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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Historisch Erster! (und

Historisch Erster! (und Dritter) Entgegen seiner Ansicht war Carsten Borchgrevink nicht der erste Mensch auf dem antarktischen Kontinent. Aber der erste, der dort überwinterte. Text: Christian Hug Bilder: University of Cambridge Geography «Mit gemischten Gefühlen blickten die zehn an der öden Küste zurückbleibenden Männer dem Schiff nach, das sich gegen den nördlichen Horizont entfernte. Unsere isolierte Stellung wurde uns erst klar, als wir die ‹Southern Cross› fortdampfen sahen.» Jetzt gab es kein Zurück mehr. Zehn todesmutige Männer standen an der Küste der Adare-Halbinsel in der Robertson-Bucht am Rande der Antarktis und winkten dem Schiff zum Abschied. Ob sie die «Southern Cross» je wiedersehen würden, stand in den Sternen geschrieben. Denn sie würden die allerersten Menschen sein, die in der Antarktis überwintern, und ob das überhaupt möglich war, wusste eigentlich niemand. Konnte man auf so ein Vorhaben überhaupt vorbereitet sein? Es war auch das erste Mal, dass Hunde in die Antarktis mitgenommen wurden. Aber natürlich waren «die Zehn», als die sie in die Geschichte eingehen sollten, wild entschlossen – allen voran ihr Anführer Carsten Egeberg Borchgrevink, der die eingangs zitierten Worte in seinem später veröffentlichten Buch «First on the Antartic Continent» niederschrieb. Auch wenn das Experiment nur ein Jahr dauern sollte, hatte die Mannschaft Proviant für drei Jahre mitgebracht, dazu Baumaterial für zwei Holzhütten, 90 Schlittenhunde, 20 Schiffstonnen Kohle, 2 Walfängerboote und etliche wissenschaftliche Instrumente. Dazu Karten- und Brettspiele, Bücher und eine Spieldose für die zu erwartenden langen Tage in antarktischer Dunkelheit. Plus Waffen zur Verteidigung gegen Eisbären – man wusste damals nicht, dass es in der Antarktis keine Eisbären gibt. Zehn Tage lang hatten die Männer und die 31-köpfige Mannschaft der «Southern Cross» die Kisten an Land gebuckelt. Es war der 2. März 1899. Im Team: der Chef, fünf Wissenschaftler, ein Arzt, ein Koch, zwei Hundeführer aus Lappland. Das Abenteuer konnte beginnen. Erste Erfahrung Carsten Borchgrevink war endlich am Ziel seiner Träume angelangt. Denn sein Weg bis hierher war lange und beschwerlich, und wenn man es genau nimmt, begann dieser Weg schon sehr viel früher. Borchgrevink in eigenen Worten: «Mit der grössten Leidenschaft warf ich mich schon in meinen Schuljahren auf die gesamte arktische und antarktische Literatur.» Zu dieser Zeit lebte der am 1. Dezember 1864 in adliger Linie geborene Sohn einer Engländerin und eines Norwegers noch in Christiania, wie das heutige Oslo damals hiess. Er studierte Geologie, Forstwirtschaft und Geodäsie an der Forstakademie im deutschen Tharandt, wanderte nach Australien aus und arbeitete dort für die Universität in Sydney als Landvermesser und Geologe und ab 1888 als Lehrer in Melbourne. So half er zwar, den fünften Kontinent zu erforschen. Seine Leidenschaft aber galt der Eroberung des sechsten Kontinents, der Antarktis. «Hier waren Kräfte nötig, hier war ein Ziel zu erreichen.» Obwohl Borchgrevink über keinerlei Erfahrung auf hoher See verfügte, drängte er 1894 den Kapitän des Walfängers «Antarctic», ihn mit auf eine Erkundungsfahrt zu nehmen. Dieser willigte nur ein, weil kurz vor der Abfahrt des Schiffes ein Matrose alkoholisiert ins Wasser gestürzt und ertrunken war. Borchgrevink musste alle niederen Arbeiten des verstorbenen Matrosen übernehmen. Die Mission der «Antarctic», nämlich ausfindig zu machen, ob der Grönlandwal auch in den südlichen Polargewässern vorkommt, missglückte – der Grönlandwal lebt nur in den Gewässern um Grönland. Aber auf der Rückreise entdeckte Borchgrevink am 23. Januar 1895 einen kleinen Streifen Strand inmitten der endlosen Gletscherwände. Er überredete den Kapitän, ein Ruderboot auszusetzen und an Land zu gehen. Das Boot war noch nicht angelandet, da sprang Borchgrevink ins Wasser und stapfte zum Strand. Der Überlieferung nach soll er gejubelt haben, er sei der erste Mensch, der die Antarktis betrete, doch da irrte Borchgrevink: Zwei Menschen hatten die Antarktis vor ihm betreten, auch wenn diese beiden Ereignisse bis heute nicht einwandfrei gesichert sind. Abgeblitzt, Sponsor gefunden Nichtsdestotrotz war für Borchgrevink in diesem Moment klar, dass er hierher zurückkehren wollte: «Der Plan, den ich bereits auf Carsten Borchgrevink nach seiner Rückkehr aus der Antarktis. 54 PolarNEWS

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