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PolarNEWS Magazin - 24 - D

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Politik Rückzug! Die

Politik Rückzug! Die Suche nach Erdöl in der Arktis ist ins Stocken geraten. Ist das die gute Nachricht? Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Dinge. Text: Christian Hug Wenn die Berechnung der US-amerikanischen Bundesforschungsanstalt für Geologie stimmt, dann lagern rund ein Viertel aller weltweit noch nicht erschlossenen Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Arktis. Das macht die Region um den Nordpol zum Eldorado von grossen Erdölfirmen: Sie wollen ans Eingemachte aus dem Meeresboden. Und deshalb erheben die Arktis- Anrainerstaaten Russland, Norwegen, Dänemark (Grönland), die USA und Kanada seit Jahren Anspruch auf arktische Meeresterritorien. Das politische Gerangel um diese Gebiete, begleitet von leisem militärischem Säbelrasseln, ist seit Jahren im Gang. Doch in den letzten Monaten hat sich die Lage im hohen Norden drastisch verändert – aber nicht aus Liebe zur Natur, auch wenn diese davon profitiert. Was ist geschehen? Was bisher geschah: Politisch Das internationale Seerecht gibt seit Jahrzehnten klare Vorlagen: Ein 200 Meilen (370 Kilometer) breiter Meeresstreifen entlang der Küste gilt rechtlich als Staatsgebiet. Hier verfügt ein Staat über die alleinigen Fischerei- und Förderrechte. Das Meer ennet dieser Zone und damit auch die Eisdecke der Arktis gehören niemandem – beziehungsweise allen. Der grösste Teil der arktischen Erdölund Erdgasvorkommen liegt zwar innerhalb der 200-Meilen-Zone – wie auch die Einlagerungen von anderen Rohstoffen wie Kohle, Gold und Eisen. Doch weil sich einige Vorkommen ausserhalb dieser Zone befinden und darüber hinaus noch weitere Vorkommen entdeckt werden könnten, erheben vor allem die fünf Anrainerstaaten Besitzansprüche über die 200-Meilen-Zone hinaus, um sich somit Förderrechte zu sichern. Um diese Begehrlichkeiten zufriedenstellend zu regeln, gründete die Seerechtskonvention der UNO 1997 die sogenannte Commission on the Limits of the Continental Shelf, die Kommission zur Begrenzung der Festlandsockel. Hier kann jedes Land Besitzansprüche über die 200-Meilen-Zone hinaus geltend machen, sofern es beweisen kann, dass sich dessen Kontinentalsockel auf dem Meeresboden über die besagte Zone hinaus ausbreitet. In der «Beweisführung» der betreffenden Länder hat sich vor allem der Lomonossow- Rücken, ein Unterwasser-Gebirgszug, zum Zankapfel entwickelt. Dieser 60 bis 200 Kilometer breite und bis zu 3500 Meter hohe Gebirgszug auf dem Meeresgrund ruht zwischen Grönland und den russischen Neusibirischen Inseln, und genau da liegt das Problem: Die Russen betrachten den Lomonossow-Rücken als Fortsetzung ihres Landes und beanspruchen mehr als eine Million Quadratkilometer Ozeanfläche für sich, während Grönland das Gebirge als unterseeischen Fortsatz Grönlands definiert. Die Kanadier reklamieren den Lomonossow-Rücken derweil als Fortsetzung ihrer Ellesmere-Insel. Alle drei Länder haben selbstverständlich geologische Gutachten erstellt, die ihre Thesen beweisen. Dass übrigens unter dem Lomonossow- Rücken Erdöl oder andere Bodenschätze eingelagert sind, schliessen amerikanische Geologen so gut wie aus. Bis heute ist in Bezug auf diese Besitzansprüche noch nichts entschieden. Was bisher geschah: Wirtschaftlich Werte von 40 und mehr Minusgraden, schnelle Wetterwechsel mit hohen Temperaturunterschieden, heftige Stürme, unruhiges Meer, Permafrostböden, die monatelange Dunkelheit, treibende Eisberge und überhaupt das Eis, schlecht kartografierte Meeresböden, horrende Versicherungssummen und viele weitere Faktoren machen die Ölförderung in der Arktis extrem 30 PolarNEWS

Rubriktitel Bohrinsel Priraslomnaja in der Petschorasee: Die erste Ölplattform, die im arktischen Ozean Erdöl fördert. Bild: Aelxander Taran teuer. Entsprechend massiv teuer ist denn auch die Technologie, die dazu notwendig ist. Und die Infrastruktur zur Lagerung und zum Transport der Rohstoffe ist sowohl auf dem Seeweg als auch via Pipelines miserabel ausgebaut. Das gilt auch für die Sicherheits-Infrastruktur. All diese Umstände zwingen die staatlichen, halbstaatlichen und privaten erdölfördernden Firmen zum Zusammenarbeiten mit anderen Unternehmen, die sie bisher als Konkurrenten betrachteten. Das beruhigt zwar die angespannte politische Lage, macht aber die milliardenschweren Förder-Vorhaben nicht billiger. Seit unserem letzten Artikel zum Thema ist konkret Folgendes geschehen: • Mitte 2014 nimmt die russische Gazprom die Bohrinsel Priraslomnaja in der Petschorasee 55 Kilometer vor der Küste in Betrieb. Sie ist die erste Bohrplattform, die Erdöl aus dem Artkischen Ozean fördert. In diesem Gebiet werden 87 Milliarden Fass sogenannte Erdöläquivalente vermutet. • Im August 2014 beginnen auf einer Bohrinsel in der Karasee 250 Kilometer nördlich der Küste Russlands Probebohrungen. Die Bohrplattform wurde vom staatlich kontrollierten russischen Konzern Rosneft und der amerikanischen ExxonMobil gemeinsam gebaut. • Ende 2014 nimmt die russische Gazprom im Ölfeld Bowanenkowo vor der Halbinsel Jamal, 400 Kilometer nördlich des Polarkreises, eine Ölförderanlage in Betrieb. Sie soll bis im Jahr 2030 einen Grossteil PolarNEWS 31

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