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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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Bild: Nationalmuseum, Schweden Adolf Erik Nordenskiöld in Siegerpose inszeniert von Georg von Rosen (Ausschnitt). See stach, die Nordostpassage zu durchqueren. Nordenskiöld war zu dieser Zeit längst ein ausgewiesener Experte in Sachen Arktis. Er wurde 1832 in Helsinki als Kind schwedischer Emigranten geboren. Die Lehrer attestierten dem Schüler «ausserordentliche Faulheit», sein Abitur schaffte er mit 17 Jahren trotzdem mit sehr guten Noten. Wegen seiner öffentlichen Hasstiraden gegen Russland, das damals Finnland besetzt hielt, wurde er wegen Hochverrats des Landes verwiesen. Nordenskiöld, mittlerweile Professor der Geologie, zog 1857 nach Stockholm und nahm als Leiter der mineralogischen Abteilung des Reichsmuseums an jeder Arktis- Expedition teil, die Schweden seither durchführte: 1858, 1861, 1864 und 1868 nach Spitzbergen, dann nach Grönland, um eine Expedition zum Nordpol vorzubereiten, die dann allerdings schon nach drei Wochen abgebrochen wurde. Er wendete sich dem Osten zu: 1875 und 1876 erkundet er die Flüsse Ob, Jenissei und Lena bis tief ins Landesinnere und gründet den Hafen Dikson, der heute ein wichtiger Umschlagplatz in der Nordostpassage ist. Auf seinen Fahrten kartografierte er weite Teile der russischen Nordküste. Mit finanzieller und politischer Unterstützung des schwedischen Königs Oskar II. und des russischen Minen- und Schiffsbesitzers Alexander Sibiriakow bereitete sich Nordenskiöld nun auf die Durchquerung der Nordostpassage vor. Planmässiger Auftakt Am 4. Juli 1878 also bricht Adolf Erik Nordenskiöld in Göteborg auf. Sein Schiff, die «Vega», ist ein aus bester deutscher Eiche gebauter, mit einem 60-PS-Motor verstärkter Dreimaster und für den Walfang in vereistem Meer konzipiert. An Bord sind Botaniker, Zoologen, Geophysiker und Ozeanografen sowie drei Walrossjäger und 16 Matrosen der schwedischen Marine. Der mitgeführte Proviant reicht für zwei Jahre. Meerrettich, Zitronensaft und eingemachte Maulbeeren sollen dem Skorbut vorbeugen. Die «Vega» wird begleitet von der «Lena» sowie zwei weiteren Schiffen. Vorbei an grauen Küsten und durch dicken Nebel erreichen die vier Schiffe ohne nennenswerte Ereignisse die Karasee. Zwei der drei Begleitschiffe kehren hier ebenfalls planmässig um. Die «Vega» und die «Lena» passieren am 19. August das Kap Tscheljuskin, den nördlichsten Punkt des asiatischen Kontinents, was mit fünf Böllerschüssen gefeiert wird. In der Mündung des Flusses Lena verabschiedet sich das Schiff «Lena» von der «Vega» und fährt 2000 Kilometer den Fluss hoch bis nach Jakutsk. Nordenskiöld unternimmt derweil mit der «Vega» einen Abstecher nach Norden zu den Neusibirischen Inseln. Er passiert die Wrangel-Insel und fährt in die schmale Koljutschinbucht hinein. Doch da passiert das Malheur: Ein mindestens 30 Kilometer breiter Treibeisgürtel schliesst sich um das Schiff und gefriert. Die «Vega» sitzt fest, die Mannschaft ist gefangen im Eis. Am 27. September beschliesst Nordenskiöld schweren Herzens, das Schiff an einer Eisscholle zu vertäuen, und bereitet sich auf eine Überwinterung vor – nur gerade rund 200 Kilometer vor dem offenen Gewässer der Beringsee, so kurz vor dem Ziel. Nordenskiöld hatte die Durchfahrt nur um Stunden verpasst. «Dieses Festfrieren so nahe dem Ziel», wird Nordenskiöld später schreiben, «ist das Missgeschick gewesen, mit welchem ich mich während aller meiner Eismeerfahrten am schwersten aussöhnen konnte.» Ohne Abstecher zu den Sibirischen Inseln hätte er die Durchfahrt wohl in einem Zug geschafft. Da ist es ein schwacher Trost, dass 1787 ein Jahr mit ausserordentlich viel Eis war. Sichere Überwinterung Abgesehen von der einen und anderen Frostbeule bei den Arktis-unerfahrenen Matrosen sind zwar weder die Mannschaft noch das Schiff in ernsthafter Gefahr und beide bestens für eine Überwinterung ausgerüstet. Aber es ist nun nicht mehr möglich, Nachrichten nach Hause zu schicken. Zwar kann Nordenskiöld am 18. Oktober 1878 einem einheimischen Häuptling einen Brief mitgeben, doch diese Nachricht erreicht Stockholm erst am 16. Mai des folgenden Jahres. In Schweden gilt die «Vega» deshalb monatelang als verschollen. Man macht sich ernsthaft Sorgen. Alexander Sibiriakow, der russische Mäzen, lässt in Malmö gar in aller Eile PolarNEWS 43

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