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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Wirtschaft Als «Arbeitsschiff» pflügt der Eisbrecher «50 Years of Victory» den Handelsschiffen eine Spur durch das Eis der Nordostpassage. Kurze Seefahrt mit Hindernissen Auch wenn das Eis in der Nordostpassage mehr und mehr verschwindet: Für die kommerzielle Schifffahrt ist sie immer noch mit vielen Risiken verbunden. 66 PolarNEWS

passage, aber das ist sehr weit unter der Grenze dessen, was man als kommerzielle Schifffahrt bezeichnen könnte. Nun sollte also Kapitän Woronin mit der «Alexander Sibirjakow» den ersten Eisbrecher durch die Nordostpassage führen. Das Schiff erreichte den Zielhafen Wladiwostok, obwohl es unterwegs in den Eispressungen eine Schiffsschraube verlor und das letzte Stück des Wegs abgeschleppt werden musste. Das Gelingen des Experiments ermöglichte eine Variante der Seefahrt, die man so bisher noch nicht gekannt hatte: dass nämlich Eisbrecher den Handelsschiffen die Bahn frei machen durch das dicke und immer unberechenbare Pack- und Küsteneis der Schiffsroute. Heute ist das der Normalfall. Atomeisbrecher wie die «Fifty Years Of Victory» brechen die Eisdecke auf, und in der freigelegten Fahrrinne folgt eine ganze Karawane von Transportschiffen dem «Bulldozer». Bis Ende 2012 musste sogar jedes Handelsschiff, das die Nordostpassage queren wollte, von Amtes wegen zwingend von einem Eisbrecher eskortiert werden. Das ist heute nicht mehr in jedem Fall nötig. Denn inzwischen werden Eisbrecher immer mehr zu Transportschiffen ausgebaut beziehungsweise Transportschiffe zu Eisbrechern verstärkt. In naher Zukunft werden die Schiffe der Nordostpassage gleichermassen Eisbrecher und Frachtschiffe sein. Im Sommer letzten Jahres durften erstmals auch Schiffe ohne spezielle Eisverstärkung durch die Passage, allerdings mit der Auflage einer Eisbrecher-Eskorte. Bild: Andrey Fetkulin Text: Christian Hug Glorreich stach der bewaffnete russische Eisbrecher «Alexander Sibirjakow» am 12. Juli 1933 unter den Kommando von Kapitän Wladimir Woronin in Archangelsk in See. Das Ziel: Die Hafenstadt Wladiwostok an der Ostküste Russlands. Beziehungsweise: Die Nordostpassage in direkter Linie von West nach Ost an einem Stück durchfahren. Die Absicht: Den Beweis erbringen, dass die Nordostpassage trotz starker Vereisung kommerziell befahrbar ist. Erst 54 Jahre zuvor, im Juli 1879, gelang dem in schwedischen Diensten stehenden finnischen Entdecker Adolf Erik Nordenskiöld die erste vollständige Durchquerung dieses Seewegs entlang der arktischen russischen Nordküste. Er beendete damit die Suche nach dem schnellsten Seeweg zwischen Europa und Asien, die mehr als 400 Jahre lang gedauert und Hunderten von Seeleuten das Leben gekostet hatte. Gleichzeitig eröffnete Nordenskiöld mit seinem Durchbruch auch den kommerziellen Ausbau dieses Seewegs zur internationalen Handelsroute. Zwar schafften in der Zeit von 1879 bis 1933 mehr als 700 Schiffe die Durchquerung der Nordost- Schwierige Route Doch diese Entwicklung ging nicht so schnell voran, wie sie hier geschrieben steht. Ein Jahr nach der «Alexander Sibirjakow» versuchte der Frachtdampfer «Tscheljuskin» die Durchfahrt ohne Begleitung eines Eisbrechers, blieb aber im Packeis stecken und wurde zermalmt – die Mannschaft musste zwei Monate auf dem Packeis zelten, ein Matrose überlebte die Odyssee nicht. Ein weiteres Jahr später gelang dem Eisbrecher «Fjodor Lütke» trotz einiger Schadensfälle unterwegs die Durchfahrt in umgekehrter Richtung von Ost nach West. Die sowjetische Regierung richtete daraufhin zwar die Hauptverwaltung Nördlicher Seeweg ein, um die kommerzielle Schifffahrt in geregelten amtlichen Bahnen zu entwickeln. Doch der Handel kam noch nicht zur Blüte, die Anzahl erfolgreicher Durchfahrten blieb unter zehn pro Jahr. Und dann kam der Zweite Weltkrieg, der eine zivile Handelsschifffahrt praktisch verunmöglichte, weil immer wieder deutsche U-Boote und PolarNEWS 67

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