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PolarNEWS Magazin - 23 - D

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Welche Rolle spielt der

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der IAATO? Eine grosse! Denn durch die Erwärmung der antarktischen Region erhöht sich die Gefahr dramatisch, dass Besucher fremde Pflanzen oder Mikroorganismen einschleppen. Heute ist es für ein kleines Gras viel einfacher, dort zu wachsen, als vor 25 Jahren. Damals war es viel kälter, auch im Sommer. Das ist das wirklich Schlimme. Deshalb müssen wir die Reisenden sensibilisieren, dass wir keine fremden Arten in die Antarktis einschleppen wollen. Wir haben enorme Bio-Sicherheitsvorkehrungen getroffen und informieren die Reisenden. Nach einer anstrengenden Woche hilft ein grosser Kaffee in einem kleinen Restaurant. Was ist die grössere Herausforderung: der Klimawandel oder die Zunahme des Tourismus? Der Klimawandel. Nur schon deshalb, weil in der Antarktis keine Menschen leben. Es existiert daher keine Einwohner-Lobby. Deshalb benötigt die Antarktis die Unterstützung derjenigen, die dort waren und ihre Erfahrungen aus erster Hand haben. Denn mit der Erwärmung der Antarktis wird in den nächsten Jahrzehnten der Druck auf dieses Gebiet massiv steigen. Die Weltbevölkerung wächst und verlangt nach Rohstoffen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Streit um die Rohstoffe in der Antarktis beginnt. Und das ist noch nicht alles: Mediziner vermuten, dass in den Tiefen des antarktischen Meeres viele Tiere und Pflanzen zu finden sind, aus denen sich Heilmittel zum Beispiel gegen Krebs gewinnen lassen. Auch in diesem Bereich wird der Ausbeutungsdruck auf die Antarktis zunehmen. Von der Fischerei haben wir noch gar nicht geredet. Die Chefin Dr. Kim Crosbie begann ihre polare Karriere 1991, als sie für das Scott Polar Research Institut der Universität Cambridge als Forschungsstudentin arbeitete und über ökologisches Monitoring und Management von Besucherorten in der Antarktis ihre Doktorarbeit schrieb. Nach dieser Zeit blieb sie dem Bereich Besuchermanagement treu und leitete Expeditionen an beide Pole, vor allem an Bord von Expeditionsschiffen. 2005 trat sie in die IAATO als Umweltbeauftragte ein, wurde danach Einsatzleiterin, bevor sie 2013 zur Geschäftsführerin gewählt wurde. 2016 wurde ihr die britische Polar Medal für ihre Verdienste und ihre Arbeit in den polaren Regionen von Prinz William persönlich verliehen. Im Laufe ihrer Karriere hat Kim Crosbie zahlreiche Bücher, Artikel und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Sie lebt in Edinburgh, Schottland. 17. Januar 2016: Prinz William verleiht Kim Crosbie die Polar Medal. Reden wir also über die Fischerei. Das Südpolarmeer mit seinen gigantischen Krill- und Fischschwärmen gilt als eine der grössten Proteinquellen der Welt. Staaten mit grossen Fischerei-Industrien wollen diese Jagdgründe natürlich ausbeuten. Dagegen wehrt sich die Gemeinschaft der Antarktisvertragsstaaten, die die Antarktis schützen will. Die Antarktisvertragsstaaten und die Fischerei-Industrien liegen seit längerem im Clinch miteinander. Und wegen diesen Querelen hat sich die Organisation, die für das Fischereimanagement in der Antarktis zuständig ist, vom Verhandlungstisch zurückgezogen. Damit meine ich die Commission for the Conservation of Marine Living Resources, kurz CCAMLR. Diese Umstände sind der Grund, warum in der Antarktis das geplante grösste Naturschutzgebiet der Erde noch nicht zustande gekommen ist. Daher denke ich, dass der 42 PolarNEWS

