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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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Ken Mankoff in einer

Ken Mankoff in einer sogenannten Kristallhöhle im Hans-Gletscher auf Spitzbergen. 72 PolarNEWS

Weiterlesen «Wärme per Schmelzwasserexpress» http://www.scinexx.mobi/wissen-aktuell- 18477-2015-01-22.html Eishöhlen im Gornergletscher: http://www.shonephotography.com/gallery/ icecaves/ «Lake Wostok nach 30 Jahren erreicht» www.polarnews/antarktis/forschung-umwelt Ins rechte Licht gerückt, wirkt das unbekannte Höhlensystem im Gletscher poetisch. Wasser in Gletscherspalten ein und füllt diese, bis das Eis unter dem Druck des Wassers wie von einem Keil gespalten wird und den Weg ans Bett freimacht. In Gletschern, die viel Geröll mit sich führen, folgt das Wasser Zonen, in denen Sand und Geröll im Eis eingelagert ist: Hier ist die sogenannte hydraulische Durchlässigkeit am grössten. Für Glaziologen, die das Entwässerungssystem von Gletschern mit Hilfe von physikalischen Parametern zu modellieren versuchten, waren die Ergebnisse von Benn und Gulley nicht gerade erbauend: Zwar brachten die beiden detaillierte Informationen über Form und Entstehungsgeschichte der Schmelzwasserkanäle von ihren Expeditionen mit. Aber eben keine neue Theorie, aufgrund der man besser hätte modellieren können. Im Gegenteil: Benn und Gulley zeichneten das Bild eines chaotischen Systems, in dem kleine Zufälle bestimmen können, wo und wie das Schmelzwasser ans Bett des Gletschers gelangt. Nach zehn Jahren Forschung zeigen sich inzwischen auch die Grenzen der neuen Methode, das Geschehen im Gletscher mit Höhlenforschung zu erschliessen. Die untersuchten Höhlen liegen alle nicht in grosser Tiefe, sondern vergleichsweise nahe an der Oberfläche. In grossen Gletschern wie jenen in Grönland liegen bis zu einem Kilometer und mehr Eis über den Schmelzwasserkanälen am Bett: Hier ist der Druck des Eises so gross, dass eine Höhle, die nicht mit Wasser gefüllt ist, sich innerhalb von ein bis zwei Tagen schliessen würde. In solche Tiefen vorzudringen, ist bislang niemandem gelungen. Versuche mit Radar zeigten, dass sich Gletscherhöhlen von weniger als hundert Meter Mächtigkeit abbilden lassen – für Tiefen bis zu einem Kilometer ist die Auflösung des Radars aber zu klein. Was im Innern des grönländischen Eisschilds tatsächlich passiert, bleibt deshalb Gegenstand der Spekulation. Grenzen des Caving Auf Interesse stösst die Erforschung der Gletscherhöhlen dennoch auch von anderen Seiten. Erkenntnisse über die Mechanismen, die im Zusammenspiel von Eis und Wasser wirken, können helfen, Naturgefahren besser einzuschätzen. Etwa dann, wenn sich wie 2005 auf dem Unteren Grindelwaldgletscher Seen auf der Oberfläche des Gletschers bilden, die jederzeit ausbrechen können und so die Dörfer im Tal bedrohen. Die Formen, die sich am Bett des Gletschers entdecken lassen und sich auch in heute eisfreien Landschaften finden, geben Geologen Aufschluss über Gletscher der Vorzeit, die seit zehntausend Jahren abgeschmolzen sind, und damit über die Geschichte des Klimas. Biologen interessieren sich derweil für seltene Mikroorganismen, die im extremen Klima der Gletscherhöhlen überleben. Mittlerweile interessieren sich nicht nur Forscher für die Welt der Gletscherhöhlen. So startete der britische Fotograf Robbie Shone 2012 eine spektakuläre Expedition in die Höhlen des Gornergletschers bei Zermatt. Und seit letztem Jahr treffen sich jeden Herbst Studenten und Höhlenforscher auf dem Gornergletscher, um dieses Höhlensystem zu erforschen. Um selbst einen Einblick in die verzauberte Welt im Innern der Eisriesen zu werfen, muss man mittlerweile kein Eiskletterer und Höhlenforscher mehr sein: Es genügt, im Winter nach Longyearbyen zu fliegen. Nur wenige Kilometer vom Rieperbreen entfernt, den wir an jenem kalten Tag im Herbst 2010 durchnässt, aber auch durchdrungen von der Faszination dieser unterirdischen Welt verliessen, wurde eine ähnliche Höhle im Scott-Turnerbreen Touristen zugänglich gemacht. Rund um Longyearbyen finden sich weitere Eishöhlen, die unter kundiger Führung gefahrlos betreten werden können. Dort können Interessierte die Spuren der Gletscherdynamik selbst beobachten. PolarNEWS 73

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