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PolarNEWS Magazin - 3

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Zurzeit leben 13 Esels-

Zurzeit leben 13 Esels- und elf Königspinguine in der 6 auf 10 Meter grossen Anlage des Basler Zoos. «Das ist für ein Herdentier wie den Pinguin eine optimale Grösse», sagt Bruno Gardelli. Das Wasserbecken ist 4 Meter tief, es wird zwei- bis dreimal täglich mit Grundwasser umgewälzt. Von Christian Hug (Text) und Heiner Kubny (Bilder) Immer morgens zwischen halb elf und elf geht Bruno Gardelli zu den Pinguinen. Wie ein Zoobesucher setzt er sich erst mal auf die Bank vor dem riesigen Schaufenster und betrachtet seine Schützlinge: Der junge Eselspinguin kommt mit seiner Mauser gut voran. Der alte mit der Arthritis scheint heute wenig Schmerzen zu haben. Die beiden verfressenen Könige warten wie immer bereits an der Türe auf frischen Fisch. Das Eselspinguin-Männchen mit dem roten Gummiband am rechten Flügel gesellt sich zu ihnen, er hat gestern wenig gegessen. Und das Königspinguin-Weibchen mit dem violetten Gummiband am linken Flügel scheint heute etwas missgelaunt: Es steht etwas abseits von der Gruppe. Seit über 20 Jahren ist Bruno Gardelli schon verantwortlicher Tierpfleger für die Eselsund Königspinguine im Basler Zoo. Und immer noch wird ihm jeden Tag warm ums Herz, wenn er «seine» Watschelvögel beobachtet. Zurzeit sind es 13 Esels- und elf Königspinguine. «Ich mag diese Pinguine», sagt Gardelli, und ein freudiges Strahlen macht sich auf seinem Gesicht breit. «Ich mag es, mich hineinzuversetzen in ihre Welt und alles zu tun, damit sie sich möglichst wohl fühlen.» Dreierlei frische Fische Er steigt in seine grünen Gummistiefel, zieht seine wasserfeste Überhose an und öffnet die Tür zur Anlage. Zuerst spritzt Gardelli die Anlage mit einem dicken Wasserschlauch ab und duscht dabei auch gleich die Pinguine. Die Scheibe putzen, die Kühlanlage kontrollieren. Alles korrekt, acht Grad Temperatur, der Luftfilter funktioniert, das Wasserbecken ist sauber. In der klitzekleinen Anrichte macht er nun das Futter für die Tiere parat: fette Makrelen, Heringe quasi als Beilage und Sprotten zum Dessert. Für jeden Pinguin präpariert er einen Fisch mit einer Vitamintablette. «Die füttere ich den Vögeln zu, damit sie sicher genügend Mineralstoffe und Vitamine kriegen», erklärt Gardelli. Die drei Hungrigsten strecken ihre Köpfe schon ungeduldig in den Anrichte-Raum. Die Eselspinguine versammeln sich nun ebenfalls. Und die Königspinguine kommen wie eine Schulklasse in Zweierreihe angewatschelt. Gardelli streift sich Gummihandschuhe über. «Die Schnäbel der Pinguine sind ganz schön kantig, da kommt es schon mal vor, dass ich einen Schnitt oder einen Hick in die Hand kriege», sagt der Pfleger. Sorgfältig achtet Bruno Gardelli darauf, dass zuerst jeder seinen Vitaminfisch kriegt. Dann verteilt er die Fische aufgrund seiner Beobachtungen: Der Mauserer bekommt etwas mehr als sonst, die beiden Ewighungrigen nicht soviel, wie sie gerne hätten. Das Weibchen mit der mürrischen Laune will heute nur zwei Fische. Die Sprotten wirft er ins Wasserbecken. So können die Tiere wie in der freien Natur «auf Jagd gehen». «Das Beobachten», erzählt Gardelli, «ist das Wichtigste an meinem Beruf. Denn so lerne ich die Tiere kennen und kann sie optimal begleiten. Ich sehe, ob sie gesund sind, und merke, wann zwei von ihnen im Begriff sind, ein neues Paar zu werden.» Tierpfleger aus Passion Nach der Schule lernte Bruno Gardelli Maurer, interessierte sich aber immer schon für Tiere, insbesondere für Vögel. Als der Basler Zoo einen Tierpfleger suchte, meldete er sich und wurde angestellt. Das war vor über 30 Jahren. Am Anfang erledigte Gardelli oft Maurerarbeiten im Zoo und lebte sich nach und nach in das Handwerk des Tierpflegers ein. Im Zoo lernte er auch seine heutige Frau Ursula kennen. Sie machte damals ein Praktikum als Veterinärmedizinerin und arbeitet heute als Tierärztin in einer Praxis. Die beiden haben eine Tochter, sie heisst Chantal und ist elf Jahre alt. Die Familie wohnt in Bottmingen. 55 Polar NEWS

