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PolarNEWS Magazin - 23 - D

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Serie Vergessene Helden

Serie Vergessene Helden Teil XIX Die duldsame Dame Von all den Helden des Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung (1897–1922) strahlt der Name Ernest Shakleton am hellsten. Obwohl er neben wahren Pionieren wie Amundsen, Scott oder Peary ja der grosse Verlierer war: Er kam auf allen seinen vier Expeditionen – drei unter seinem Kommando – nicht ans Ziel oder zu spät. Seine Heldentat bestand allerdings darin, seine Leute und sich aus dem ausweglosesten Situationen nach Hause zu bringen. Sprich aus dem ganz grossen Schlamassel zu retten, alle da wieder heil rauszubringen. Nicht alle heil, aber immerhin alle lebendig, das ist Shakleton gelungen – eine Meisterleistung. Was Wunder, werden seine Motivations-Methoden heute an Manager-Seminaren gepredigt. Shakleton soll ja auch ein Charmeur und brillanter Schwadroneur gewesen sein, ein hinreissender Redner, everybodys darling. Eigentlich sollte Ernest eher als Poet denn als Polarforscher berühmt sein, denn auf diesem Gebiet reüssierte er. Die Briefe an seine Ehefrau Emily Dorman sind Perlen der Poesie und Romantik. Seine Liebesschwüre sind von einem Überschwang und einer Inbrunst, dass man erst eine Träne der Rührung wegwischt und sich dann bald mal fragt, wer denn diese vielgerühmte Emily ist. Sie muss, gemäss der Weisheit, dass hinter jedem grossen Mann eine starke Frau steht, auch eine Heldin gewesen sein. Leider eine vergessene. Während Ernest Shakletons Leben und Schriften, Fahrten und Taten ganze Bibliotheken füllen, ist die Faktenlage zu Frau Shakleton dünn. Wie Odysseus’ treue Gattin Penelope wartete auch Emily Shakleton, geborene Dorman (1868 in Kent) jahrelang zu Hause, bis ihr Held siegreich vom Ende der Welt heimkam. Solche Zu-Hause-Frauen gehen nicht in die Geschichte ein. Im Fall von Emily Shakleton schade, denn auch sie hat einiges Heroisches getan. Eine erste Kühnheit zu ihrer Zeit: Sie hat im «hohen» Alter von 36 geheiratet, diesen um sieben Jahre jüngeren Abenteurer und Fernwehkranken mit Hang zum Extremen und Drang zu den Polen. Kennengelernt hatten sich die zwei Sprosse aus gebildeten, guten Familien schon viel früher, im Jahr 1897. Ernest hatte in Emily sofort die Liebe seines Lebens erkannt, seine Schwüre und Loblieder galten ab jetzt nur ihr. Sie zeigte sich lange unbeeindruckt von seinem Charme und den schillernden Berichten, er hatte als Mitglied der Handelsmarine schon viel von der Welt gesehen: Asien, China. Und ab 1901 war er dann mal weg, auf der Discovery-Expedition von Robert Falcon Scott. Emily-Shakleton (1868–1936) mit ihren Kindern Cecily, Edward und Raymond (v.l.). Eine fatale Fahrt, die Scott das Schiff, die Hunde, die Gesundheit und die Freundschaft mit Shackleton kostete. Im Sommer 1903 kehrte Ernest nach England heim und ging sofort auf Vortragsreise. Um seiner künftigen Frau nicht nur schöne Worte, sondern auch ein Auskommen zu bieten, nahm er eine Stelle an, der ihm wenig schmeckte: Sekretär und Schatzmeister der Royal Scottish Geographical Society, kurz: ein Bürojob. Und das einem Freigeist wie Shak, wie ihn seine Freunde nannten. Immerhin: Privat herrschte bald Hoch-Zeit, Ernest und Emily heirateten im April 1904, ein Jahr später kam ihr Sohn Raymond zur Welt, danach Cecily und Edward. Das häusliche Glück währte nicht lange. Der stolze Vater vertat sich bei einigen Unternehmungen, scheiterte als Politiker, Sekretär, Spekulant und spürte wieder diese Hummeln im Hintern, Reisefieber, Forscherdrang, Entdeckerlust, den Ehrgeiz «mir und Dir (Emily, wem sonst?) einen Namen zu machen». Ungeachtet der dünnen Finanzdecke träumte Ernest von einer nächsten, einer eigenen Expedition. Und der nächsten. Und noch einer. Emily liess ihn gehen, immer wieder. Sie meinte mal lakonisch zum Fernweh ihres Mannes: «Man kann einen Adler nicht im Hinterhof gefangen halten.» Wie sie sich und ihre drei Kinder durchbrachte, während ihr Göttergatte ins Unbekannte loszog, wissen wir nicht so genau. Gleich zweimal wurden die einst glanzvollen Namen seiner Expeditionen zu Synonymen von Scheitern: Nimrod und Endurance. Die Quest-Expedition sollte seine letzte werden. Shakleton starb am 5. Januar 1922 in Rio de Janeiro, auf nicht mal halber Route, an einem Herzinfarkt. Seiner Emily hinterliess er neben den drei Kindern und den glühenden Liebesbriefen auch Schulden in Höhe von zeitlich umgerechnet 1,8 Millionen Euro. Immerhin verkaufte sich seine Biografie wie warme Weggli, der Erlös kam seiner Frau und den Kindern zugute. Einen letzten heroischen Verzicht und ein Löwenherz bewies Emily mit ihrer Einwilligung, Ernest nicht nach England überführen und daheim beerdigen zu lassen, sondern in Grytviken auf Südgeorgien. Dort bekommt er viel Besuch und Bewunderung: Jeder, der auf dem Weg in die Antarktis in Grytviken landet, erweist ihm mit einem Wodka die Ehre am Grab. Er bleibe ewig in unserem Gedächtnis. Seine Emily aber auch. Greta Paulsdottir Bild: zvg 26 PolarNEWS

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