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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Im November und Dezember

Im November und Dezember werden die Rentiere für den Verkauf geschlachtet. Auch meine Gastfamilie gibt 16 Tiere her. Die Rentiere, die für den Verkauf bestimmt sind, werden nicht erdrosselt, sondern durch einen Hieb mit dem Rücken einer Axt vor das Geweih bewusstlos geschlagen und dann mit dem Messer getötet. Es ist heilige Pflicht, ein Leiden der Tiere zu vermeiden. Die Tiere werden sorgfältig gehäutet und ausgenommen. Das Blut wird in Mägen gegossen und für den Eigenbedarf genutzt. Im Freien aufgehängt, sind die Kadaver im eiskalten Wind im Nu pickelhart gefroren und werden so anderntags ins nächstgelegene Dorf gefahren. Nach knapp zwei Stunden Fahrt erreichen wir Yar Sale im Südosten der Halbinsel, in der Nähe, wo der 3650 Kilometer lange Strom Ob die Meereshöhe erreicht. Bei einem Bruder von Atyom, der mit seiner Familie in diesem Dorf sesshaft geworden ist und als Lebensmittelhändler sein Auskommen verdient, sind wir zu Gast. Ganz oben: Vlad inmitten seiner Rentiere. Sie sind der ganze Reichtum der Familie... Oben: ...und gleichzeitig Nahrungslieferanten. Nadia verstaut ein geschlachtetes Ren. Heimweh Nadia erfährt, dass einer ihrer Brüder vor zwei Monaten gestorben ist. Er zog mit seinen Tieren im äussersten Norden der Halbinsel umher. Mit Glück sahen sie sich einmal im Jahr, wenn sie sich auf den Wanderungen näher kamen, das war vor zwei Jahren das letzte Mal der Fall. Schon nach wenigen Stunden in den bequemen Sesseln, bei duftendem Kaffee und leckeren Süssigkeiten in behaglicher Wärme und bei schöner Musik, beschleicht mich ein seltsames Gefühl – Heimweh. Aber nicht nach all den Bequemlichkeiten zu Hause in der Schweiz, nein – Heimweh nach den Rentieren, nach der Tundra, nach dem quietschenden Schnee unter den Fellstiefeln, nach dem Tschum mit all seinen Fellen und deren Haaren im Tee, nach dem Fleisch, nach den Hunden, nach den trocknenden Fleischfetzen an den Zeltwänden, nach dem Holzofen und nach dem Geruch der vorsichtig neugierigen Rentiere mit ihren grossen schönen Augen. Jetzt kann ich sie begreifen, die Schulkinder, die ins Museum gehen, um ins Tschum zu sitzen. Und ich verstehe Nadia, die sichtlich erleichtert wieder in die Box klettert, in der sie vom Motorschlitten durch die kalte Nacht zurück zum Zelt gezogen wird, wo die fünf Hunde uns stürmisch begrüssen. In vier bis fünf Wochen werden sie erneut aufbrechen, dem Norden entgegen, damit sie noch frühzeitig die Flüsse überqueren können, bevor das Eis aufbricht. 52 PolarNEWS

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