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PolarNEWS Magazin - 24 - D

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Engagement Vom

Engagement Vom Plastikfetzen bis zur Boje: Beim Aufräumen am Strand der Insel Danskøya kommt der ganze Müll in grosse Säcke. Alles muss Damit ist die Welt noch nicht gerettet, aber ein deutliches Zeichen ist gesetzt: Text und Bilder: Kirsten Panzer Dicke orangefarbene Gummihandschuhe gehören diesmal zur Ausrüstung für den Landgang. Manch einer hat sie schon im Zodiac übergezogen, um später gleich loslegen zu können. Anlanden, ein paar Schritte durchs eiskalte Nordpolarmeer, die bordeigenen Gummistiefel halten dicht und warm, helfende Hände sorgen für den sicheren Stand auf dem kieseligen Untergrund. Und dann steht man schon da am steinigen Strand von Danskøya, einer kleinen unbewohnten Insel im Nordwesten von Spitzbergen. Raus aus der Schwimmweste und es kann losgehen. Aufräumen steht heute auf dem Plan. Der Müll muss weg. «Clean the shore» ist neben der Eisbärensuche der Hauptpunkt der Reise, die die Passagiere der MS «Ortelius» gebucht haben. Extra zum Saubermachen sind sie rund dreieinhalbtausend Kilometer von der Schweiz, den Niederlanden, Italien, Belgien oder Deutschland hoch in den Norden geflogen. Am Strand steht auch Kelly aus San Francisco. Sie hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, auf der zu Norwegen ge- 24 PolarNEWS

Die Reise: Spitzbergen Clean the Shore – Polar Bear Special Wann: 28. Juni bis 8. Juli 2016 Passagiere: 116 Staff: 48 Tatendrang einen der grossen weissen Säcke schnappt, die es nun zu füllen gilt. So wie sie fühlen die meisten Passagiere an Bord des Expeditionsschiffes «Ortelius». Die Motivation ist gross, den Strand von seinem Müll zu befreien. Nun sieht es dort nicht etwa aus wie auf einer Wiese im Stadtpark nach einem gut besuchten Sommerfest, aber Unrat ist trotzdem zu finden und das nicht zu wenig. Anfangs fällt er gar nicht so auf, doch wenn man erst einmal anfängt, sich zu bücken, nach dem ersten Teil zu greifen, könnte man gleich auf den Knien weiter robben: Plastikdeckel, Joghurtbecher, Seile, Leinen, Kunststoffbojen, Schwimmer von Fischernetzen und Folien, die sich zum Teil schon im Stadium des Zerfalls befinden. Schwer aufzusammeln sind diese, denn sie zerbröseln quasi zwischen den behandschuhten Fingern, noch bevor sie im Müllsack landen. Dann wird das Einsammeln schnell zum kleinteiligen Geduldspiel. Dieses Stadium des Sichauflösens ist kein gutes Zeichen, denn Plastik verschwindet nicht einfach, sondern zerlegt sich in Mikroteilchen, die dann unweigerlich in die Nahrungskette gelangen. weg! Aufräumen in Spitzbergen. hörenden Inselgruppe, knapp 7000 Kilometer von ihrer Heimat am Pazifischen Ozean entfernt, für Ordnung sorgen. «Wir haben eine Anzeige in der ‹New York Times› gelesen, und da haben wir sofort gedacht: Das machen wir. Wir reisen sehr gern, aber wir wollen dabei auch etwas tun, wir wollen anpacken und nicht nur konsumieren», erzählt sie, während sie sich voller Schwer bewacht Am Abend vor dem ersten Putztag gab es an Bord noch die passenden Vorträge zum Thema Plastikmüll. «Wirklich vorstellen kann man sich das ganze Ausmass aber erst, wenn man das hier alles mit seinen eigenen Augen sieht», kommentiert Mathieu Berteloot die Theorie vom Vortag, während er seinen ersten mit Unmengen von Schnüren randvollen Sack zum Zodiac schleppt. Die gigantische, unberührte Landschaft dieser so abseits gelegenen Inselgruppe zwischen Grönlandsee, Barentssee und Arktischem Ozean verstärkt bei jedem Teilnehmer das ungute Gefühl, das sowieso schon anwächst mit jedem Müllteil, das man aufsammelt. Anna Regula aus der Schweiz stapft besonders wild und betroffen in ihrer gelben Regenhose voran und fragt immer wieder sich selbst und die Mitsammler, wie es denn sein könne, dass so viel Kram in die Ozeane gelange, ob man denn so viel Müll produzieren müsse, und regt damit noch einmal zum zusätzlichen Nachdenken an. Die Guides, die die Gäste mit den Zodiacs an den Strand gebracht haben, stehen mit geschulterten Gewehren und Ferngläsern jeweils am Anfang und Ende einer Gruppe von Müllsammlern und passen auf. «Vergesst nicht, das hier ist Bärenland», hat Josef Wermelinger die Gruppe zuvor noch einmal wachgerüttelt und an die Anweisungen am ersten Tag der Expeditionstour PolarNEWS 25

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