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PolarNEWS Magazin - 3

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Seefahrt Von Heiner

Seefahrt Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Herr Wolter, wie kamen Sie zur Seefahrt? Ulf Wolter: Meine Vorfahren haben mich geprägt: Ich bin jetzt die vierte Generation, die in meiner Familie väterlicherseits zur See fährt, alle waren Kapitäne auf Handelsschiffen. Da kann ich doch nicht Lokomotivführer werden! Allerdings bin ich der erste in meiner Sippe, der auf einem Kreuzfahrtschiff zur See fährt. Meine Schwester, unsere Mutter und ich waren immer mit an Bord, wenn mein Vater mit seinem Frachter in Nordeuropa durch die Gegend fuhr. Also wollten Sie auch Kapitän werden? Genau. Normalerweise beginnt der Weg dorthin mit einer Ausbildung zum Matrosen oder Schiffsmechaniker. Ich entschied mich für eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker, zweieinhalb Jahre auf einem Küstenmotorschiff. Da bekommt man einen Gesamtüberblick über den Schiffsbetrieb, die Maschinen, das Deck und alles, was dazugehört. Darauf aufbauend, studierte ich in Hamburg Nautik, also die Seefahrt. Nach dreieinhalb Jahren war ich nautischer Offizier. Mit dem grossen Patent in der Tasche wollte ich jetzt weltweit fahren, deshalb klopfte ich bei «Hamburg Süd» an, einer grossen Containerschiffsreederei mit Sitz in Hamburg. Ich hatte Glück, es war eine Stelle als Dritter Offizier zu besetzten. Schon ging es los, immer entlang der Westküste der USA nach Australien und Neuseeland, zwölf Seetage runter, zwölf Tage hoch. Warum wechselten Sie auf ein Kreuzfahrtschiff? Ehrlich gesagt war das Containerschiff sehr langweilig. Es war ein wenig wie Bus fahren. Man kommt in irgendeinen Hafen, liegt sehr weit draussen im Containerterminal und bekommt überhaupt nichts mit von der Stadt oder vom Land. Ich war schon ein wenig enttäuscht von der Seefahrt. Zu allem Elend wurde ich als Dritter Offizier auch noch durch einen ausländischen Kollegen ersetzt. Er sagt, wo’ Mit seinen 39 Jahren ist der Deutsche Ulf Wolter ein – eine kleine Sensation. Der Kommandant der «H Kamchatka und warum er nie in der Schweiz wohne Der Arbeitstag beginnt schon früh: Um halb sechs klingelt der Wecker. Per Zufall bekam ich eine Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, auf dem kleinen Expeditions-Kreuzfahrtschiff «Bremen» zu fahren. Das war im Sommer 1996. Für mich war das natürlich Neuland. Deshalb ging ich erstmal in ein Reisebüro und schaute in den Katalogen nach, wo die «Bremen» überall hinfährt. Toll, dachte ich, wie man da rumkommt in der Welt! Nach einigen Tagen Bedenkzeit sagte ich zu und bin im Sommer 1996 in Stavanger in Norwegen eingestiegen auf meine erste Fahrt nach Spitzbergen und die allererste Spitzbergen-Umrundung der «Bremen». Da habe ich Feuer gefangen. Mittlerweile bin 18 Polar NEWS

s langgeht er der jüngsten Kapitäne auf einem Kreuzfahrtschiff anseatic» über Dinners mit Gästen, den Reiz von n wird. ich für ein Containerschiff oder für die normale Handelsschifffahrt nicht mehr zu gebrauchen. Nach der obligaten Fahrzeit von vierzehn Monaten als Zweiter oder Dritter Offizier konnte ich meine alte Lizenz umtauschen in eine neue Lizenz als Erster Offizier. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man auch gleich eine Anstellung als Kapitän erhält. Das passiert wie an Land als Beförderung. Ich war bei Hapag Lloyd angestellt, als es im September 2000 hiess: Ja, jetzt kannst du als Erster Offizier fahren. Als solcher fuhr ich dann drei Jahre auf unterschiedlichen Schiffen wie der «Bremen», der «Hanseatic» und der neuen «Europa», die 1999 in Dienst gestellt wurde. Dort war ich auch leitender Offizier. Tja, und dann habe ich am 15. Januar 2003 im argentinischen Ushuaia das Kommando auf der «Hanseatic» übernommen. Haben Sie mit Ihrer Beförderung gerechnet? Es war ja immer mein Ziel, irgendwann ein Kommando zu übernehmen, aber diese Beförderung kam schon ein wenig überraschend, denn in der Kreuzschifffahrt werden meistens ältere Kollegen zum Kapitän befördert. Noch vor zehn Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass jemand in meinem Alter auf einem Kreuzfahrtschiff das Kommando führt. Die Zeiten haben sich inzwischen zwar verändert, aber ich denke, ich hatte einfach auch Glück. Fühlten Sie sich noch nicht bereit dazu? Kapitän sein heisst, eine immense Verantwortung zu übernehmen, und das wird einem erst richtig bewusst, wenn man das Kommando hat. Das war mir vorher nicht so bewusst, denn als Erster Offizier hat man ja immer noch den «Alten», den man fragen kann, der wird dann schon entscheiden. Von dem Moment an, in dem man selber Kapitän ist, kann man sich zwar mit seinen Kollegen beraten, aber entscheiden muss man dann am Ende ganz alleine. Mir persönlich macht es Spass, so ein Schiff zu führen und die Verantwortung zu tragen, wobei es immer wieder Situationen gibt, bei denen ich denke, dass ich ganz gut darauf verzichten könnte. Viele Passagiere glauben, der Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff sei nur zu ihrer Unterhaltung da.Wie sieht Ihr Tagesablauf wirklich aus? Wie wurden Sie Kapitän? Wenn man das Nautik-Patent in der Tasche hat, darf man nicht gleich als Erster Offizier oder als Kapitän fahren, sondern hat sozusagen einen Führerschein auf Probe als Zweiter oder Dritter Offizier. Auf der «Bremen» war ich als Zweiter Offizier beziehungsweise als Navigationsoffizier für die Reiseplanung verantwortlich. Als nächstes kam ich auf die «Hanseatic» und mit ihr zum ersten Mal in die Antarktis. Der Kapitän ist für alles verantwortlich: Auch für das Reparieren der Zodiacs. Polar NEWS 19

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