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PolarNEWS Magazin - 3

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Hochzeit auf Samisch

Hochzeit auf Samisch Unterwegs für die Multivisions-Show «Lappland im Wandel der Jahreszeiten» lernte Christian Zimmermann in Norwegen die spontane Gastfreundschaft der Samen kennen: Als Gast an einer Hochzeit. Der Fotograf erzählt selber. Von Christian Zimmermann (Text und Bilder) Ole Matis Eira, der Bruder des Bräutigams, begrüsst mich herzlich vor der Kirche. Ihn habe ich letzte Woche hier in Kautokeino kennengelernt, und so komme ich zu dieser einmaligen Einladung, an einer samischen Hochzeit als Gast beizuwohnen. Sagenhafte Feste sollen das ja sein... Kautokeino ist flächenmässig die grösste Samen-Kommune in Norwegen, doch zu- gleich am spärlichsten besiedelt. Von den 3100 Einwohnern sind über 85 Prozent Samen. Im Winter weiden hier bis zu 90'000 Rentiere auf den endlos scheinenden Weiden um das Dorf herum. Kautokeino ist ein Zentrum für samische Forschung, Ausbildung und Kultur. Wichtige Ämter und Institutionen, wie das Nordische Samische Institut, der Samische Ausbildungsrat, das Samische Theater Beaivvás, die Samische Hochschule und «Bajos», eine Forschungsgesellschaft des Rentierzuchtgewerbes, sind hier ansässig. Die weiterführende Schule des Ortes ist die einzige Schule Norwegens, die Absolventen mit dem Befähigungsnachweis für Duodji genannte samische Handwerkskunst und Rentierzucht ausbildet. Die Glocken der knallroten Holzkirche fangen an zu läuten, und die Gäste im vollbesetzten Gotteshaus recken neugierig die Hälse. Die Braut Karen Ellen und ihr Bräutigam Nils Eira, beide Rentierzüchter, schreiten langsam den Mittelgang hinunter und werden beim Altar vom Pfarrer in Empfang genommen. Beide sind mit ihrer traditionellen Tracht bekleidet, die Braut trägt stolz ihren prachtvollen Silberschmuck. Die Samen wurden im 18. und 19. Jahrhundert zum christlichen Glauben bekehrt, daher ist die feierliche Zeremonie mit der unseren vergleichbar. Nach vierzig Minuten haben sich die zwei das Jawort gegeben, und der Gottesdienst ist vorüber. Alle stürzen sich auf die frisch Vermählten, um ihnen zu gratulieren und um ein Erinnerungsfoto zu schiessen. Nach der obligaten Fotosession dislozieren wir ins Gemeindehaus. In den nächsten zwei Tagen wird hier fast ununterbrochen gefestet, denn über 2000 geladene Gäste wollen dem jungen Paar ihre Aufwartung machen. Prächtige Geschenke Im Speisesaal hat es nur Platz für 300 Personen, deshalb speist man in Schichten. Für das traditionelle Essen, Pot au feu mit Rentierfleisch, mussten sage und schreibe 32 Rentiere ihr Leben lassen! Zum Eintopf werden Butterbrote und Sirup serviert. Zum Nachtisch gibts Moltebeere mit haufenweise Rahm. Es ist wie im Bienenstock, ein Kommen und Gehen. Nonstop defilieren die Neuankömmlinge beim Brautpaar vorbei, gratulieren und übergeben ihre Geschenke. Ole Matis erzählt mir, dass bei ihnen gerne viel und grosszügig geschenkt wird. Seine Familie ist wohlhabend, angesehen und alteingesessen in Kautokeino. So verwundert es nicht, dass Geschenke wie Zuchtrentiere, 26 Polar NEWS

