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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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Der Maler Christiaan

Der Maler Christiaan Portman inszeniert Willem Barents’ Tod unrealistisch kitschig, schon fast wie eine Szene von Jesu Kreuzabnahme. Die erste offizielle Expedition, von Tschukotka ins Ostsibirische Meer vorzudringen, unternahm der russische Kosake Semjon Iwanowitsch Deschnjow bereits 1645, er kam aber wegen schlechten Wetters nicht weit. Drei Jahre später gelang ihm der Vorstoss bis ans Ostkap. Er erbrachte so den Beweis, dass Alaska und Russland nicht durch eine Landbrücke miteinander verbunden sind und also ein Seeweg entlang der russischen Nordküste möglich ist. Dummerweise blieb Deschnjows Bericht beim damals zuständigen Gouverneur unbeachtet liegen – und das für volle 88 Jahre, bis 1736 ein Historiker im Stadtarchiv von Jakutsk auf die Papiere stiess. Aber da war es bereits zu spät für Ruhm und Ehre. Denn von 1728 bis 1730 führte der in russischen Diensten stehende Däne Vitus Bering eine Expedition an, die als Erste Kamtschatka-Expedition in die Geschichtsbücher eingehen sollte: Bering erbrachte denselben Beweis wie Semjon Iwanowitsch Deschnjow, doch diesmal wurde der Bericht offiziell. Sowohl die Beringsee als auch die Beringstrasse tragen heute seinen Namen. Die Regierung war begeistert und schickte Bering 1733 erneut los: Auf der Zweiten Kamtschatka-Expedition sollten der Marineoffizier und mit ihm 1000 Männer Sibirien erkunden. Weil die Unternehmung ganze zehn Jahre dauerte, spricht man auch von der Grossen Nordischen Expedition. Direkt und indirekt waren darin rund 3000 Leute involviert. Unter anderem entstanden dabei Karten der russischen Nordküste, die den nächsten Entdeckern wertvolle Informationen lieferten. Vitus Bering erlebte das Ende der glorreichen Unternehmung allerdings nicht mehr: Sein Schiff kam 1741 zwar bis nach Alaska, geriet aber auf der Rückfahrt in einen Sturm und strandete auf der Insel Awatscha. Bering überlebte die notwendig gewordene Überwinterung nicht. Eine russische Insel ganz im Westen der Aleuten trägt heute ebenfalls seinen Namen. Mehr als hundert Jahre lang sollten sämtliche weiteren Expeditionen ebenfalls erfolglos enden. Semjon Iwanowitsch Deschnjow, 1605 – 1673. Vitus Bering, 1681 – 1741. Bilder: National Maritime Museum, London 40 PolarNEWS

Dramatisch übersteigert: Vitus Berings Expedition erleidet Schiffbruch (Ausschnitt). Warum sind all diese Expeditionen gescheitert? Das hat mehrere Gründe. Zuallererst verfügte man lange Zeit über gar keine oder nur sehr unzureichende Landkarten – auch nicht von den Russen, die die Küste vom Land aus hätten kartografieren können. Mit der Zweiten Kamtschatka-Expedition wurde nur ein verhältnismässig kleiner Teil der Gesamtstrecke erfasst. Das erklärt den zweiten Grund des Scheiterns: die lange Distanz der Nordostpassage. Die heute offizielle Strecke der eigentlichen Passage führt von Murmansk der kontinentalrussischen Nordküste entlang um das Ostkap herum bis nach Providenja in Tschukotka – beziehungsweise umgekehrt. Das sind 6500 Kilometer. Eine andere Definition beschreibt die Strecke vom sogenannten Karator, also dem Meeresdurchgang zwischen den Inseln Nowaja Semlja und Waigatsch, bis nach Providenja. Das sind immer noch 5600 Kilometer. Entscheidend aber sind die hydrologischen und klimatischen Besonderheiten der Nordostpassage: Die grossen Inselgruppen Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, die Neusibirischen Inseln und die Wrangel-Insel wirken wie massive Blockaden in der Drift der arktischen Eiskappe und in der Gezeitenströmung des arktischen Ozeans. Global gesehen bleibt die Drift an diesen Archipelen hängen. Das passiert vor allem in den Bereichen von einer Wassertiefe von 20 bis 50 Metern, worin ein grosser Teil der Schiffsrouten verläuft. Das führt einerseits zu massiven Stauungen von Eis an den «Barrieren» und insbesondere in den Meeresabschnitten zwischen den Inseln und dem Festland – also genau dort, Julius von Payer, 1842 – 1915. wo die Schiffe durch müssen. Die Stauung ist auch einer der Gründe, warum die Nordostpassage nur zwei bis drei Monate pro Jahr eisfrei passierbar ist. Der Abschnitt um Sewernaja Semlja gilt in der Schifffahrt als der schwierigste. Kommt hinzu: Die «Barrieren» teilen das Meer entlang der Festlandküste in fünf verschiedene Abschnitte: die Barents-, Karaund Laptevsee, das Ostsibirische Meer und die Tschuktschensee. Jeder Abschnitt weist eigene hydrologische Verhältnisse auf, sogar die einzelnen Klimas unterscheiden sich leicht voneinander. Das bedeutet für die Schifffahrt eine ganz besondere Herausforderung, weil der Kapitän unterwegs immer wieder mit veränderten Wasser-, Eis-, Wind- und Wetterverhältnissen kämpfen muss. Im grossräumigen Inselarchipel der kanadischen Arktis, wo die Nordwestpassage durchführt, sind diese Verhältnisse vergleichsweise ausgeglichen. Der Held wächst heran All das wusste man noch nicht, als der Geologie-Professor Adolf Erik Nordenskiöld am 4. Juli 1878 mit vier Schiffen in Göteborg in PolarNEWS 41

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