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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Taugt hervorragend als

Taugt hervorragend als Bauholz: Jagdhütte am Gjertsenodden im St.-Jons-Fjord in Spitzbergen. und Mackenzie in Kanada, gehörte die Flösserei nie zur gängigen Arbeitstechnik der Holzindustrie. Deshalb stammen die meisten gefällten Fichten-Treibholzstämme in der Arktis aus Sibirien. Arktisches Treibholz wird aber erst zu Treibholz durch den Transport im oder auf dem Meereis. Ohne dieses Transportmittel würden die Holzstämme längst im Meer versunken sein, lange bevor sie irgendeine Küste einer arktischen Insel überhaupt erreicht hätten. Irgendwann geht nämlich auch der dickste Baumstamm im Wasser einfach unter. Während Laubholzstämme nur 6 bis 10 Monate im Wasser treiben können, bevor sie absinken, halten sich Lärchen und Föhren ohne Hilfe des Eises 9 bis 10 Monate über Wasser. Fichten schaffen sogar bis zu 17 Monate. Die Drift eines Treibholzstammes im Packeis dauert jahrelang und folgt den Meeresströmungen im Arktischen Ozean. Erst nach rund 3 bis 6 Jahren im Eis – und einer Strecke von bis zu 8000 Kilometern – erreicht der Stamm eine Küste in Spitzbergen oder Südgrönland. Ohne das Packeis wäre ein derart langer Transportweg über eine solch lange Zeitspanne gar nicht möglich. – Schliesslich werfen Sturmwellen das Treibholz hoch auf die Strände, oder der gewaltige Druck des Packeises schiebt die Stämme an die Ufer. Weit weg vom Meer Damit ist jetzt geklärt, was es mit den unzähligen Baumstämmen an arktischen Küsten auf sich hat. Aber wie kommen einige Holzstämme mitten in die Tundra hinein, weit weg vom Meer und hoch über den Meeresspiegel hinaus? Man findet sie manchmal auf Tundrawanderungen, ein paar hundert Meter oder mehr entfernt vom Strand und oftmals in einer Höhe von zehn, zwanzig oder mehr Metern über dem Meeresspiegel. Uralt sehen solche Treibholzstämme aus. Ein Teil des Holzes ist vielleicht bereits zu Bodensubstrat zerfallen oder im Tundraboden versunken. Tatsächlich, dieser hochbejahrte Typ von Treibholz hat Besonderes erlebt. Solche Stämme strandeten vor Jahrtausenden am Meeresufer, am Ende der letzten Eiszeit. Das Land aber, endlich befreit vom enormen Druck der eiszeitlichen Gletscherlast, begann sich langsam, aber stetig zu heben – und mit ihm auch die Strandlinie mit dem angeschwemmten Treibholz. Diese nacheiszeitliche Landhebung (auch: isostatische Bodenhebung) erreichte zum Beispiel in einigen Teilen von Spitzbergen gegen hundert Höhenmeter. Treibholz im Landesinnern ist folglich immer alt, steinalt. So liegt das Höchstalter von Treibholz aus Spitzbergen bei 10’000 Jahren, in der Baffin Bay bei 9400 Jahren, auf der Ellesmere-Insel bei etwa 6000 Jahren, und in Nordgrönland datierte man die ältesten Treibholzstücke auf ein Alter von 6880 Jahren. Auf der Insel Nowaja Semlja in der russischen Arktis fanden sich Stämme bis zu einem Alter von rund 4700 Jahren in einer Höhe von zehn Metern über dem heutigen Höchstwasserstand. Wer solchen würdevollen Baumgestalten auf der einsamen, totenstillen Tundra schon einmal begegnet ist, wird sie vielleicht ehrfürchtig in gebührendem Abstand umrundet und betrachtet haben. Es scheint, als ob der Ur-Stamm aller Baumstämme hier vor dem Betrachter auf der Tundra liegt. Und wer weiss, vielleicht stimmt das sogar... 42 PolarNEWS

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