Prachtsfinken: Samische Trachten-Schuhe. Kota (samisches Zelt), Rentierschlitten oder vielleicht sogar ein Snowscooter seinen Besitzer wechselt! Da komme ich mir ja schon fast geizig vor mit meiner Pralinenschachtel, die ich noch vor Ladenschluss im kleinen Supermarkt ergattern konnte. Ab 21 Uhr ist die Bar geöffnet, es gibt Getränke à discrétion. Kurz vor Mitternacht schneiden Karen Ellen und Nils die leckere Hochzeitstorte an. Kulinarisch ist das noch nicht alles: Nach den süssen Herrlichkeiten tischen die fleissigen Helfer das kalte Buffet mit Kartoffelsalat und kaltem, geräuchertem Rentierfleisch auf. Wer gegessen hat, pendelt zwischen draussen und den beiden Sälen. Ungezwungen diskutieren jung und alt, und auch ich habe keine Probleme, mit diesen offenen und herzlichen Leuten in Kontakt zu kommen. Nur am Anfang komme ich mir ein bisschen deplatziert vor, denn ich bin fast der Einzige, der ohne Tracht aufgetaucht ist. Bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert, gelacht und getanzt. Nur kurz findet das Hochzeitspaar Schlaf, denn schon am frühen Vormittag beginnt das Spielchen von neuem. Die Samen Die geläufige Bezeichnung Lappen wird von den Ureinwohnern Nordskandinaviens nicht gerne gehört. Selber nennen sie sich Samen und halten die Bezeichnung Lappen für ein Schimpfwort. Sapmi nennen sie ihre Heimat in ihrer eigenen Sprache. Allerdings gibt es unter der samischen Bevölkerung mehrere Dialekte und sogar eigenständige Sprachen, die miteinander nicht kompatibel sind. Am weitesten verbreitet ist Nordsamisch, das auch in Presse, Rundfunk und Fernsehen gebraucht wird. Samen kennen übrigens rund 200 unterschiedliche Bezeichnungen für Schnee, ebenso differenziert werden die Rentiere bezeichnet. Nach vorsichtigen Schätzungen leben heute rund 70’000 Samen in Nordeuropa. 40’000 bis 45’000 in Norwegen, mit der größten Konzentration in Finnmark, wo rund 25’000 Samen wohnen. In Schweden leben etwa 17’000 Samen, Finnland etwa 5700, und auf der russischen Halbinsel Kola hält sich eine kleine Minderheit von 2000 Samen. In Skandinavien sind die Samen nach wie vor eine exotische Minderheit, doch inzwischen bekennen sie sich stolz zu ihren Wurzeln. 1980 wurde die Rechtslage der Samen grundlegend verbessert, im Oktober 1989 eröffnete König Olav V. das Sameting, das Parlament der Samen. Es befasst sich mit allen für die samische Bevölkerung in Norwegen wichtigen Fragen. 1992 wurde ihre Sprache schliesslich offiziell als Amtssprache anerkannt. Schon im Jahre 98 nach Christus beschrieb der römische Geschichtsschreiber Tacitus ein Volk Namens Fenni. Nur hundert Jahre später tauchten die ersten Missionare auf, um den Schamanismus der Samen mit christlichem Glauben zu verdrängen. Die flächendeckende Christianisierung klappte aber erst im 18. und 19. Jahrhundert. Rentiergeweihe, Felle, aber auch ausgefallenes Kunsthandwerk, das sie in den langen Wintermonaten nach alter Tradition gefertigt haben, bieten einige Samen im Sommer an der Strasse den vorbeifahrenden Touristen an. Die Rentierzüchter halten sich zu dieser Zeit nahe der Küste bei den Sommerweiden auf. Im Herbst werden die Tiere dann wieder ins Landesinnere getrieben, wo um Weihnachten die Temperaturen nicht selten eisige 40 und 50 Grad minus erreichen können. Ihre bunte Tracht mit hohen Mützen tragen die Samen im Sommer vorwiegend für die Touristen. Zum Osterfest aber holen sowohl traditionelle als auch moderne Samen ihre «Kofter», die bunte Tracht, hervor. Besonders farbenfroh sind die Gewänder der Samen aus Kautokeino, wo breite Borten den blauen Stoff zieren. Darüber tragen sie dicke Mäntel aus Rentierfell und an den Füssen die sogenannten Scoller, die Schnabelschuhen ähneln und ebenfalls aus Rentierfell gearbeitet sind. Tourneedaten 2005/06 Online Ticketreservationen: www.global av.ch oder www.bilderreisen.ch Beginn der Vorstellungen jeweils um20.00 Uhr. Abendkasse ab 19.00 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene Fr. 23. , Kinder bis 16 Jahre Fr. 10.- Polar NEWS 27 Weitere Infos und Showvermietung unter: www.global av.ch oder Global AV Produktionen, Dorfstrasse 15, 4534 Flumenthal, Tel. 032 637 08 29

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