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PolarNEWS Magazin - 22 - D

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Forschung Mammut-Jäger

Forschung Mammut-Jäger Bernard Buigues ist Mister Mammut: Mit seiner Stiftung Mammuthus sammelt, konserviert und erforscht er Mammut-Funde in Sibirien. Um seine Forschung zu finanzieren, geht er ungewöhnliche Wege. Text: Christian Hug Wie sind Sie auf das Mammut gekommen? Lange Jahre habe ich Expeditionen zum Nordpol organisiert und mit Abenteurern durchgeführt, pro Tour zwei Monate auf Skiern. In der Zeit von 1992 bis 1996 war ich bestimmt hundert Mal am Nordpol. Aber je öfter ich dort stand, umso bohrender fragte ich mich: Und jetzt? Was kann ich vom Nordpol mitnehmen? Aber da ist nichts, was man vom Nordpol mitnehmen könnte. Vor 25 Jahren kam ich durch Kontakte mit Einheimischen aus der Gegend in Sibirien, von wo meine Expeditionen starteten, zu den Mammuts. Und da wurde mir klar: Das macht Sinn. Inwiefern? Mammuts lebten vor 10’000 bis 50’000 Jahren. Heute erzählt uns jeder einzelne Fund unzählige Geschichten über die Welt von damals, über die Natur und die Ökologie. Und die Funde erzählen auch viel über uns Menschen, denn wo Mammuts herumzogen, waren auch die Menschen nicht weit. Oft entdecken wir in der Nähe von Mammut- Funden auch Spuren von Menschen, die so alt sind wie diejenigen der Mammuts. Die Suche nach Mammuts war umso aufregender, als vor 25 Jahren die Sowjetunion am Zusammenbrechen war und sich mit der Perestroika erstmals gegenüber dem Westen öffnete. Vorher hat sich niemand für die Mammuts interessiert, die im Permafrostboden der Tundra konserviert sind. Es war lange Zeit sogar verboten, nach Sibirien zu gehen, um Mammuts zu suchen. Mit der Perestroika wurde es erstmals möglich, 26 PolarNEWS

Bernard Buigues mit dem Yukagir-Mammut im Aufbewahrungsraum seines Museums in Khatanga bei minus 18 Grad. www.foundation-mamont.com enges und möglichst weitläufiges Netz von Kontakten zu den Menschen aufzubauen und zu pflegen. Wenn sie etwas finden, wird mir das gemeldet. Und ich organisiere dann die Bergung der Funde. Und das funktioniert? Sehr gut sogar. Anfang September klingelte mein Handy. Ich war zu Hause in Frankreich, mein sibirischer Nachbar Igor rief an. Das tut er nur alle ein, zwei Jahre, und wenn, dann will er meistens Geld für irgendwas. Diesmal aber meldete er den neuen Fund zweier vollständig erhaltener Mammut- Stosszähne. Grossartig! So funktioniert das. Sie unterhalten in Khatanga ein eigenes Museum. Hier kommen alle Funde zusammen, und hier können die Wissenschaftler arbeiten. Wir bewahren die Funde in einem Raum 30 Meter unter dem Boden auf. So sind sie bei minus 18 Grad im Permafrostboden quasi biologisch gekühlt. Insgesamt sind hier rund 1000 Funde versammelt, vom hundert Gramm schweren Knochenfragment bis zum vollständig erhaltenen Mammut. Ihre Organisation heisst Mammuthus. Wie finanzieren Sie die Stiftung? Mit Beiträgen aus der Wissenschaft, der Stiftung Mamont und von privaten Gönnern wie Frederik Paulsen. Jetzt lanciert Mamont eine Special Edition mit echtem Mammut-Stosszahn als Deckel. Ja, eine sehr ausgefallene Idee und mit neun Flaschen extrem limitiert. Die Elfenbein- Stücke sind rund 200 Gramm schwer und von verschiedenen Künstlern zusätzlich bearbeitet. Mir gefallen sie wirklich sehr. Gehen diese Stosszahn-Stücke nicht der Wissenschaft verloren, wenn man sie auf Vodkaflaschen setzt und verkauft? Jein. Selbstverständlich wurden sämtliche Stücke von unseren Wissenschaftlern eingehend untersucht und erforscht, bevor sie für den Vodka freigegeben wurden. Und weil diese neun Flaschen teuer verkauft werden, fliesst somit ja auch wieder Geld zurück an Mammuthus für weitere Forschung. Und vielleicht muss man noch anfügen, dass Mammut-Elfenbein und Mammut-Knochen nicht geschützt sind – sie stammen ja von einer ausgestorbenen Tierart. Wie teuer ist eine Special-Edition-Flasche des Mamont-Vodkas? Oh, die werden von Sotheby’s versteigert zu einem Startpreis von 10’000 Euro pro Flasche. Der gesamte Erlös geht in die Stiftung Mamont und von da in Mammut-Projekte. Und wie schmeckt der Vodka? Vorzüglich. Bilder: zvg Mammuts zu suchen und die Funde wissenschaftlich auszuwerten. Sie waren einer der Pioniere, die die Suche nach Mammuts institutionalisierten und die Funde für die Wissenschaft zugänglich machten. Das kann man so sagen. Obwohl ja nicht ich die Mammuts entdeckte. Wie organisieren Sie die Mammutsuche? Man kann ja nicht einfach das Gebiet nach Stosszähnen absuchen. Das geht tatsächlich nicht, dafür ist Sibirien viel zu gross. Jeder Fund von Knochen, Stosszähnen oder ganz erhaltenen Mammuts ist ein Zufall. Die Menschen, die in Sibirien leben, entdecken die Teile. Sie fahren raus zur Jagd oder ziehen als Nomaden umher. Meine Aufgabe ist es, ein möglichst Der Mann, der 2007 mit dem U-Boot an den Meeresgrund am Nordpol vorstiess? Genau. Ich lernte ihn vor 15 Jahren kennen, als er mit mir zum Nordpol kam. Damals suchte ich finanzielle Unterstützung zur Bergung eines vollständig erhaltenen Mammuts, das später als Yukagir-Mammut berühmt wurde. Frederik Paulsen unterstützte das Projekt grosszügig. Bis heute können Sie auf die Hilfe von Frederik Paulsen zählen. Ja, dafür bin ich sehr dankbar. Er entwickelt selber immer wieder Projekte, mit denen er Geld auftreibt, mit dem er dann die Wissenschaft unterstützt. Vor zehn Jahren kam er zu mir mit der Idee, einen Vodka herzustellen, dessen Verkaufserlös der Wissenschaft zugute kommt. Entstanden ist so der Mamont-Vodka, der innerhalb der Mamont- Stifung lanciert wurde. Ich habe mitgeholfen, die Flasche in Form eines Mammut- Stosszahns zu designen. Edel und echt: Neun Flaschen Mamont-Vodka mit Mammut-Elfenbein werden von Sotheby’s versteigert. PolarNEWS 27

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