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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Rubriktitel Unser neuer

Rubriktitel Unser neuer Reiseprospekt ist da! PolarNEWS Expeditionen 2016 / 2017 Erlebnis Auf Tuchfühlung mit der eisigen Welt Arktis Mit dem Eisbrecher durch die Nordostpassage Antarktis Naturerlebnis am südlichen Ende der Welt Einfach bestellen unter: redaktion@polarnews.de 32 PolarNEWS

Ein paar lange Gesichter, denen plötzlich bewusst wird, wie weit wir von jeglicher Zivilisation weg sind. Doch die meisten freuen sich auf diese Tage. Endlich Zeit für sich und seine Gedanken, Bücher lesen, süsses Nichtstun... oder alles tun, wofür man sonst nie Zeit hatte. Die Guides an Bord schmeissen mit Vorträgen nur so um sich, wenn man das so sagen kann. Abends gehts ins Kino (inklusive frisches, warmes Popcorn) und/oder in die Bar (für Drinks und Erdnüsse). Konversation betreiben, seine Mitreisenden und die Guides kennenlernen, Musik hören oder einfach nur draussen sein und sehen, was die Antarktis zu bieten hat. Durchbruch! Und sie bietet alles, was sie hat: Sonnenschein und glatte See, brausende Winde und hohe Wellen, Eisberge nah und fern, Wale in allen Arten. Und dann, nach vier vollen Tagen umgeben von Meer und Eisbergen: Packeis! Wir befinden uns auf etwas mehr als 70 Grad südlicher Breite und treffen vor der Einfahrt ins Rossmeer auf einen mehr oder weniger dichten Gürtel gefrorenen Meerwassers. Und darauf noch nie Gesehenes wie beispielsweise Kaiserpinguine, die wie Menschen auf dem Eis thronen und ihre Entourage aus Adéliepinguinen um sich geschart haben. Oder die geheimnisvolle Rossrobbe, die so selten zu sehen ist, dass ihre Sichtung jeden an Deck zieht und sogar gestandenen Antarktisreisenden und Guides eine Träne der Freude ins Auge treibt. Über den Schollen von Packeis schweben Schneesturmvögel und Weissflügelsturmvögel wie auf Fäden aufgezogen. Anderen aber treibt die Eiskarte eine andere Art der Tränen ins Gesicht. Schaffen wirs rein ins Rossmeer oder nicht? Werden wir bereits am Eingang zum Traum der meisten Teilnehmer, dem Rossmeer, abgewiesen wie der Sünder am Himmelstor? Immer dichter wird das Eis, und proportional dazu steigt die Spannung an Bord. Ein Hubschrauber wird ausgeschickt, um für das Schiff eine Route durch dieses Gewirr aus kleinen und grossen Schollen zu erkunden. Immerhin: Das Wetter macht mit, die Sonne scheint und taucht die Landschaft in ein zauberhaftes Licht. Die Temperaturen sind mit minus 4 Grad kalt, aber bei weitem nicht die erwarteten Minusgrade. Noch immer lenken uns Kaiserpinguine und Robben von jeglichen trüben Gedanken ab. Kapitän Barria und Expeditionsleiter Don verbreiten vorsichtigen Optimismus. Wir sind schon so weit drin, dass eine Umkehr einem persönlichen Waterloo gleichkommen würde. Expedition pur, Nerven wie Stahl sind gefragt. Und dann die Erlösung: offenes Wasser vor uns! Erleichterung ist im ganzen Schiff zu spüren, und viele lassen auf der Brücke den Kapitän, den Steuermann und auch den vorbeiziehenden Eissturmvogel hochleben. Hinter uns das Packeis, vor uns das Schelfeis! Die neun Tage auf See haben sich gelohnt, ein weiteres Ziel der Fahrt ist erreicht. Von Erfolg und Niederlage Das Rossmeer… Unendliche Weiten… Wir schreiben das Jahr… Ach, Copyrightalarm! Doch genau so wie im zitierten Fernsehfilm «Raumschiff Enterprise» fühlt man sich beim Anblick einer bis an den Horizont reichenden weissen Wand, die rund 30 Meter hoch aufragt. Es ist schon sehr eindrücklich, wenn man auf Deck vor der Gletscherwand steht. Doch wenn man das Ganze aus dem Helikopter aus 200 Metern Höhe betrachten kann, stockt einem nur noch der Atem. Eine bis an den Horizont reichende weisse Ebene eröffnet sich uns. Expeditionsleiter Don und die Piloten haben grünes Licht für einen Rundflug gegeben, und in Gruppen schweben wir über die eisigen Weiten des Schelfeises. Die Gedanken kreisen wie die Rotoren des Hubschraubers um die frühen Helden des heroischen Zeitalters, die diese Weite hinter sich bringen wollten, um die dahinterliegende Welt zu entdecken, immer weiter, bis zum Südpol, dem Goldtopf am Ende des Regenbogens. Diesen Männern sind wir jetzt auf der Spur, wir suchen ihre Hinterlassenschaften. Kapitän Barria steuert die «Ortelius» zuerst nach Westen, in die Region der McMurdo-Bucht, die vom mächtigen Vulkan Mount Erebus Grösste Station in der Antarktis: McMurdo. PolarNEWS 33

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