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PolarNEWS Magazin - 3

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Forschung News aus der

Forschung News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Sleepless im Meerwasser: Schwertwal-Mütter und ihre Jungen sind einen ganzen Monat ohne Schlaf. Schlaflose Wal-Nächte Nach der Geburt schlafen Walmütter und ihre Jungen über Wochen hinweg so gut wie gar nicht. Dies fanden amerikanische und russische Forscher in einer Untersuchung an gefangenen Schwertwalen (Orcinus orca) und Grossen Tümmlern (Tursiops truncatus) heraus. Das Verhalten sei erstaunlich, da Schlaf für Wachstum und eine gesunde Entwicklung bisher als unerlässlich galt, schreiben die Wissenschaftler. Vielleicht haben die Wale einen anderen Weg zur Erholung, oder schlafen sei unwichtiger als gedacht. Erwachsene Schwertwale ruhen fünf bis acht Stunden pro Tag, in denen sie im Wasser treiben. Sowohl Mütter als auch deren Nachwuchs bleiben im ersten Monat nach der Geburt aber nahezu 24 Stunden pro Tag aktiv. Die Jungtiere waren sogar noch ruheloser: Alle 3 bis 30 Sekunden tauchen sie zum Luftholen auf. Dabei bleiben sie stets im Blickfeld ihrer Mütter, die ständig an ihrer Seite schwimmen. Ans Einschlafen ist dabei für beide Seiten nicht zu denken. Die Grossen Tümmler verhielten sich ähnlich, die völlige Schlafpause dauerte einen Monat. Später wurden die Schlafperioden wieder länger und näherten sich derjenigen von erwachsenen Tiere ohne Nachwuchs an. (Quelle: Nature) Öl aus der Wildnis? Die US-Regierung von Präsident Bush ist nahe daran, Erdölbohrungen in einem der ursprünglichsten Tierschutzgebiete der Arktis zuzulassen. Das schwer zugängliche Arctic National Wildlife Refuge ANWR, an der Eismeerküste Alaskas und der dortigen Grenze zu Kanada gelegen, ist das grösste Tierschutzgebiet der USA und steht seit rund 50 Jahren unter Naturschutz. Seit gut 25 Jahren kämpfen Umweltgruppen gegen die immer wieder auftauchenden Pläne der Erdölgiganten, dort nach Öl zu bohren. Doch jetzt scheint die politische Lage dramatischer denn je. Bush könnte gewinnen, die Natur würde verlieren. Offizielle staatliche Stellen sprechen von einer Reduktion der US-Ölimporte von gerade mal 1 Prozent, würde im ANWR dereinst Öl gefördert. Und selbst die grösstmöglichen Fördermengen aus dem ANWR würden bloss 3 Prozent des US- Bedarfs für nur kurze Zeit decken. Das ANWR ist der Lebensraum von 250 Tierarten. Ölbohrungen und die damit verbundenen Störungen und Verschmutzungsrisiken würden sich auch stark auf die Porcupine-Karibu-Herde auswirken. Diese 120'000 bis 180'000 Karibus zählende Herde wandert jährlich fast 5000 Kilometer – und würde durch die Ölfirmen behindert. Leser und Leserinnen dieser Ausgabe von Polar NEWS können sich für den Schutzstatus des ANWR einsetzen und via Internet eine elektronische Petition unterzeichnen. Viel direkter kann man sich von der Schweiz aus kaum für die Arktis einsetzen. Machen Sie mit! Die Petition finden Sie auf der Homepage des WWF Kanada http://wwf.ca, oder direkter unter http://wwf.ca/HowYouCanHelp/DoNotDrill/ donotdrill.asp (Quelle: WWF) 4 Polar NEWS