Tourismus eine zentrale Rolle einnehmen kann, die richtige Botschaft an den Rest der Welt zu übermitteln. Denn wir alle müssen für den Schutz und die relative Unversehrtheit der Antarktis einstehen und dafür sorgen, dass sie nicht geplündert und zerstört wird. Die IAATO gilt weltweit als effektive und effiziente Organisation, die ihre Ziele durchsetzt und sich für den Schutz der Antarktis einsetzt. Trotzdem sind nicht alle Schiffsbetreiber Mitglied. Warum? für uns den Vorteil, dass wir unser Regelwerk in beratender Funktion in die Gemeinschaft einbringen können. Auf diese Weise hat die IAATO in den Jahren seit der Gründung viele Verbesserungen zum staatlichen Schutz der Antarktis bewirkt, gerade was spezifische Orte oder die Schifffahrt anbelangt. Ich würde sagen, dass im Grossen und Ganzen eine gute Beziehung herrscht zwischen der IAATO und der Gemeinschaft der Antarktisvertragsstaaten. Wie kann dieses Dilemma gelöst werden? Ich glaube zwar auch, dass in Zukunft vermehrt grössere Touristenschiffe in die Antarktis fahren werden. Ich denke aber nicht, dass der Markt für kleine Schiffe komplett austrocknen wird. Denn in der Antarktis herrschen ganz klare Vorgaben, wann wie viele Menschen pro Tag wo an Land gehen dürfen: maximal dürfen nur hundert Leute aufs Mal an Land sein. Schiffe mit 200 oder mehr Passagieren stehen somit vor riesigen organisatorischen Herausforderungen. Die «Das hat für uns den Vorteil, dass wir unser Regelwerk in beratender Funktion einbringen können.» Immerhin sind fast alle grösseren Reedereien dabei und die Hälfte aller kommerziellen Jachtbetreiber. Somit stammten fast alle Schiffe, die in der letzten Saison in der Antarktis operierten, von IAATO-Mitgliedern. Eine Ausnahme war das Schiff eines japanischen Betreibers, das nur eine Kreuzfahrt ohne Landungen durchführte. Aber die werden in den nächsten Jahren nicht wieder kommen... Natürlich möchten wir ausnahmslos alle Reedereien für uns gewinnen, aber einige brauchen noch unsere Hilfe. Die IAATO als Nichtregierungs- Organisation hat längst auch politisches Gewicht erlangt: Ihre Organisation steht in gutem Kontakt mit der Gemeinschaft der Antarktisvertragsstaaten. Das stimmt. Die Gemeinschaft der Antarktisvertragsstaaten setzt sich aus den Delegationen jener Staaten zusammen, die den Antarktisvertrag unterschrieben haben. Sie ist somit eine staatliche Organisation. Wir hingegen sind eine unabhängige Gesellschaft, die aber unter den Richtlinien genau dieses Antarktisvertrags agiert. Nun sind die Entscheidungsprozesse der Gemeinschaft mit Vertretern von über dreissig Nationen naturgemäss sehr langsam und die Beschlüsse am Ende meist sehr verwaschen. Wir hingegen sind in Bezug auf Tagesgeschäfte und Entscheidungsfindung viel effizienter und schneller und können daher auch höhere Standards aufrechterhalten. Das hat Die IAATO hat mit der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO zusammengearbeitet, als diese ihr Regelwerk im Hinblick auf die Zunahme des Schiffsverkehrs in beiden polaren Regionen ausgebaut hat. Wie wird dieses Regelwerk den Tourismus in der Antarktis beeinflussen? Die Mitglieder der IAATO haben noch vor der IMO Risikoanalysen sowohl ihrer existierenden als auch ihrer geplanten Schiffe durchgeführt. Wir konnten die IMO also gut beraten. Das war zwar kein einfacher Prozess, weil viele IMO-Reedereien befürchteten, dass der Bau neuer Schiffe in Zukunft wegen der erhöhten Anforderungen teurer zu stehen komme. Aber mit dem neuen Regelwerk existiert nun ein schriftlicher Prozess mit genau definierten Vorgaben und Zielen, die die IMO-Mitglieder erfüllen müssen. Dass sich diese Neuerungen spezifisch auf den Tourismus auswirken werden, glaube ich aber nicht. Für die Reedereien sind die Kosten ihrer Antarktisreisen stetig gestiegen. Die kleinen Schiffe von damals sind grösseren Schiffen gewichen. Diese Entwicklung bedeutet, dass in Zukunft wahrscheinlich noch grössere Schiffe kommen werden, die noch kosteneffizienter sind. Dies wiederum bedeutet weniger und kürzere Landgänge für die Gäste, was am Ende die Attraktivität solcher Reisen schmälert. entscheidende Frage ist, ob die Gäste noch zufrieden sind, wenn sie, wenn überhaupt, nur noch kurz an Land gehen können. Man kann es auch so sehen: Es wird mehr verschiedene Möglichkeiten geben, wie Passagiere die Antarktis erleben können. Trauen sie sich einen Blick in die Kristallkugel zu für die Zukunft? Hmm... Ich kann Ihnen sagen, was ich mir erhoffe: Dass die IAATO in Zukunft in Sachen Schutzbestimmungen eine noch grössere Rolle spielen wird. Zum Beispiel in wissenschaftlichen Projekten mit speziellen Trainings der Expeditionsteams und Checklisten für deren Arbeit. Die Expeditionsteams könnten sehr viel Gutes tun, indem sie eine ähnliche Funktion wahrnehmen würden wie die Ranger in Nationalparks. Was das Wachstum der Touristenzahlen anbelangt, so glaube ich nicht, dass wir die Sättigungsgrenze erreicht haben. Aber ich hoffe, dass wir die richtigen Mechanismen erarbeitet und etabliert haben, wenn es soweit ist. Dabei soll die hohe Qualität der Erfahrung der Besucher in keiner Weise verringert werden. Das sind die Dinge, die ich mir erhoffe. Doch vorhersagen kann ich sie nicht. Wie sieht Ihre persönliche Zukunft in der IAATO aus? Ich bin seit zehn Jahren in dieser Organisation tätig, das ist eine lange Zeit. Ich werde sehen, was das Leben noch mit mir vorhat. Wer weiss! PolarNEWS 43

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