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PolarNEWS Magazin - 23 - D

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Rubriktitel Tausende von

Rubriktitel Tausende von Flukenbildern sind inzwischen in grossen Fotokatalogen für Vergleichszwecke zusammengetragen worden und über den Fotodienst Flickr für alle online einzusehen. Die Sammlung identifiziert über 6400 antarktische Buckelwale (siehe Box). Dank diesen Fotos ist übrigens ein beeindruckender Rekord bekannt geworden: Im August 1999 hatte jemand vor der Küste Brasiliens die grosse Fluke eines abtauchenden Buckelwal-Weibchens fotografiert. Zwei Jahre später hielt sich dieses Tier an der Nordost-Ecke von Madagaskar auf, wie neuerlich Fotos dokumentierten. Der Wal schwamm somit 9800 Kilometer weit, ein Weltrekord! Es ist bis heute das Säugetier mit der längsten Zugstrecke. Buckelwale wandern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 7 Kilometern pro Stunde durch die Weltmeere. Sind sie in Eile, dann darf es auch fast vier Mal schneller sein. Erstaunlich ist ihr grosses Durchhaltevermögen: Auf der Wanderung legt ein Buckelwal bis zu 2000 Kilometer pro Monat zurück. Ein besonders schneller Artgenosse schaffte dieselbe Distanz in 24 Tagen. Ein anderer schwamm sogar noch schneller, in 7 Tagen 1228 Kilometer. Buckelwale, die vor Brasilien kalben (Schwerpunkt bei der winzigen Inselgruppe der Abrolhos), reisen zur Nahrungssuche ins nördliche Weddellmeer in der Antarktis, wo sich eine der grössten Krill-Konzentrationen der Welt befindet; Wale von der Ostküste Australiens ziehen bis ins westliche Rossmeer; ein Buckelwal aus dem Südseeparadies Samoa wurde in der Antarktis aufgespürt; wer vor der Westküste Zentral- und Südamerikas überwintert, ist im Südsommer bei der westlichen Antarktischen Halbinsel anzutreffen, zum Beispiel in der Bransfieldstrasse, bei den Südorkney-Inseln oder in der Bellingshausensee. Das ergibt fast 9000 Kilometer pro Zugstrecke, und das machen die 9700 Buckelwale dieser Population jedes Jahr mit! Wandern ohne Wegweiser Eine Frage bleibt bis heute (noch) unbeantwortet: Wie navigiert ein Wal so präzise über dermassen lange Strecken? Niemand kann das mit Sicherheit beantworten. Vorerst bleibt uns Beckenrandschwimmern ganz einfach nur das Staunen. Einige Fakten lieferten drei vor der Küste Brasiliens besenderte Wale. Sie zogen in verschiedenen Jahren zu ganz unterschiedlichen Jahreszeiten und eindeutig unterschiedlichen Wanderrouten nach Süden und beendeten ihre Zugstrecke nach rund 5900 Kilometern jedes Mal am gleichen Ort (bei 58°S / 23°W), mit einer Genauigkeit von rund hundert Kilometern. Die Satellitendaten deckten aber noch viel Erstaunlicheres auf: Die drei Meeresbummler hielten über weite Strecken konstant den gleichen Kurs. Mit einer Präzision von einem Grad schwammen sie unabhängig voneinander 240 bis 2230 Kilometer lang absolut «geradeaus» durch den Ozean (bei einer Reisegeschwindigkeit von durchschnittlich 4 Kilometern pro Stunde). Selbst tropische Stürme, die Kraft der häufig wechselnden Meeresströmungen und andere ozeanografische Einflüsse vermochten die Wale nicht aus der Bahn zu werfen. Kein Wunder, gönnt sich eine Walmutter mit ihrem Kalb nach solch anstrengendem Herumziehen eine ruhige Nacht an einen Schiffsrumpf gelehnt, direkt unter dem Bullauge einer Passagierkabine. Und jetzt wissen wir es: Die beiden sind von der Küste Ecuadors aus angereist, um mich an jenem antarktischen Morgen ganz früh zu begrüssen. 24 PolarNEWS

Rubriktitel Das Fluken-Fotofile Haben Sie auf der Südhemisphäre Buckelwale fotografiert? Ihre Fotos mit den dazugehörenden Daten (Ort, Region, Datum) könnten für die Wissenschaft wertvoll sein! Vergleichen Sie Ihre Bilder mit dem Buckelwal-Flukenkatalog (Antarctic Humpback Whale Catalogue / AHWC). Vielleicht ist «Ihr» Wal bereits anderswo beobachtet worden. Die Fotosammlung von Tausenden von antarktischen Buckelwal-Fluken finden Sie im Internet: www.flickr.com/photos/ ahwc/albums/with/72157623299329461. In den wärmeren Gewässern treffen Buckelwale auch auf Schiffshalter. Sie hängen sich an den Wal an und lassen sich ziehen. Bild: Michael Patrick O’Neill / Alamy PolarNEWS 25

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