe wie in den Tropen. Seit Franco digital fotografiert, bevorzugt er Canon-Kameras. Zweimal reiste der aufgeweckte Tessiner in die Antarktis, eine dritte Reise führte ihn in die Arktis, um Fotos vom Grönlandhai zu schiessen. Es wird nicht seine letzte bleiben. Franco Banfi Geboren am 18. September 1958 in Lugano. Taucht seit seinem 20. Lebensjahr. Zuerst in heimischen Gewässern, hier erwarb er auch seine Tauchbrevets. Heute ist Franco Banfi in allen Weltmeeren anzutreffen. Seine Fotos erscheinen regelmässig in Zeitschriften wie «National Geographics», «BBC» «Wildlife», «Animan», «Terra», «Mare» und «Focus». 1992 errang er in Kuba den Weltmeistertitel in der Unterwasserfotografie. www.banfi.ch Polar NEWS 11

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