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PolarNEWS Magazin - 23 - D

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überwinterte, lagen

überwinterte, lagen dort bereits 50 weitere Robbenfänger-Schiffe vor Anker. Noch lohnt es sich Doch zu diesem Zeitpunkt war das Ende der Robbenjagd bereits abzusehen: Falkland war bereits robbenleer, die Bestände in Südgeorgien waren stark dezimiert. Die Entdeckung der Südshetland verlieh der Robbenjagd nun einen neuen Schub. Kapitän James Weddell bemerkte in seinen Reiseaufzeichnungen: «Jetzt sind diese Tie- Süden liegen mögen, niemals erforscht werden.» Kein Wunder, hatte sich zumindest das wissenschaftliche Interesse an weiteren Erkundungsfahrten in den tiefen Süden von da an in sehr engen Grenzen gehalten. Entsprechend waren Seekarten, falls denn welche existierten, ungenau und die Navigationsinstrumente relativ unpräzise. Segeln in antarktischen Gewässern war eine Art Glücksspiel. In den Jahren 1820 bis 1822 zerschellten alleine an den Küsten Südshetlands sechs Segelschiffe. «Niemand wird sich jemals weiter vorwagen, denn ich getan habe.» re fast ausgerottet; aber glaubwürdige Personen haben mir versichert, dass seit dem Jahre, wo sie in so grosser Menge vorhanden waren, nicht weniger denn 20’000 Tonnen Seeelefanten-Tran auf den Londoner Markt geschafft worden ist.» Eine weitere Zahl alleine zur Insel Südgeorgien liefert er uns einige Abschnitte später: «Die Menge der Häute, die teils wir, teils Fremde aus Georgien schafften, kann auf nicht weniger denn auf 1’200’000 angeschlagen werden.» Noch aber ist das Geschäft mit Robbenfell und Robbenfett ein lukratives: Erwartungsgemäss war auch die «Jane» mit Tausenden von Robbenfellen beladen, als sie im Januar 1820 wieder in den Londoner Heimathafen einlief. Die Ladung warf so viel Gewinn ab, dass sich die anderen beiden James, Strachan und Mitchell, davon ein zweites Schiff kauften und Weddell mit Verstärkung erneut in die Antarktis schickten. Die Beute diesmal: zwei Schiffsladungen Robbenfelle und wiederum ein satter Gewinn. Auch für diese Jagdsaison notiert Weddell in seinem Reisebericht einige Zahlen: «Die Menge von Robben, die von Schiffen aus verschiedenen Ländern 1821 und 1822 geholt wurde, kann auf 320’00 berechnet werden, und die Menge des Seeelefanten-Trans auf 940 Tonnen.» In Südshetland seien die Robben inzwischen «förmlich ausgerottet». Er schätzt, dass in dieser Saison 2000 bis 3000 Matrosen alleine mit der Jagd auf Südgeorgien beschäftigt waren. James Cook Als James Weddell im September 1822 zu seiner dritten Antarktisreise aufbrach, erteilten ihm Strachan und Mitchell einen zusätzlichen Auftrag: Such nach neuem Land! Am liebsten mit viel Robben drauf! Das Schiff wurde dazu mit gleich drei der neusten Chronometer und einem Azimuth zur damals exaktest möglichen Standortbestimmung ausgerüstet. Des Weiteren ergänzten Kompasse, Barometer, zwei Thermometer und das neuste Kartenmaterial die Ausrüstung. Das war im Vergleich zu einem offiziellen Forschungsschiff wenig, aber für ein Robbenjägerschiff sehr viel. Unbekanntes Land Die Antarktis war um diese Zeit ein grosser weisser Flecken auf der Landkarte. Terra australis incognita. Erst in 77 Jahren würde der erste Mensch offiziell den Kontinent betreten (siehe den Artikel «Erster! [und Dritter]» im PolarNEWS Nummer 22). Im Jahr 1822 kannte man erst einige der Antarktischen Halbinsel vorgelagerten Inseln wie Südgeorgien, die Sandwich-Insel und neuerdings die Südshetland-Insel. Die Existenz der sagenumwobenen Aurora-Insel war noch nicht bewiesen (heute weiss man: Es gibt sie nicht). Aber niemand wusste, was weiter südlich lag. War der Südpol ein warmes Meer? Oder ein kaltes Land? Existierte dort überhaupt ein Kontinent? Lebten dort Menschen? Und woher kam das viele Eis um Südgeorgien? Auf diese Fragen hatte bisher noch niemand Antworten gefunden. Einzig James Cook, der auf seiner zweiten Reise (1772 bis 1775) bis auf 71 Grad und 10 Minuten südlicher Breite gefahren war und somit immer noch den Süd-Rekord hielt, lieferte in seinem Reisebericht eine Vermutung. Er hatte geschrieben: «Das Risiko, das der eingeht, welcher eine Küste in diesem unbekannten und vereisten Meere erforschen will, ist so gross, dass ich mich erdreisten könnte zu sagen: Niemand wird sich jemals weiter vorwagen, denn ich getan habe, und dass jene Länder, welche im Neuer Rekord! James Weddell erkundete gewissenhaft die Küsten der Süd-Orkney-Inseln, zog weiter nach Osten in Richtung Sandwich-Inseln, fand aber kein neues Land und befahl schliesslich Kurs Süd. Er versprach jedem Matrosen eine satte Belohnung von 10 Pfund, wenn er neues Land entdeckt – was zu einigen Fehlalarmen führte. Aber wie sollten die Späher im Mastkorb einen mit Sand bedeckten Eisberg von einer echten Insel unterscheiden, wenn niemand wusste, ob es hier überhaupt Inseln gab und wie die aussahen? Einmal erwies sich eine mutmassliche Insel sogar als toter Wal. Das Überprüfen der Landmeldungen war aufwendig, das Navigieren durch den dichten Eisgürtel zuweilen gefährlich. Doch dann geschah etwas Seltsames: Am 16. Januar 1823 passierten die beiden Schiffe «Jane» und «Beaufoy» den 70. südlichen Breitengrad, und die Mannschaften staunten: Eisberge und Treibeis wurden immer weniger, das Meer war offen bei mässigem Westwind, und «das Wetter wurde sehr angenehm», wie Weddell später schrieb. Am 18. Januar sah Weddell «nicht ein einziges Stückchen» Eis und stellte nach mehrmaligem Messen eine Position von 72 Grad und 38 Minuten südlicher Breite fest – somit hatte er den Süd-Rekord von James Cook überboten. Jede Seemeile, die er jetzt noch weiter Richtung Süden fahren würde, war Neuland beziehungsweise Neusee für die Menschheit. Am 20. Januar befanden sich die Schiffe schliesslich auf der Position von 74 Grad und 15 Minuten südlicher Breite. Das Meer war immer noch eisfrei und ruhig, doch es kam ein zunehmend starker Wind von Süden auf. Weddell war 240 Seemeilen beziehungswei- Seeleopard, wie der Kapitän ihn sah (oben). Die «Jane» und die «Beaufoy» unterwegs in der Antarktis (unten). 48 PolarNEWS

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