Gemeiner Seehund: Im Norden sind die Dicksten Der Gemeine Seehund (Phoca vitulina) ist die Robbe schlechthin, weit verbreitet und vielen bekannt, zum Beispiel von den Sandbänken im deutschen Wattenmeer. Weniger als 1000 Seehunde leben allerdings vor der Westküste Spitzbergens, wo sie hauptsächlich die Insel Prins Karls Forland bewohnen. Mit einer geografischen Breite von 78°20’ Nord ist dies der nördlichste Lebensraum dieser Robbenart weltweit. Zoologen des norwegischen Polarinstitutes wollten herausfinden, ob sich die Seehunde in der Hocharktis von ihren Artgenossen weiter südlich (Dänemark und Südnorwegen) irgendwie unterscheiden. Jetzt liegen die Resultate vor: Die Seehunde im hohen Norden sind 3 bis 7 Zentimeter kleiner als ihre südlichen Verwandten, aber bis zu 30 Kilo schwerer. Sie tragen eine dickere Fettschicht mit sich herum als die Tiere der dänischen oder norwegischen Vergleichs-Population. Dies könnte mit den kälteren Wassertemperaturen vor Spitzbergen zusammenhängen, aber vielleicht auch auf die schwierige Nahrungssituation im Polarwinter hinweisen, wenn viele arktische Tiere zum Überleben auf einen Vorrat an Körperfett zurückgreifen. Grösser, dicker, schwerer: Seehunde im hohen Norden wappnen sich gegen die Kälte. Im Norden sind die Männchen rund 13 Zentimeter größer als deren Weibchen – was bei anderen Seehund-Populationen noch niebeschrieben worden ist. Man stellte eine viel kürzere Lebenserwartung fest, was mit den harten Umweltbedingungen in der Arktis erklärt wird. Der Seehund steht in Spitzbergen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. (Quelle: «Polar Biology» 28/2005) Bilder: Gérard Lacz/Sutter Werner Scheuber/Sutter Peter Balwin Gras im Eis In Bohrkernen aus dem Inlandeis von Grönland haben Gletscherforscher kürzlich Pflanzenreste entdeckt. Sie sprachen von rötlichen Materialklumpen, in denen sich Tannennadeln oder Grasreste befinden. Die Funde werden zurzeit untersucht. Es könnte sich um die ersten Reste organischen Materials handeln, die bei Tiefenbohrungen im Eis zum Vorschein kommen. Und sie könnten mehrere Millionen Jahre alt sein! (Quelle: WWF Arctic Bulletin) Tickende Zeitbombe: Giftabfälle der ersten Polarexpeditionen bedrohen die Umwelt. Antarktis: Giftige Zeugen der Geschichte In der Antarktis ist eine neue Quelle von gefährlichen Umweltgiften entdeckt worden: die historischen Hütten und Überreste der Expeditionen von Robert F. Scott und Ernest Shackleton auf der Ross-Insel. Vor rund hundert Jahren dienten ihnen die Bauten am Hut Point, am Kap Royds und Kap Evans als Unterkünfte und wissenschaftliche Labors. Als technisches Novum kamen damals zu Beginn des 20. Jahrhunderts motorisierte Vehikel wie Traktoren und Kettenfahrzeuge zum Einsatz. Für deren Betrieb benötigte man Treibstoff, Batterien und Ersatzteile. Für Experimente waren Chemikalien nötig, und mit Asbestplatten isolierte man wissenschaftliche Apparate bei Magnetfeld-Beobachtungen. Heute sind dies wertvolle Zeug- nisse des sogenannten Helden-Zeitalters der antarktischen Entdeckungs- und Forschungsgeschichte, und sie werden jährlich von Hunderten von Polartouristen bewundert. Eine Forschergruppe aus Neuseeland und den USA hat kürzlich erkannt, dass dieser geschichtlich bedeutsame Schrott eine Gefahr für die weitgehend unberührte Natur des Weißen Kontinentes darstellt. So fand man in den Böden unter und bei den Petroleum-Depots Umweltgifte wie krebserregende polyaromatische Kohlenwasserstoffe in hohen Konzentrationen. Hunderte von Asbest-Bruchstücken liegen weit verstreut um die Hütten und werden durch die Tritte von Besuchern noch mehr zerkleinert, so dass der Wind sie schließlich ins Meer oder weit ins Landesinnere transportieren kann. Rückstände von hochkonzentriertem Blei und anderen Schwermetallen gehen zum Beispiel auf die für den Anstrich der Hütten verwendete Farbe zurück – oder auf die Unmengen an sich zersetzenden Konservenbüchsen. Grosse Restmengen an Chemikalien in unbeschrifteten Fläschchen und Behältern stehen noch heute auf den Regalen. Eine fast verwitterte Etikette in der Kap-Evans-Hütte ist noch lesbar: «Giftig» (Quelle: «Polar Record» 40/213, 2004) Polar NEWS 5

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