Vor 20 Jahren konnte Bruno Gardelli die Pflege der Pinguine übernehmen und ist seither im sogenannten Weiherdienst verantwortlich für die Pelikane, Flamingos, Störche, Ibisse und Eulen. Rund zwei Stunden verbringt er täglich mit seinen «Eseln» und «Königen», wie sie der 53-Jährige nennt. «Ich kann meinen Tagesablauf selber einteilen und entscheide selbständig, wann ich wo was erledige. Das gefällt mir sehr.» Im November, wenn die Temperaturen tief und das Wetter sonnig ist, geht Bruno Gardelli mit seinen Pinguinen spazieren. Seine Schützlinge freuen sich dann ebenso wie die Zoobesucher. «Die alten Tiere kennen den Weg, doch die Jungen brechen manchmal aus und erkunden andere Gehege. Die muss ich dann mit sanften Kommandos wieder zur Herde führen.» Doch mit dem Spaziergang allein ists noch nicht getan. «Manchmal müssen die Jungtiere drinbleiben, und die älteren lasse ich zwei, drei Tage im Aussengehege bei den Kormoranen übernachten. Denn ich will, dass sie hier bei uns genau so leben können wie in der freien Wildbahn.» Tatsächlich bleiben die jungen Königspinguine in ihrem natürlichen Lebensraum manchmal tagelang auf sich alleine gestellt, wenn die Elterntiere im Meer auf Futtersuche sind. Aufklärung vor Ort Wo viel Freude ist, da ist auch Leid. Manchmal wird ein Pinguin krank oder stirbt. «Es macht mich immer wieder traurig, wenn ein Pinguin stirbt. Ich frage mich dann, ob ich ihn vielleicht besser hätte pflegen können oder eine Krankheit verhindern. Aber der Tod gehört halt zum Leben.» Jedes Tier im Zoo, das stirbt, wird medizinisch untersucht. Sorgfältig präpariert Bruno Gardelli für jeden Pinguin einen Hering mit einer Vitamin- und Mineralsalz-Tablette. Er steckt sie den Fischen unter die Kiemen. Falsche Pflege war noch nie eine Todesursache. So, wie Bruno Gardelli seine Tiere kennt, weiss er auch viel über die Zoobesucher. Immer wieder erzählt er Schulklassen vom Leben der Pinguine, lässt das Gipsei kreisen, das er in seiner Anrichte aufbewahrt, und beantwortet Fragen der Besucher. «Manchmal, wenn ich sehe, wie Besucher eine Frage diskutieren, schalte ich mich ein und erkläre ihnen gewisse Zusammenhänge.» Und was tut er, wenn er merkt, dass Besucher dumme Bemerkungen machen? «Dann laufe ich davon.» Abends zwischen vier und fünf Uhr geht Gardelli noch einmal zu den Pinguinen. Er reinigt die Anlage ein zweites Mal. Beobachtet, ob alles in Ordnung ist. Füttert den Vögeln noch ein paar Fische. Alles ist gut. Zwei Eselspinguine turteln eifrig. Die schlechte Laune des Königsweibchens ist verflogen. Die beiden Teenager-Könige drängeln übermütig in der Gruppe herum. Gardelli: «Ich mag diese Pinguine. Für mich sind sie ein bisschen wie Menschen. Oder besser: Ich bin für sie ein grosser Pinguin.» Auf zum Lunch. Insgesamt verfüttert Gardelli den Pinguinen je nach Jahreszeit einen 5- bis einen 10-Liter-Kessel voller Fische. Polar NEWS 54

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