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PolarNEWS Magazin - 24 - D

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Wir lieben es frostig!

Wir lieben es frostig! Kompromisslos und engagiert sorgen wir für die umweltgerechte und wirtschaftliche Kältetechnik. logistikbetriebe detailhandel lebensmittelindustrie gastronomie Chemie SSP Kälteplaner 64 AG | CH-4702 Oensingen | CH-6004 Luzern | CH-1800 Vevey Tel +41 62 388 03 50 | www.kaelteplaner.ch SSP Kälteplaner AG | D-87787 Wolfertschwenden PolarNEWS Tel +49 8334 259708 0 | www.kaelteplaner.ch

Begegnung ist so gross, dass man sie förmlich in der kühlen Luft wabern sieht. Einzig dort, wo wir Reisende nur flüstern dürfen, auf der Brücke nämlich, spricht jemand laut: Kapitän Alexander D’yachenko, der bisher noch kein einziges Wort zu irgend einem seiner Gäste gesagt hat, strahlt vor Freude bis über beide Ohren, seine vielen Goldzähne glänzen edel, und in einigermassen klarem Englisch sagt er: «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.» Michael, unser Tourguide, meint: «Das ist der reine Bonus. Obwohl: Eigentlich war ja schon das Wetter auf Wrangel ein Bonus.» Russland rüstet auf Im Zuge des seit Jahren anhaltenden Gerangels der Anrainerstaaten um Macht- und Gebietsansprüche in der Arktis markiert Russland zunehmend militärische Präsenz in seinem Hoheitsgebiet – vordergründig zum Aufbau und Schutz der Infrastruktur entlang der Nordostpassage. Faktisch ist die russische Arktis der fünfte Militärbezirk des Staates, zu dem zwei «arktische Brigaden» gehören. Entlang der Nordostpassage betreibt und modernisiert Russland mindestens 17 Militärflugplätze, einer davon befindet sich auf der Wrangel-Insel. Offiziell spricht die russische Regierung aber nicht von Militarisierung, sondern von «Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Stabilität und Sicherheit der Arktis als wichtige Ressourcenbasis». Auch die anderen Anrainerstaaten der Arktis haben ihre Militär- und Polizeipräsenz in ihren jeweiligen Hoheitsgebieten erhöht. Im vergangenen Oktober erteilte die norwegische Regierung den USA die Erlaubnis, 330 US-Marineinfanteristen dauerhaft in ihrem Staatsgebiet zu stationieren – und versicherte diplomatisch, dass sich Norwegen von Russland nicht bedroht fühle. Magischer Moment Während der Rückfahrt Richtung Festland, ein Tag auf See, stellt sich dieser Moment ein, auf den ich mich eigentlich bei solchen Reisen immer am meisten freue. Dann nämlich, wenn sich die aufgeregte Spannung und die vielen Eindrücke der letzten Tage zu einem Gefühl von Zufriedenheit und Verbundenheit mit der Welt verdichten, das so schön ist wie der Rundum-Blick entlang des landlosen Horizonts, wo der Himmel und das Meer nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Das Schiff pflügt sich unbeirrt mit 11 Knoten durch das Wasser vorbei an einzelnen, malerisch vor sich hin treibenden Eisschollen. Ich stehe auf Deck drei, schaue aufs Meer hinaus und setze zum ersten Mal auf dieser Reise meinen iPod in Betrieb, die guten alten Status Quo singen «Fine Fine Fine», was ideal zur Situation passt: Alles ist gut, die Welt ist in Ordnung, das Leben ist schön. Nachts um zwölf ist wieder Festland in Sicht, drüben auf der amerikanischen Seite steht der Mond am Himmel, auf unserer Seite ist es taghell. Christian, ein Reisender aus Deutschland, der in den Siebzigern drei Jahre bei den Inuit auf Grönland gelebt hat und selber Abenteuerreisen veranstaltet, schaut aufs Wasser hinaus und sagt: «Seit Jahren versuche ich, Reisen im Landesinnern von Tschukotka zu organisieren. Das ist schlicht und einfach nicht möglich. Das, was wir hier erleben, ist das allerhöchste der Gefühle.» Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus vom Bonus vom Bonus: die Vogel- felsen auf der Kolyuchin-Insel und gleich daneben eine ganze Kiste voll vergessener Geheimagenten-Mikrofilme, ein fünfstündiger Spaziergang durch das topfebenflache Sumpfwatt des Kolyuchinskaya Inlet, eine ganze Schule der überaus seltenen Grönlandwale direkt vor dem Schiff und sogar ein kleiner Umweg zur Datumsgrenze bei der grossen Diomedes-Insel Ratmanova mit Blick auf das sich schwach im Nebel abzeichnende Alaska. Wir gehen aber nicht von Bord: Das hier ist schliesslich der alleräusserste Grenzposten von Putins Reich. Unsere Zeit am Rand von Russland geht in Anadyr nach 2042 Seemeilen zu Ende – und wir fliegen zehn Zeitzonen zurück in unseren geschäftigen Alltag zu Hause. Wo uns sofort das Fernweh packt. Heftige Kontraste: Bunte arktische Blumenpracht auf der Wrangel-Insel und wild treibendes Eis drum herum. Oben links: Fundstück am kontinentalen Kolyuchin Inlet: Ein zwei Meter langer Walschädel. PolarNEWS 65

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