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PolarNEWS Magazin - 23 - D

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Völkern des Nordens zugestanden. Die erlaubten Abschusszahlen gingen und gehen jedoch weit über diejenigen der sogenannten Subsistenzjagd indigener Völker heraus. (Subsistenzjagd heisst, dass nur so viele Tiere gejagt werden, wie zum Überleben nötig sind.) Es wurden und werden also mehr Eisbären erlegt, als die Inuit zum Überleben nötig hätten. Norwegen hat 1973 wie Russland ein generelles Jagdverbot erlassen. Aber drei der fünf Eisbären-Länder, in denen auch die meisten Inuit leben, haben die Jagd auf den Bären bis heute faktisch nie eingestellt: Die USA, Dänemark und Kanada. Die jährliche «Ernte» (Harvest) an gejagten Eisbären in diesen Ländern schwankt und ist teilweise gar nicht genau bekannt. Mittelwerte liegen bei etwa 50 getöteten Eisbären in Alaska, 150 in Grönland und 650 in Kanada. Das sind insgesamt 850 Tiere. Jedes Jahr. Hohe Dunkelziffern Zu diesen gerundeten Zahlen muss man allerdings noch eine unbekannte Anzahl weiterer Opfer hinzuzählen. Sie sterben durch Wilderer, entstehen durch geschönte Jagdzahlen, gehen auf das Konto aufdringlicher Forschungsmethoden oder werden von Touristen oder Wissenschaftlern in Notwehr abgeschossen. Ich schätze diese nicht erfassten Todesopfer auf etwa 150. Dass diese Zahl durchaus im richtigen Bereich liegt, verdeutlicht die Wilderei in Russland, besonders in den 1990er- Jahren in Tschukotka: Damals mussten bis zu 400 Eisbären jährlich auf illegale Weise ihr Leben lassen. Das heutige Ausmass der Wilderei dort ist unklar, dürfte sich jedoch bei 100 Bären pro Jahr eingependelt haben. Wenn wir also die Zahl der nicht berücksichtigten Tötungen mit 150 beziffern, dann scheint dies nicht übertrieben. Zählt man die illegalen (150) und die legalen (850) Jagdopfer zusammen, erhält man mit der Zahl 1000 die jährlich durch den Menschen verursachte Abnahme der Eisbärpopulation. Der einzige nennenswerte Unterschied zwischen der Jagd in den 1960er-Jahren und heute besteht darin, dass die Anzahl Eisbären, die heute nicht mehr in Norwegen abgeschossen werden, jetzt in Kanada «umgesetzt» wird. Mehr tot als lebendig Rein rechnerisch gesehen ist somit der Klimawandel als zukünftige Bedrohung gar nicht mehr nötig, um die Eisbären auszurotten. Dazu reicht allein schon deren Bejagung. Ein Art Dreisatz: • Die Eisbärenpopulation beträgt, vorsichtig angesetzt, 20’000 Tiere. Jährlich fallen 1000 Tiere der Jagd zum Opfer. Das entspricht 5 Prozent der Gesamtpopulation. • Eisbären vermehren sich langsam: Die Population wächst jährlich um höchstens noch 2 bis 3 Prozent. Das entspricht 400 bis 600 Jungtieren. • Da muss man kein Rechengenie sein, um zu erkennen, dass alleine durch die Jagd die Eisbärenpopulation in ein jährliches Minus von 600 bis 400 Tieren gerät. Rechnet man diese Zahlen historisch retour, dann müssen Ende der 1970er-Jahre in der Arktis rund 30’000 Eisbären gelebt haben. Da spielt es letztlich keine Rolle mehr, ob der aktuelle Bestand auf 20’000 oder 26’000 Tiere geschätzt wird: Beide Zahlen zeigen, dass der Bestand der Eisbären alleine durch die Jagd in den letzten Jahrzehnten um rund einen Drittel geschrumpft ist. Selbst wenn wir optimistisch rechnen und hoffen, dass sich die Zahl der Eisbären heute bei insgesamt 25’000 Individuen bewegen würde und dass der Populationszuwachs in den letzten 40 Jahren 4 Prozent jährlich betragen hätte – selbst dann entspräche die Populationsgrösse heute lediglich mehr oder weniger derjenigen von Mitte der 1970er- Jahre. Somit zeigt auch der hoffnungsvolle Ansatz keinerlei Bestandszunahme, obwohl man genau dies nach vier Jahrzehnten hochgelobtem Eisbärenschutz eigentlich erwarten dürfte. Wenn man in Sachen Wildtiermanagement von einem Erfolg sprechen will, dann einzig aus der Sicht der Jäger. Keinesfalls aber aus der Sicht der Bären. Das macht klar: Der Eisbärschutz ist gescheitert. Warum die Jagd weiter geht Die Frage drängt sich also auf: Warum wird ein solch grosses Ausmass der Jagd nicht einfach gestoppt? Die Antwort ist nicht so einfach wie die Frage. Schauen wir uns deshalb einige Umstände genauer an, die zum Verrat am Eisbär beitragen. Es gibt einen Mythos in der Arktis, der sich hartnäckig Bild: zvg Offizielle kanadische Karte zu den Eisbärpopulationen: Viele Zahlen sind veraltet oder fehlen ganz (braun). PolarNEWS 33

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