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PolarNEWS Magazin - 3

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Wissenschaft Geier des

Wissenschaft Geier des Südens Mit den richtigen Geiern in Afrika sind die Riesensturmvögel zwar nicht verwandt. Doch sie erfüllen in der Antarktis dieselbe Funktion. Von Prof. Dr. David Senn (Text) und Heiner Kubny (Bilder) Es ist allgemein bekannt, was Geier sind. Meist handelt es sich um aasfressende Tagraubvögel. Wir kennen sie beispielsweise aus der ostafrikanischen Savanne, wo sie sich, manchmal in grösserer Zahl, um eine nicht mehr ganz frische Beute versammeln. Weil sie die zarten und oft vitaminreichen Eingeweide gegenüber dem Muskelfleisch bevorzugen, müssen Sie ihre Köpfe durch Wunden weit in den Eingeweideraum der Beute strecken. Erwartungsgemäss sehen die Köpfe der gefiederten Aasfresser danach blutig aus. Um zu vermeiden, dass ein üppiges Kopfgefieder blutig durchtränkt ist, haben manche Geier die charakteristischen Köpfe, die beinahe nackt wirken. Nun gibt es im antarktischen Bereich, insbesondere um die subantarktischen Inseln, eine Vogel-Art, die verwandtschaftlich überhaupt nichts mit den echten Geiern zu tun hat; die Art gehört also nicht zu den Raubvögeln. Der Riesensturmvogel (Macronectes giganteus) ist eine echte Röhrennase der Ordnung der Procellariiformes, das heisst, er ist mit den Sturmvögeln, Sturmtauchern und Albatrossen verwandt. Hygiene-Polizist Der Riesensturmvogel ist ein grosses Tier; die Flügelspannweite des mehrere Kilogramm schweren Vogels beträgt mehr als 2 Meter bei einer Körperlänge bis zu 85 Zentimeter. Wie andere Sturmvögel können auch diese Riesen auf dem Meer landen und Fische fangen. Ähnlich wie die Albatrosse sind sie fähig, dynamisch zu segeln. Ebenso wie der Hallsturmvogel wird auch der Riesensturmvogel von Seeleuten Stinker genannt, da sie ihren ölhaltigen und stinkenden Mageninhalt erbrechen, wenn sie sich erschrecken. Sie sind dadurch in der Lage, sich schneller in Luft zu erheben. Die Sturmvögel sind Hochseevögel, die auf allen Ozeanen verbreitet sind. Außerhalb der Brutzeit verbringen sie ihr ganzes Leben auf hoher See und sind in der Lage, sich auch schwersten Wetterbedingungen anzupassen. So legen sie enorme Strecken zurück, um immer wieder zu neuen und ergiebigen Nahrungsgründen zu gelangen. Sie ernähren sich dann von oberflächennah schwimmenden Fischen, Krebsen und Kalmaren. Nun haben diese Riesensturmvögel aber zusätzlich noch eine ganz neue und vor allem andere Ernährungsstrategie 16 Polar NEWS

entwickelt: Während der Fortpflanzungszeit im Südsommer von November bis Februar halten sich diese seltsamen Vögel mitten in grossen Kolonien von Königspinguinen und See-Elefanten auf. In solchen Riesenkolonien, in denen es von Robben nur so wimmelt und wo oft mehr als 100’000 Pinguine brüten, ereignen sich naturgemäss häufig Todesfälle. Tote Pinguine und See-Elefanten stellen eine enorme Nahrungsresource dar. Statt dass die Tierleichen ungenutzt verrotten, tun sich die Riesensturmvögel daran gütlich. Die Vögel sitzen auf dem Geröll des Strandes und halten nach toten Tierkörpern Ausschau. Immer wieder sieht man Vögel, wie sie aufgeregt ihre Flügel abspreizen und mit blutroten Köpfen und Hälsen dastehen. Sie sind um den leblosen Körper eines jungen See- Elefanten versammelt. Sie streiten, wer als nächster dran ist, den Kopf in die Öffnung im Bauch des Kadavers zu stecken. Die Vögel holen triefende Leber- und Nierenstück heraus und verzehren sie gierig. Die «Geier des Südens» verhalten sich wie echte Geier und erfüllen so in der Antarktis die Funktion des Sauberkeitspolizisten. Drei Riesensturmvögel tun sich an einer toten Robbe gütlich. Während zwei von ihnen ihre Beute noch begutachten, steckt der dritte bereits mit ausgebreiteten Flügeln seinen Kopf in den Bauch der Robbe. Polar NEWS 17

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