Aufrufe
vor 2 Jahren

PolarNEWS Magazin - 23 - D

  • Text
  • Polarnews
  • Antarktis
  • Weddell
  • Arktis
  • Jagd
  • Buckelwale
  • Inuit
  • Buenos
  • Antarktischen
  • Iaato

Historisch Es geht doch

Historisch Es geht doch weiter! Der Robbenjäger James Weddell war 1823 auf der Suche nach neuen Jagdgründen – und überbot unverhofft den Süd-Rekord von James Cook. Text: Christian Hug Bilder: James Weddell, Google Earth, zvg Das war jetzt wieder mal eine knifflige Situation. Nicht, dass sich James Weddell knifflige Situationen nicht gewohnt gewesen wäre, im Gegenteil: Als Kapitän eines Robbenfängerschiffs in den noch weitgehend unerforschten Gebieten der Antarktis gehörte es für ihn zur Tagesordnung, unbekannte Situationen richtig einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Zum Beispiel das Navigieren bei Schneesturm zwischen treibenden Eisbergen. Aber jetzt war weit und breit kein Eisberg in Sicht. Keinerlei Gefahr im Anzug. Nur das weite, offene Meer und eine frische Brise aus Süden. Genau das aber machte die Situation so knifflig. Denn noch nie war ein Mensch so weit nach Süden vorgedrungen wie James Weddell. Was also tun? Weitersegeln oder umkehren? Es war der Morgen des 20. Februars 1823, die Brigg «Jane» und der Kutter «Beaufoy» befanden sich auf 74 Grad und 15 Minuten südlicher Breite, und der Kapitän musste eine Entscheidung fällen. Schon früh auf See James Weddell hätte sich wohl nie träumen lassen, dass er dereinst in eine Situation wie diese geraten würde. Er wurde am 24. August 1787 im belgischen Ostende als zweites von zwei Kindern geboren, seine Familie zog aber bald nach London. Der Vater, ein Polsterer, starb früh. Die Familie verarmte, weshalb sich James’ Bruder Charles zur Royal Navy meldete, um das Familieneinkommen zu verbessern. James schloss sich ihm für ein halbes Jahr an und sammelte auf der «Swan» erste Seemannserfahrung, da war er gerade mal neun Jahre alt und hatte bisher noch keinerlei Schulbildung genossen. Trotzdem absolvierte James eine Kaufmannslehre und heuerte auf einem Handelsschiff an, das zwischen London und den Westindischen Inseln verkehrte. Er zerstritt sich aber mit seinem Kapitän, weshalb dieser ihn wegen Meuterei festsetzte und ihn 1805 als Gefangenen in Jamaika den dort stationierten englischen Soldaten übergab. Es ist anzunehmen, dass diese ihm die Wahl liessen: Knast oder Navy. James kam zur Navy, war am einen und anderen Seegefecht gegen Schiffe Napoleons beteiligt, wechselte dann aber 1814 wieder in die zivile Handelsschifffahrt. Neue Geschäftsidee Einer Zufallsbekanntschaft ist es zu verdanken, dass sich das Ziel seiner Handelsreisen bald in den tiefen Süden verschob: 1819 lernte er James Strachan, einen Schiffszimmerer aus dem schottischen Leith, und den Londoner Broker James Mitchell kennen, die gemeinsam das zweimastige Segelschiff «Jane» besassen. Die drei James wurden sich einig, dass Weddell mit der «Jane» in die Antarktis fährt, denn dafür gab es zwei gute Gründe: erstens die Erfahrung in antarktischen Gewässern, die Weddell mit der Navy gemacht hatte. Und viel wichtiger: die Kunde neuer Jagdgründe für die äusserst lukrative Robbenjagd. Denn seit der legendäre Entdecker James Cook nach seiner zweiten Reise 50 Jahre zuvor von unerschöpflichen Robbenbeständen auf Südgeorgien berichtet hatte, war die Robbenjagd zu einem regelrechten Industriezweig geworden: Das aus dem Robbenfett gewonnene Öl hielt als Brennstoff den englischen Wirtschaftsmotor am Brummen und spendete zu Hause Licht, wenn es dunkel wurde. Zudem konnten die Felle teuer verkauft werden, die Amerikaner hatten sogar einen Handel bis nach China aufgebaut. Preis pro Fell: 6 Dollar. 1819 entdeckte schliesslich der englische Seefahrer William Smith eine neue Insel, gab ihr den Namen Südshetland und berichtete erneut von riesigen Robbenkolonien. Diese Nachricht befeuerte den Enthusiasmus der Jäger und Händler: Als Kapitän James Weddell im selben Jahr zu seiner ersten Antarktisreise aufbrach und in Falkland James Weddell galt als zuverlässiger Kapitän und guter Motivator. 46 PolarNEWS

PolarNEWS 47

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum