Aufrufe
vor 2 Jahren

PolarNEWS Magazin - 21 - D

  • Text
  • Polarnews
  • Spitzbergen
  • Antarktis
  • Kilometer
  • Longyearbyen
  • Wasser
  • Lummen
  • Nordostpassage
  • Schweizer
  • Beiden
  • Magazin

Dicht gedrängt: Rund

Dicht gedrängt: Rund 100’000 Dickschnabellummen-Paare treffen sich am Alkefjellen zum gemeinsamen Brutgeschäft. Effizient: Jeder noch so kleine Felsvorsprung ist zum Brüten geeignet. Für Nester fehlt das Material in der Umgebung. ner ausgestreckten Hand. Die Vorsprünge in der Felswand, auf denen die Lummen brüten, sind nicht breiter als seine Hand. Bekommt das Hühnerei nun einen kleinen Stoss, so rollt es auf geradem Wege. Das Hühnerei würde sofort von den schmalen Vorsprüngen der Klippe fallen. Das Lummenei dagegen hat eine andere Form, es hat eine spitze und eine stumpfe Seite und sieht fast aus wie ein Kegel. Bekommt das Lummenei einen kleinen Stoss, dreht es sich im Kreis und stürzt nicht von der Klippe. Wer zuerst kommt... Eine erfolgreiche Brut am Alkefjell muss auch gut vorbereitet werden. Dazu finden sich die Geschichtsbuch: Die verschiedenen Steinschichten am Alkefjellen erzählen den Geologen viele Geschichten über die Entstehung der Erde. Lummen bereits Ende April, einen ganzen Monat, bevor sie mit dem Brutgeschäft beginnen, am Alkefjell ein. So früh im Jahr ist der Fels noch tief verschneit. Aber bereits jetzt nehmen die Vögel ihre Brutplätze in Besitz und warten, bis der Schnee geschmolzen ist. Denn nur die Lummen, die zuerst in der Kolonie ankommen, können sich die besten Plätze sichern. Die begehrtesten Plätze sind diejenigen im Zentrum der Kolonie in den oberen Etagen. Denn in der Mitte sind die Möwen am weitesten entfernt. Und je weiter oben der Nistplatz liegt, desto weniger werden die Vögel vom Kot vorbeifliegender und darüber brütender anderer Lummen getroffen. Da der Kot Krankheitserreger enthalten kann, wirkt sich die höhere Lage auch positiv auf die Gesundheit und das Überleben aus. Auf unserer Fahrt entlang der Klippe sind auch wir in den Zodiacs bald von einigen «Glücksbringern» verziert... Wir tuckern in nördlicher Richtung am Alkefjell entlang und gelangen in einen Bereich, wo die Basaltwand nicht direkt aus dem Meer aufragt, sondern sich am Fuss der Felswand ein Schutthang angesammelt hat. Im unteren Teil besteht dieser Schutt aus groben Felsbrocken, weiter oben wird das Material feiner. Fuchs in Sicht Plötzlich stoppt unser Guide das Zodiac. Hat sich da oben im Hang etwas bewegt? Der Guide legt das Fernglas an, und ja, wir haben einen weiteren Bewohner der Vogelkolonie gefunden: den Polarfuchs. In seinem braunen Sommerpelz ist der Polarfuchs im Schutthang gut getarnt. Den Sommer über leben die Füchse zumeist in der Nähe von Vogelkolonien, aus denen sie sich ernähren. Denn am Boden finden sie den ganzen Sommer über Eier und Jungtiere, die trotz aller Vorsichtsmassnahmen von der Klippe gefallen sind. Hier ist quasi ein Selbstbedienungsrestaurant für Polarfüchse. Nach kurzer Zeit hat auch unser Fuchs ein Küken gefunden – und macht plötzlich kehrt. Unser Guide ist elektrisiert. Er weiss: Der Fuchs zieht im Sommer ebenfalls Nachwuchs gross, und dieses Küken ist für seinen Nachwuchs bestimmt. Die jungen Füchse wollen wir sehen! Wir heften uns dem Fuchs an die Fersen und folgen ihm im Zodiac, während er den Hang entlang läuft. Mit Leichtigkeit passiert der Fuchs Schotterfelder und steilste Passagen. Er läuft sehr schnell und ist nicht leicht im Auge zu behalten. An einer grasigen Anhöhe 48 PolarNEWS

Reich gedeckter Tisch: Während der Brutzeit der Vögel muss der Polarfuchs nie hungern. Er zieht in diesen Wochen seinerseits Junge gross. Vitamin-C-Bombe: Für das Gebräuchliche Löffelkraut ist der Boden wunderbar gedüngt. Seefahrer assen das Kraut gegen Skorbut. stoppt er abrupt. Aus einem Loch kommen vier Junge, dicht gefolgt vom anderen Elternteil, zum Vorschein! In der Sonne balgen sich die Kleinen um das Lummenküken, bevor eines der Elterntiere die Beute wieder an sich nimmt und damit im Bau verschwindet. Die Jungen und das zweite Elternteil folgen. Die Fuchsshow ist für uns beendet. Wir nehmen wieder Kurs nach Süden ins Zentrum des Alkefjell. Die grosse Flugschau Auf dem Weg berichtet der Guide, dass «unsere» Füchse in wenigen Wochen für ein paar Tage wie im Schlaraffenland leben werden, denn dann kommt die Zeit des Lummensprungs. Bis in die ersten Augusttage werden die Lummenküken an ihrem Nestplatz in der Klippe gefüttert. Je grösser die Küken werden, desto mehr Fisch müssen die Eltern für ihre Jungen von der Packeisgrenze herbeischaffen. Dort jagen die Dickschnabellummen Fische, vor allem die bis zu 20 Zentimeter langen Polardorsche, die in den Spalten und Löchern an den zerklüfteten Unterseiten von Eisschollen leben. Ab einer bestimmten Körpergrösse benötigen die Küken aber so viel Fisch, dass der Transport von Fisch zu den Küken nicht mehr in ausreichenden Mengen zu bewerkstelligen ist. Und wenn das Futter nicht mehr zu den Küken kommen kann, dann müssen eben die Küken zum Futter gehen. Beziehungsweise runterflattern. Denn obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht flugfähig sind, müssen die halbwüchsigen Lummen jetzt die Felswand verlassen. Mit weit gespreizten Flügelchen springen sie nun heftig flatternd von der Klippe, teilweise aus einer Höhe von fast 100 Metern über dem Meer! In jenem Teil der Klippe, der senkrecht aus dem Meer ragt, legen die jungen Lummen dabei einen mehr oder weniger kontrollierten Absturz ins Meer hin. Auf dem Wasser werden sie vom Vater, der mit seinem Jungen mitfliegt, in Empfang genommen. Er wird sich ab jetzt alleine um das Küken kümmern, bis es flugfähig ist. Dort allerdings, wo sich unter der Klippe ein Schutthang gebildet hat, gestaltet sich der Weg ins Meer zum wartenden Vater schwieriger. Die Jungen sind in ihrem Federkleid zwar sehr gut gepolstert und überstehen den Aufprall auf dem Hang trotz spektakulärer Über- Vogel frisst Vogel: Ohne jede Hast tut sich eine Eismöwe an einer verendeten Dickschnabellumme gütlich. PolarNEWS 49

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum